FAZ 25.02.2026
18:24 Uhr

Insolvenz Der Revo-Gruppe: Nach 20 Jahren das Aus


Signalrot und direkt am Messegelände: Das Mövenpick-Hotel in Frankfurt ist geschlossen, der Betreiber insolvent. Wer wird das Haus übernehmen?

Insolvenz Der Revo-Gruppe: Nach 20 Jahren das Aus

Der Haltestreifen für Taxen und Busse vor dem Eingang ist leer. Hinter den großen Glastüren stehen Transportwagen mit Putzgeräten herum, Menschen sind nicht zu sehen. Seit dem 16. Februar ist das Mövenpick-Hotel an der Frankfurter Messe geschlossen. Über die Zukunft des vor zwei Jahrzehnten eröffneten Hauses, damals eines der ersten Hotels im noch neuen Europaviertel, wird spekuliert; der Name vor allem eines möglichen neuen Betreibers steht im Raum. 2005 war Richtfest für das Hotel, mit dem sich der Mövenpick-Konzern in der Stadt zurückmeldete. Zehn Jahre zuvor hatte er das gepachtete Parkhotel am Wiesenhüttenplatz, heute das Le Méridien, aufgegeben und später auch das Mövenpick-Restaurant am Frankfurter Opernplatz, längst Geschichte wie auch das Haus, in dem es einmal war. Neue Eigentümer, neue Betreiber Das sieben Stockwerke hohe Mövenpick-Hotel im Europaviertel, das als Viersternebetrieb klassifiziert war, begann mit 70 Mitarbeitern für die 288 Zimmer und 13 Konferenzräume. Gebaut worden war es in 20 Monaten für 45 Millionen Euro. Eigentümer und Investor war Vivico Real Estate GmbH, Mövenpick hatte einen Pachtvertrag über 20 Jahre geschlossen. Bemerkenswert war und ist die Farbgebung des 100 Meter langen Bauriegels – Rot und Silber. Wie so oft in der Hotellerie wechselten Betreiber und Eigentümer und bekamen Gäste, Individualreisende zumal, davon wenig mit. Schon zwei Jahre nach der Eröffnung wechselte der Eigentümer der Immobilie, sie gehört seitdem zum Portfolio von Union Investment. Auch der Hotelbetreiber wechselte: 2018 verkaufte die Mövenpick Holding ihre Hotelsparte an die Accor-Gruppe. Die Franzosen zahlten für die 84 Hotels mit mehr als 20.000 Zimmern in Europa, dem Mittleren Osten, Afrika und Asien insgesamt 560 Millionen Schweizer Franken, damals gut 467 Millionen Euro. Mit der Integration in die französische Gruppe mit 4300 Hotels, Ressorts und Residenzen in 100 Ländern werde das Wachstum der Sparte weiter beschleunigt, hieß es damals. Mövenpick erhalte einen Zugang zum Kundenbindungsprogramm von Accor und profitiere von neuen Vertriebskanälen. Lohnkosten und höhere Mieten Neuer Hotelbetreiber wurde die Revo Hospitality Group mit Sitz in Berlin, die in Deutschland und anderen Ländern 260 Hotels verschiedenster Marken führte, Steigenberger-Hotels darunter, Häuser von Dorint und eben von Mövenpick. Im Januar 2026 wurde die Insolvenz von Revo bekannt. Als Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in die sie geraten war, nannte die Gruppe gestiegene Lohnkosten, höhere Mieten und gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise. Branchenportale führten auch strategische Fehler im Unternehmenskonzept an, verschiedene Hotels verschiedener Marken mit deren jeweiligen Anforderungen etwa in der Ausstattung der Häuser, der IT-Systeme und der Kundenbindung zu führen. Für einen Teil der Gesellschaften der Revo-Gruppe ist die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, für andere die Regelinsolvenz. Erst dieser Tage bestätigte Revo offiziell die Schließung des Mövenpick-Hotels in Frankfurt und auch die des Hotels National im Bahnhofsviertel, das ebenfalls im Revo- Portfolio war. Auf den Internetseiten der Häuser waren schon seit Wochen keine Zimmer mehr buchbar. Mitarbeiter, die am Telefon darauf angesprochen wurden, sprachen von Renovierungsarbeiten. Bis zum Sommer soll die Revo-Insolvenz abgearbeitet sein. Für das Mövenpick-Hotel soll sich die Scandic-Gruppe interessieren. Gespräche sind dem Vernehmen nach weit fortgeschritten, inklusive Plänen zur Umverteilung von Flächen im Haus und einem Ausbau der Konferenzmöglichkeiten.  Aus der Scandic-Zentrale in Stockholm heißt es dazu auf Anfrage, man kommentiere keine Gerüchte, und von Union Investment nur, dass Vertragsverhandlungen mit einem neuen Betreiber  sehr weit gediehen seien.