Als Heidi Klum im Dezember 2005 in Leipzig die Auslosung für die Fußball-Weltmeisterschaft moderierte, lautete das Motto des Turniers: „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Es war jener Slogan, der tatsächlich die Welt in Deutschland willkommen hieß und der sich im Großen und Ganzen auch erfüllte, selbst wenn manches im schwarz-rot-goldenen Blick ein wenig verklärt wurde. Als Heidi Klum am Freitagabend im John F. Kennedy Center for the Performing Arts in Washington die Auslosung für die Fußball-Weltmeisterschaft moderierte, hätte das Motto wieder lauten können: „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Spielplan der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 im Überblick Nur, dass die Freunde diesmal bei aller kunterbunten Folklore den Eindruck vermitteln, am allerliebsten unter und bei sich zu sein: Donald Trump, der Präsident der Vereinigten Staaten, und Gianni Infantino, der Präsident des Internationalen Fußballverbands (FIFA), sind schon jetzt das Traumpaar des Turniers, das am 11. Juni in Mexiko-Stadt beginnt und mit dem Finale am 19. Juli im MetLife Stadium nahe New York endet. Was das konkret bedeutet, davon bekam die Welt am Freitag einen bleibenden Eindruck – der zugleich ganz wie erwartet ausfiel. Als Show, auf amerikanische Art, aber vor allem als Show-off nach FIFA-Art, mit Infantino in der größten Angeberrolle. Die FIFA? Der „offizielle Glücksanbieter der Menschheit“. Die WM? Die „großartigste Veranstaltung, die die Menschheit je gesehen hat“. Und Donald Trump? Der nun zumindest FIFA-offiziell größte Glücksfall für den Frieden auf dem Planeten. Auch das eine erfüllte Erwartung, mit dem Zeug zum Running Gag: Was, wenn der eine Präsident den großen Friedens(nobel-)preis, den er so gerne hätte, nicht bekommt? Dann erfindet der Fußballpräsident ihm eben einen. Vielleicht ist ja im nächsten Jahr schon Infantino dran. Das treffende Motto dieser WM wäre jener Satz, den Infantino zu Trump sagte, als der nach dem Weg zur Lostrommel suchte: „You can do what you want.“ Mach, was du willst. Das gilt offenbar für beide Präsidenten gleichermaßen. Nur, dass das für viele Menschen in der (Fußball-)Welt nicht so komisch ist. Infantino verzichtete, wie erwartet, darauf, sich als Somalier, Iraner oder auch als gefeuerter Mitarbeiter des Kennedy Center for the Performing Arts zu fühlen. Wohingegen Rudi Völler, der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), nicht darauf verzichtete, im Schlussbild zum Partyhit „YMCA“ der Village People im Takt zu klatschen. Dass die FIFA ihrer großen Show damit den musikalischen Mantel der Trump-Parteipartys umhängte? War zu erwarten, weil vorab bekannt, spielte aber offenbar keine Rolle. Man darf von dieser WM über den grünen Rasen hinaus ohnehin nicht viel erwarten. Vom DFB sowieso nicht nach der Erfahrung von Qatar. Wenn es um konkrete politische Fragen geht, darum, was Fans erwartet, die in die Vereinigten Staaten einreisen wollen, oder um menschenrechtliche Standards, beschränkte sich auch die Bundesregierung bislang auf unverbindliche Vagheiten. Was wiederum Wahrheit ist, definieren Infantino wie Trump am liebsten selbst, oder eben: unter Freunden. Das Erstaunliche am Freitagabend war nur, wie viele sich gerne an diesem Spiel beteiligten. Als Heidi Klum 2005 die Auslosung moderierte, erschien manchem (neben Klums freizügigem Kleid) schon ein Maskottchen ohne Hose als Problem. Als Heidi Klum 2025, ganz nach Trumps Geschmack in Gold gehüllt, die Auslosung moderierte, fragte man sich eher etwas anderes: Wo eigentlich das Herz dieser WM sein soll. Wer die Hosen anhat, weiß man hingegen ganz genau.
