FAZ 06.03.2026
14:39 Uhr

Irans Fußballfrauen: „Hochverrat in Kriegszeiten“


Weil sie die Nationalhymne nicht mitsangen, wird im iranischen Staatsfernsehen eine harte Bestrafung der Sportlerinnen gefordert. Wer schützt sie nach Turnierende?

Irans Fußballfrauen: „Hochverrat in Kriegszeiten“

Die Weigerung der iranischen Frauenmannschaft, die Hymne im ersten Gruppenspiel des Asien-Cups zu singen, hat den Moderator Mohammed Reza Schahbani veranlasst, im iranischen Staatsfernsehen eine Bestrafung der Sportlerinnen wegen „Hochverrats in Kriegszeiten“ zu fordern. Auf Hochverrat steht in der Islamischen Republik Iran die Todesstrafe. Schahbani forderte wörtlich: „Mit diesen Leuten muss strenger umgegangen werden (...) Das Stigma der Ehrlosigkeit und des Verrats muss ihnen auf der Stirn stehen, und davon abgesehen müssen sie richtig behandelt werden.“ Nach zwei Niederlagen steht das iranische Team, das vor dem Angriff Israels und der Vereinigten Staaten nach Australien gereist war, vor dem Aus. Sollte es im Turnier nach der Vorrunde, die für die Iranerinnen mit der Partie gegen die Philippinen im Gold Coast Stadium am Sonntag endet, nicht weitergehen, ist eine Rückreise in den Iran vorgesehen. Verlängerter Aufenthalt in Australien gefordert Abgesehen von logistischen Problemen angesichts des Kriegs forderte der Vorsitzende des „Refugee Council of Australia“, Paul Power, die australische Regierung auf, den Iranerinnen einen verlängerten Aufenthalt im Austragungsland zu gestatten. Die australische Außenministerin Penny Wong teilte in einer Stellungnahme mit, die australische Regierung stehe hinter „dem mutigen iranischen Volk bei dessen Kampf gegen Unterdrückung“, ging aber nicht explizit auf die Forderung nach einem Verbleib ein. Das örtliche Organisationskomitee des Turniers teilte australischen Medien zufolge mit, es gewährleiste gemeinsam mit dem asiatischen Fußballverband AFC die Sicherheit aller teilnehmenden Spielerinnen beim Turnier. Visa- und Immigrationsfragen lägen außerhalb des Turniers und seien von der australischen Regierung zu behandeln, weshalb man von weiteren Stellungnahmen absehe. Nachdem die Spielerinnen sowie Trainerin Marzieh Dschafari im ersten Spiel gegen Südkorea (0:3) beim Abspielen der Hymne geschwiegen hatten, sangen sie am Donnerstag vor dem Spiel gegen Australien (0:4) mit und salutierten. Es ist davon auszugehen, dass sie entsprechend instruiert und unter Druck gesetzt worden waren. Iranische Sportlerinnen und Sportler werden nahezu ausnahmslos von Delegierten der Sicherheitsorgane der Islamischen Republik zu internationalen Sportveranstaltungen begleitet. Schahbanis Forderung nach einer strengen Bestrafung ist angesichts der nach dem Massaker an der eigenen Bevölkerung im Januar abermals verschärften staatlichen Kontrolle des Staatsfernsehens als Ausdruck der Linie der Machthaber in Teheran zu begreifen. Marzieh Dschafari trainiert zugleich das beste Klubteam des Landes. Vor drei Wochen hatte sie mit Bam Chatun zum elften Mal (bei 17 Austragungen) die iranische Meisterschaft gewonnen. Die Spielerinnen nahmen die anschließende Ehrung wenige Wochen nach dem Massaker regungslos, mit gesenkten Blicken und verschränkten Armen hin. Am 8. und 9. Januar waren vermutlich mehrere zehntausend Menschen umgebracht worden und der Aufstand gegen die Machthaber so niedergeschlagen worden.