FAZ 11.01.2026
12:36 Uhr

Italienischer Vorschlag: Ein EU-Sondergesandter für die Ukraine?


Die italienische Ministerpräsidentin spricht sich dafür aus, einen Sondergesandten der EU für die Ukraine zu ernennen. Einer ihrer Vertrauten bringt einen Namen ins Spiel: Mario Draghi.

Italienischer Vorschlag: Ein EU-Sondergesandter für die Ukraine?

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat eine Wiederaufnahme des Dialogs zwischen der EU und Russland sowie die Ernennung eines EU-Sondergesandten für die Ukraine gefordert. „Ich denke, es ist an der Zeit, dass Europa mit Russland sprechen sollte“, sagte Meloni bei ihrer Pressekonferenz zum Jahresbeginn in Rom. „Denn wenn Europa beschließt, an dieser Verhandlungsphase teilzunehmen, aber nur mit einer der Konfliktparteien spricht, würde der positive Beitrag, den Europa leisten könnte, begrenzt bleiben.“ Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte schon vor Wochen angeregt, dass es für Europa und auch die Ukraine sinnvoll sein könnte, wieder mit Kremlchef Wladimir Putin zu sprechen, um direkt an den Verhandlungen über ein mögliches Ende des Krieges beteiligt zu sein. Meloni sagte, sie stimme Macron zu, die Europäer müssten aber klären, wer solche Gespräche führen solle. Die EU werde von zu vielen Stimmen vertreten und nutze zu viele Formate bei den Verhandlungen. Deshalb solle ein Sondergesandter der EU für die Ukraine ernannt werden, damit die EU „mit einer Stimme sprechen“ könne. Meloni nannte keinen Namen. Am Wochenende brachte einer ihrer engsten Vertrauten, der Staatssekretär im Ministerpräsidentenamt Giovanbattista Fazzolari von Melonis rechtskonservativer Partei Brüder Italiens, den früheren EZB-Chef und einstigen italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi ins Spiel. Es gilt als sicher, dass Fazzolari den Vorschlag nicht ohne Melonis Unterstützung unterbreitet hätte. Die Partner in der EU könnten ein politisches Schwergewicht wie Draghi für eine solche Aufgabe kaum ablehnen. Für Italien wäre die Berufung Draghis ein diplomatischer Gewinn, weil es nicht zur Koalition der Willigen (Frankreich, Großbritannien und Deutschland) gehört, die sich maßgeblich für die Einsetzung einer Sicherheitstruppe für die Ukraine nach einem allfälligen Friedensschluss einsetzt. Rom unterstützt die Schaffung einer Sicherheitstruppe nachdrücklich, will aber keine italienischen Soldaten in die Ukraine entsenden.