„Dichter, Nachdichter, Redakteur.“ So wird Johann P. Tammen von einem engen Freund, dem Schriftsteller Wolfgang Hegewald, charakterisiert. Öffentliche Wirkung erlangte der 1944 im ostfriesischen Wangerland geborene Tammen vor allem in letztgenannter Funktion: als bestimmende Kraft (und mit eigenen Gedichten auch Stimme) der Literaturzeitschrift „die horen“ über mehr als vierzig Jahre hinweg, davon die letzten siebzehn, 1994 bis 2011, als Herausgeber. Tammen setzte fort, was der Gründer Kurt Morawietz seit 1955 etabliert hatte: In den „horen“ konnte und kann man mit allem rechnen, solange es nur Qualität besitzt, etwa als buchstäblicher Lückenbüßer im von Tammen zusammengestellten Schwerpunktheft zu Albert Vigoleis Thelen (Nr. 240 von 2010) eine Loriot-Zeichnung, deren Abdruck der Herausgeber in einer Danksagung so rechtfertigte: „Irgendetwas zum Thema Mensch oder Hund musste her. Also ran ans Genialste: Loriots Klassiker Auf den Hund gekommen. Wir bitten um Nachsicht und Schonung.“ Damit war auch der Diogenes Verlag als Rechte-Inhaber der Zeichnung angesprochen, denn „die horen“ waren traditionell finanziell klamm, aber Tammen war ein begnadeter Verwalter des Mangels, dessen bezwingende Art ihm immer wieder Geldgeber gewann. Seine Lyrik fand leider nie einen großen Verlag, aber in der jüngst erschienenen Jubiläumsausgabe 300 der „horen“ ist sie reich vertreten. Tammen sah es noch, bevor er am zweiten Weihnachtsfeiertag mit 81 Jahren in Bremerhaven starb.
