FAZ 01.01.2026
08:55 Uhr

In der SIlvesternacht: Kirche in Amsterdam geht in Flammen auf


Zum letzten Jahreswechsel vor dem Böllerverbot ist die Lage in den Niederlanden vielerorts eskaliert. Es gab Schlägereien und Angriffe auf Polizisten. In Amsterdams Zentrum brannte ein Kirchturm.

In der SIlvesternacht: Kirche in Amsterdam geht in Flammen auf

In den Niederlanden ist die letzte Silvesternacht, in der Böller und Raketen erlaubt waren, unruhig verlaufen. In etlichen Städten musste die Polizei wegen Gewalt sowie Unglücken und Vorfällen mit Feuerwerk ausrücken. Es gab Gebäudebrände, Verletzte und Festnahmen. In der Großstadt Nijmegen an der deutschen Grenze kam ein Mensch bei einem Unglück mit einem Böller ums Leben. In Amsterdam geriet eine große Kirche in Brand. Der Turm der Vondelkirche im Zentrum der Hauptstadt stürzte ein, teilten die Sicherheitsbehörden mit. Der Rest des Bauwerks aus dem 19. Jahrhundert blieb demnach wahrscheinlich intakt. Eine große Zahl von Wohnungen in der Umgebung der Kirche sei evakuiert worden. Verletzte gab es nach ersten Berichten nicht. Die Kirche sei erheblich beschädigt worden, hieß es. Brandursache noch unklar Die Ursache des Brandes in dem rund 50 Meter hohen Turm, der nach Mitternacht ausbrach, ist noch nicht bekannt. Die Behörden riefen Schaulustige auf, nicht zu der Kirche zu kommen und die Einsatzkräfte nicht zu behindern. Die Feuerwehr versuchte, ein Übergreifen der Flammen auf das Kirchenschiff selbst zu verhindern. „Es ist ein sehr heftiger und schrecklicher Brand in dieser monumentalen Kirche“, sagte die Amsterdamer Bürgermeisterin Femke Halsema, wie Medien berichteten. „Unsere erste Sorge und Priorität gilt nun dem Wohlergehen und den Häusern der unmittelbaren Anwohner.“ Die Vondelkirche wurde 1872 erbaut und bis 1977 als römisch-katholische Kirche genutzt. Heute wird die neogotische Basilika anderweitig und für besondere Anlässe wie etwa Konzerte genutzt. Bereits 1904 zerstörte ein Brand den ursprünglichen Turm der Kirche. Ausschreitungen und Festnahmen Die Notrufnummer in den Niederlanden war landesweit überlastet, weshalb die Behörden die Bevölkerung aufriefen, nur bei lebensbedrohlichen Situationen den Notruf zu wählen. Wie die Polizei in der Großstadt Breda mitteilte, wurden Beamten mit Molotowcocktails und Gehwegplatten beworfen. Außerdem wurden Autos in Brand gesetzt, auch ein Polizeiwagen brannte aus, und es gab Schlägereien.Auch in der Stadt Roosendaal an der belgischen Grenze wurden Beamte nach Angaben der Polizei mit schweren Feuerwerkskörpern beworfen, es gab sieben Festnahmen. In Den Haag wurden ebenfalls Beamte mit Böllern beworfen, berichtete ANP. Hamsterkäufe vor Böllerverbot Ab dem Jahreswechsel 2026/2027 soll nach einem Parlamentsbeschluss ein Böllerverbot gelten. Für die letzte Silvesternacht mit Böllern und Raketen kauften die Menschen in den Niederlanden besonders große Vorräte ein. Nach Angaben des Branchenverbandes für Pyrotechnik (BNP) wurde Feuerwerk für 129 Millionen Euro verkauft, im Vorjahr betrug der Umsatz noch 118 Millionen Euro, wie die Zeitung „De Volkskrant“ berichtete.Import von illegalen Böllern Auch der Import von illegalen, teils sehr gefährlichen Knallern nahm nach Berichten der Polizei zu. Diese haben eine ungeheure Sprengkraft, die Polizei vergleicht sie mit Bomben und Granaten. In diesem Jahr wurden bis Ende Dezember rund 112 Tonnen illegale Feuerwerkskörper beschlagnahmt. Im vergangenen Jahr lag die Gesamtmenge noch bei rund 107 Tonnen und 2023 bei rund 79 Tonnen. Der Verkauf und das Zünden von schweren Böllern ist bereits seit Jahren verboten. Doch Privatleute können sie legal in Belgien und Deutschland kaufen und dann über die Grenze schmuggeln.