Gut zwei Wochen nach dem Millionen-Einbruch hat die Sparkasse Gelsenkirchen-Buer am Morgen das Foyer mit dem Selbstbedienungsbereich wieder geöffnet. Kunden können dort jetzt wieder die Geldautomaten nutzen. Die Filiale selbst bleibe weiter geschlossen, teilte das Institut mit. Auch der Bereich mit den Kundenschließfächern könne weiterhin nicht betreten werden. Grund seien die laufenden Ermittlungen der Polizei und die Schadens-Registrierung vor Ort. Bei dem Einbruch Ende Dezember hatten die Täter mehrere Sicherheitssysteme überwunden und sich direkt in den Tresorraum der Sparkassen-Filiale gebohrt. Dort räumten sie rund 3.100 Kundenschließfächer aus. Wie den Einbrechern dies gelang, ohne den Einbruchalarm der Bank auszulösen, gilt als zentrale Frage bei den Ermittlungen. Nach dem spektakulären Einbruch sicherte der Sparkassen-Präsident Ulrich Reuter unterdessen bestmögliche Sicherheitsvorkehrungen zu. „Wir tun alles, was uns möglich ist, um Schließfächer sicher zu halten“, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. „Aber man kann sich nie gegen einzelne Vorfälle, die mit hoher krimineller Energie einhergehen, zu 100 Prozent wappnen.“ Kriminelle Banden würden technisch aufrüsten. Ihre Methoden seien immer raffinierter. Reuter zufolge investieren Sparkassen zugleich „kontinuierlich in Sicherheit“. Dabei würden sie standortbezogene Konzepte umsetzen, weil etwa Innenstadtstandorte oder Filialen in Wohngebieten unterschiedliche Anforderungen hätten. Grundsätzlich gilt laut Reuter außerdem: „Schließfächer bieten deutlich höhere Sicherheitsstandards als die private Aufbewahrung zuhause“. Die Nachfrage der Kundschaft zeige, dass sie sinnvoll seien. Kunde nach Millionen-Coup: „Fühle mich wie betäubt“ Ein Kunde der Gelsenkirchener Filiale schilderte derweil der Nachrichtenagentur dpa, seine Empfindungen, als er von dem Diebstahl erfuhr. „Ich konnte im ersten Moment nicht atmen“, schildert der 67-Jährige, „ich war wie betäubt nach einer Spritze“. Er habe doch immer penibel Buch geführt über Ein- und Auszahlungen im Schließfach, erzählt er. „Bei der Bank ist alles sicher, dachte ich“, sagte der Teppichhändler Faqir Malyar demnach. Rund 85.000 Euro aus einer Erbschaft und einer Lebensversicherung hatte der gebürtige Afghane nach eigenen Worten zuletzt in seinem Bankschließfach bei der Gelsenkirchener Sparkasse, das er zusammen mit seinem Bruder seit über 15 Jahren gemietet hat. Ein Konto war für ihn keine Alternative: „Wenn Sie in der Heimat Teppiche einkaufen, brauchen Sie Bargeld.“ Hinzu kommt Schmuck für über 20.000 Euro – Geschenke von der Hochzeit mit seiner zweiten Frau 2012. Nun sei alles weg, und die Sparkasse verweist darauf, dass sie nur bis maximal 10.300 Euro für Schließfachschäden hafte. „Das hat mir in all den Jahren niemand gesagt“, kritisiert Malyar. „Sonst hätte ich 100-prozentig eine Zusatzversicherung abgeschlossen.“ Er will sein ganzes Geld zurück und hat einen Anwalt eingeschaltet - den Marler Strafrechtler Burkhard Benecken. Benecken hat in den vergangenen zwei Wochen bereits mehr als 100 Mandanten gesammelt. Ein Kollege, der Dattelner Anwalt Daniel Kuhlmann, sagt, dass er schon Mandanten-Vollmachten von etwa 150 Geschädigten habe. Einer der größten Kriminalfälle in der NRW-Geschichte Die Polizei hat inzwischen 230 Beamte nur für diesen Fall abgestellt, der als einer der größten Kriminalfälle in der Geschichte des Landes NRW gilt. Im Tresorraum und dem danebenliegenden Archivraum sollen nach der Tat etwa 500.000 Gegenstände auf dem Boden gelegen haben. Entdeckt worden war der Einbruch am 29. Dezember.
