Dass ein einzelner Werbeträger eine Marke derart vorangebracht hat, in so kurzer Zeit, hat man länger nicht gesehen. Wer hatte vor einem Jahr schon von den Vancouver Whitecaps gehört, wusste gar, in welcher Sportart sie antreten? Thomas Müller hat das schlagartig geändert. Seit seiner Ankunft bei dem kanadischen Fußballclub im Spätsommer hat er einen Hype um diesen ausgelöst, nicht nur spielerisch, sondern auch als Maskottchen. Für die Whitecaps läuft es immer besser, ihr Stadion füllt sich sogar zum „Public Viewing“ bei Auswärtsspielen, Medien weltweit berichten, und zugegeben, deutsche besonders gern. „Müller gelingt historischer Sieg“ Am liebsten sonntagmorgens zum Kaffee, und noch besser, wenn es wieder heißt: „Müller gelingt historischer Sieg“, als wäre es 1974 und als hätte er das gegnerische Team allein bezwungen. Zum Spiel gehört, dass er, auf so etwas angesprochen, stets die Teamleistung hervorhebt. Da die letzten beiden Whitecaps-Spiele in der „Major League Soccer“ gegen Dallas und San Diego zu europäischer Zeit mitten in der Nacht stattfanden, klappte das mit dem Morgenjubelkaffee besonders gut: Gespannt wie ein Kind vorm Adventskalender checkte man nach dem Aufstehen: Hat er es wieder geschafft? Eingefleischte Fans mögen gar die Spiele live bei Apple TV geschaut haben. Aber selbst für die gehört zum Kaffee oft der Blick auf den Instagram-Kanal „@esmuellert“, auf dem „Radio Müller“ schon länger auch Fernsehen macht: Influencer-Fernsehen, wie es im Buche steht, bisweilen Dauerwerbesendung. Das war schon zu seiner Bayern-Zeit so, hat aber noch an Niedlichkeit gewonnen: Bart- und Modenschauen stehen da neben verwackelten Live-Spielszenen, in denen er Tore schießt, Assists liefert oder Jubelposen einnimmt. Inzwischen hat er so ziemlich alle Klamotten aus dem Fanshop der Whitecaps vorgeführt, vom Hoodie bis zur Pudelmütze, ob versonnen auf den Pazifik blickend oder bei kindischem Quatsch, wie man ihn von ihm kennt. Irgendwie gelingt es Thomas Müller, selbst bei Werbestunts so sympathisch zu wirken, dass man sie ihm nicht krummnimmt – zumal er sie augenzwinkernd vollführt, wie jüngst am Ende eines Flugzeugkabinen-Feiervideos, in dem er sagt, jetzt sei „social media happy again“: Gib ihnen, was sie wollen. Beachtliche 15 Millionen Follower hat Müller auf Instagram – und ist noch weit entfernt von Lionel Messi (über 500 Millionen) oder Cristiano Ronaldo (fast 670 Millionen). Die holt er wohl nicht ein, aber vielleicht gelingt ihm – mit seinem Team – heute der Sieg im Finale gegen das Team von Lionel Messi, Inter Miami. Einmal werden wir noch wach, dann schauen wir am Sonntagmorgen, am Tag nach Nikolaus, die Pudelmützennews, hoffentlich fröhliche. Wobei das Spiel heute hierzulande schon zur Prime Time um 20.30 Uhr beginnt. Man gerät fast in Versuchung, Digi-Claus um ein Abo zu bitten.
