FAZ 20.12.2025
13:30 Uhr

Jagdrecht geändert: Problemwölfe stehen auf der Abschussliste


Ein Raubtier, das lange als streng geschützt galt, wird bundesweit zur Jagd freigegeben. Naturschützer befürchten schwere Folgen für den Bestand in Deutschland.

Jagdrecht geändert: Problemwölfe stehen auf der Abschussliste

Die Bundesregierung hat sogenannte Problemwölfe ins Visier genommen. Das Kabinett in Berlin verabschiedete in dieser Woche einen Gesetzentwurf, der den Wolf grundsätzlich ins Jagdrecht aufnimmt. Umweltverbände wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnen eindringlich vor einer „faktischen Ausrottung“ der streng geschützten Art. Der hessische BUND-Vorsitzende Jörg Nitsch bezeichnet den Entwurf als „komplett misslungen“. Er verletze geltendes EU- und Naturschutzrecht und widerspreche dem Staatsziel des Tierschutzes im Grundgesetz. Statt einer sechsmonatigen Jagdzeit oder weitreichender Abschussbefugnisse bedarf es aus Sicht des BUND einer Regelung, die auf Koexistenz von Wölfen und Weidetieren zielt. Gezielte Eingriffe dürfe es nur bei nachweislichen „Problemwölfen“ geben. Weit gefasste Ausnahmegenehmigungen Der Gesetzentwurf sieht neben einer Jagdzeit von September bis Februar auch weit gefasste Ausnahmegenehmigungen vor. Danach könnten in einem Umkreis von 20 Kilometern um ein gerissenes Nutztier alle Wölfe eines Rudels geschossen werden – selbst ohne Nachweis, welches Tier den Schaden verursacht hat. Diese Vorschrift sei mit der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie unvereinbar, kritisiert der BUND, denn dort sei die Tötung nur zur „Verhütung ernster Schäden“ ausdrücklich erlaubt. Besonders problematisch sei zudem die geplante Möglichkeit, Wölfe in sogenannten „Weidegebieten“ zu töten, wo ihre Ausbreitung „nicht erwünscht“ sei. Eine solche Regelung könne zu einem dauerhaften Bestandsrückgang führen, da wandernde Jungwölfe immer wieder in diese Zonen eindrängen. „Hetze gegen den Wolf“ Der BUND befürchtet, dass bis zu 450 Wölfe jährlich getötet werden könnten. Angesichts von nur rund 220 Rudeln in Deutschland und gerade einmal drei bestätigten Wolfsrevieren in Hessen wäre der Bestand der Art hierzulande dann massiv gefährdet. „Die Hetze gegen den Wolf muss aufhören“, mahnt Nitsch. Hessens Wolfspopulation sei sogar leicht rückläufig, daher drohe bei jeder Bejagung das lokale Aussterben. Während auch andere Naturschutzorganisationen vom „Sieg des Populismus über den Naturschutz“ sprechen, sehen CDU und SPD in Hessen die Chancen für mehr Weidetierschutz. Landwirtschaftsminister Ingmar Jung (CDU) plädiert schon seit Längerem für ein schärferes Vorgehen gegen Wölfe. Es sei höchste Zeit, dass in Regionen mit vielen Wolfsrudeln die Population begrenzt werden könne. Hessen sei auf diesem Weg mit der Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht vorausgegangen. In der CDU-Landtagsfraktion heißt es, der Wolf sei nicht mehr akut gefährdet. Deshalb müsse man nun eine Balance zwischen Artenschutz, Sicherheit und Landwirtschaft finden.