FAZ 03.03.2026
15:34 Uhr

In Dubai gestrandet: „Es ist eine Frechheit, was unser Außenminister da sagt“


Mike Deckwarth ist auf dem Weg in den Urlaub nach Thailand in Dubai gestrandet. Im Interview spricht der Rheinhesse über die Zustände dort und die Äußerungen von Außenminister Johann Wadephul.

In Dubai gestrandet: „Es ist eine Frechheit, was unser Außenminister da sagt“

Guten Tag, Herr Deckwarth. Haben Sie kurz Zeit für ein Telefonat? Zeit habe ich derzeit genug. Wir sind in Dubai gestrandet, bei einem Zwischenstopp auf dem Weg nach Thailand. Haben Sie auch die Muße für ein Gespräch, oder sind Sie in einem ständigen Angstzustand wegen des nahen Kriegs in Iran? Wo wir wohnen, ist alles ruhig. Man sieht nichts von Gefahren, auf den Straßen läuft das Leben ganz normal. Das ist im alten Teil Dubais, rund zehn Kilometer entfernt vom Burj al Arab, dem berühmten Luxushotel, das auch leicht beschädigt wurde am Samstag. Zweimal haben wir einen Rumms vernommen. Aber gefühlt in weiter Ferne. Rauchsäulen oder Ähnliches sehen wir trotz klarer Sicht nirgends. Ich habe aber von Leuten gehört, die die Nacht in der Parkgarage verbringen mussten. Einige sagen, sie seien vom Hotel aufgefordert worden, ihre Matratzen in die Gänge zu schleppen. Ansonsten ist hier, glaube ich, nicht allzu viel passiert. In Frankfurt ist inzwischen die erste Maschine von Emirates gelandet. Sie wollen weiter nach Thailand nach einem Zwischenstopp. Ist bei Ihnen noch alles im Plan? Keineswegs, wir sind vergangenen Mittwoch hier angekommen, unser Weiterflug war für Samstagabend geplant. Nachdem der Krieg angefangen hat, haben wir aus den Nachrichten erfahren, dass alle Flüge gestrichen würden. Emirates hat uns hingegen erst zwei Stunden vorher benachrichtigt, da wären wir schon wie viele Tausend andere im Chaos am Flughafen gewesen, wenn wir darauf vertraut hätten. Die Informationspolitik ist miserabel. Wie sah denn das Chaos am Flughafen aus? Sie müssen sich vorstellen, dass es auch Menschen getroffen hat, die nur umsteigen wollten in Dubai. Die wurden in den zwei bis drei Stunden des Aufenthalts von den Absagen aller Flüge erwischt. Wir konnten hingegen direkt unser Hotel verlängern und sind entsprechend gut dran. Trotzdem möchten wir natürlich gerne endlich weiterreisen. Gerade eben wurde aber die Luftraumsperrung bis morgen 23:59 Uhr verlängert, nachdem wir auf einen Flug am Donnerstagabend umbuchen konnten. Jetzt haben wir einen Flug für Donnerstag 22:35 Uhr, nachdem wir uns noch einmal stundenlang durch eine Warteschlange vor einem Büro der Fluglinie gequält hatten. Da gibt es Tumulte und Schreiereien. Es gibt schon Menschen, die etwas in Panik sind. Wir leben derzeit von Tag zu Tag, weil letztlich niemand weiß, wann es losgeht. Nach Russland oder Indien scheinen aber mehr Maschinen zu fliegen.  Bundesaußenminister Johann Wadephul hat auf die Eigenverantwortung der Reisenden und auf Reisewarnungen verwiesen. Fühlen Sie sich angesprochen? Wir fühlen uns total veräppelt. Es ist eine Frechheit, was unser Außenminister da sagt. Ich habe auf der Seite des Auswärtigen Amts nachgeschaut. Es gab keine Reisewarnung, die die Emirate betrifft. Und auch in den Nachrichten hatte nichts das Bild erschüttert, dass Dubai der sicherste Ort der ganzen Region ist.