FAZ 26.01.2026
06:27 Uhr

Iva Jovic bei Australian Open: Ein Tennis-Märchen besser als im Film


Die 18 Jahre alte US-Amerikanerin Iva Jovic überrascht in Melbourne mit ihrem mutigen Spielstil. Tipps bekommt sie von ihrem Vater – und von Novak Djokovic. Nun wartet der größte Name im Frauentennis.

Iva Jovic bei Australian Open: Ein Tennis-Märchen besser als im Film

Iva Jovic hat schon einmal gegen Serena Williams gespielt. Nicht gegen die Echte, dafür ist Jovic viel zu jung. Die amerikanische Tennisspielerin ist gerade erst 18 Jahre alt geworden, als die Ikone Williams vor vier Jahren abtrat, war Jovic 13. Das war allerdings auch der Grund, warum sie bei den Dreharbeiten den später Oscar-prämierten Film „King Richard“ über Williams‘ Vater einmal die Gegnerin einer 13 Jahre alten Serena mimen durfte. Und auch wenn es die Szene letztlich nicht in die Kinoversion schaffte, kann man es im Nachhinein als kleinen Hinweis darauf deuten, dass sich hier eine Spielerin auf den Weg gemacht hat, um schon bald die großen Namen der Szene herauszufordern. Bei den diesjährigen Australian Open steht Jovic im Viertelfinale. Sensationell auf den ersten Blick, fast erwartungsgemäß auf den zweiten. Schon im vergangenen Jahr hatte Jovic mit einem Turniersieg im mexikanischen Guadalajara nach einigen Erfolgen in der Jugend erstmals im Frauentennis von sich reden gemacht, beim Vorbereitungsturnier in Hobart erreichte sie dann vor wenigen Tagen das Endspiel. In der Weltrangliste steht Jovic bereits auf Rang 27, wird nach dem Turnier mindestens in die Top-20 klettern. „Ich habe definitiv meine Erwartungen übertroffen bei diesem Turnier“, sagte sie am Sonntag. „Ich hoffe, ich kann das mit dem Gewinnen so weitermachen.“ Zumal ihr das mit dem Gewinnen in Melbourne bislang auf mehr als beeindruckende Art und Weise gelungen ist. In Runde eins schlug sie die Amerikanerin Katie Volynets 6:2, 6:3, danach die Australierin Priscilla Hon 6:1, 6:2 und nun im Achtelfinale die etwas erratische Kasachin Julia Putinzewa 6:0, 6:1. Dazwischen war ihr in der dritten Runde außerdem ihr erster Erfolg gegen eine Spielerin aus den Top Ten der Weltrangliste gelungen. Gegen die zweimalige Grand-Slam-Finalteilnehmerin Jasmina Paolini gewann sie 6:2 und 7:6. Nach vier Matches in Australien hat Jovic damit noch keinen Satz und überhaupt erst 17 Spiele verloren. „Ich glaube, ich habe einfach gelernt, sehr resilient zu sein und auf mich selbst zu vertrauen“, sagt sie. Ein wertvoller Austausch mit Djokovic Wie das oft der Fall ist, wenn derart junge Spielerinnen plötzlich in die Weltspitze schießen, wirkt Jovic erstaunlich reif für ihr Alter. Reflektiert spricht sie über ihr Spiel und ihre Rolle im Turnier. Sie sagt, dass sie keinerlei „Underdog-Mentalität“ verspüre, weil sie sich bislang überhaupt nicht außerhalb ihrer Komfortzone bewege. Dass sie nicht risikoreicher spiele als sonst, sondern im Prinzip ihr normales Level abrufe. Als Kind sei sie ein „kleiner Quälgeist“ gewesen. „Ich konnte es einfach nicht ausstehen zu verlieren“, erzählte sie außerdem einmal von den vielen früheren Trainingsduellen mit Schwester Mia. Inzwischen hat sie gelernt, ihre Energie und ihren Ehrgeiz zu kanalisieren. Jovic ist in Kalifornien geboren und großgeworden. Ein typisches „Cali-Girl“, wie sie selbst sagt, mit einer ausgeprägten Vorliebe für Sonne, Surfen und Freizeitparks. Vater Bojan kommt aus Serbien, Mutter Jelena aus Kroatien. Zu Hause spricht sie mit der Familie Serbisch, was den Eltern wichtig war, damit sie in der Lage ist, mit ihren Großeltern zu kommunizieren. Jovics Tennis-Idol ist konsequenterweise seit Kindertagen Novak Djokovic. Im vergangenen Jahr hatte sie ihn erstmals bei einem Tennisturnier getroffen: „Er sagte mir, dass ich mich mit Fragen immer an ihn wenden kann“, berichtete sie hinterher dem Tennismagazin „Clay“. In Melbourne nun, so erzählte sie das, kam sie vor ihrem Drittrundenmatch gegen Paolini prompt auf das Angebot zurück. „Ich habe vor dem Spiel mit ihm gesprochen. Das war unglaublich“, sagte Jovic und strahlte. „Er hat mir gesagt, dass ich den Court etwas öffnen und nicht zu hastig spielen soll. Das habe ich heute versucht und es hat wunderbar funktioniert. Ich werde also weiter auf Novak hören.“ Die „amerikanische Teenie-Sensation“ Noch entscheidender für Jovics mutige Herangehensweise auf dem Platz dürfte allerdings ihr Vater gewesen sein. „Er hat mir irgendwie meinen Spielstil beigebracht“, sagt sie. „Den Stil, von dem er wollte, dass ich ihn spiele, weil er ihn gut fand.“ Obwohl er „kein ausgebildeter Tennistrainer oder so“ sei, habe er ihr außerdem „die richtige Mentalität eingeimpft“, wie man mit „der richtigen Intention“ spiele, sagt Jovic. Nun steht sie auffällig nah an der Grundlinie, trifft die Bälle früh – und fegt damit an guten Tagen ihre Gegnerinnen regelrecht vom Platz. Jovic ist nun die nächste „amerikanische Teenie-Sensation“, wie es dieser Tage in Melbourne in verschiedenen Medien hieß. Doch man hat im Tennis schon zu viele solcher Sternschnuppen verglühen sehen, um daraus eine Garantie für eine große Karriere mit großen Erfolgen abzuleiten. Immerhin eines kann Jovic dieser Tage allerdings nicht mehr passieren. An diesem Dienstag spielt sie gegen den größten Namen, den es im Frauentennis derzeit gibt: die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka. Aus dem Skript des Turniers herausgeschnitten werden kann dieses Match nicht.