Die Bauarbeiten sind fast abgeschlossen, in wenigen Wochen soll die Polizei im österreichischen Braunau am Inn ihre neue Wache beziehen. Das helle Steinhaus ist unspektakulär, doch seine Geschichte macht es zum Politikum: Hier wurde Adolf Hitler geboren. Um die Nutzung des Gebäudes wurde jahrelang gestritten. Noch immer löst die Umwidmung des Hauses gemischte Gefühle aus bei den Menschen in der Grenzstadt am Inn. Die Regierung wollte mit dem Umbau eine „Neutralisierung des gesamten Ortes“ erreichen und verabschiedete 2016 ein Gesetz, um die baufällige Immobilie aus dem Besitz des privaten Eigentümers zu übernehmen. Zuvor hatte das Innenministerium das Haus bereits gemietet und unter anderem als Einrichtung für Menschen mit Behinderung genutzt. Umgang mit der Geschichte der Alpenrepublik Österreich ringt seit Jahrzehnten mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit. 1938 annektierte Hitler das Nachbarland, der „Anschluss“ ans Deutsche Reich wurde von vielen Österreichern bejubelt. Während der Nazi-Herrschaft wurden etwa 65.000 österreichische Juden ermordet und 130.000 ins Exil gezwungen. Immer wieder wurde Österreich vorgeworfen, seine Mitverantwortung für den Holocaust nicht vollständig anzuerkennen. Die rechtspopulistische FPÖ ist in den Umfragen die stärkste Partei. Bei der Wahl 2024 holte sie die meisten Stimmen, scheiterte jedoch bei der Regierungsbildung. Bis zum vergangenen Jahr trugen zwei Straßen in Braunau am Inn die Namen von Nazis; erst nach jahrelangem Protest von Aktivisten wurden sie umbenannt. Das Haus, in dem Hitler am 20. April 1889 geboren wurde und als kleines Kind für kurze Zeit lebte, steht mitten im Stadtzentrum in einer schmalen Geschäftsstraße. Auf einem Gedenkstein davor steht: „Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen.“ Gemischte Resonanz aus der Bevölkerung Nach Angaben des Innenministeriums sollen die Polizeibeamten im „zweiten Quartal 2026“ einziehen. Die Stimmen in der Bevölkerung sind geteilt. Einerseits könne die Verwendung als Polizeiwache verhindern, dass sich Neonazis dort versammeln. Andererseits werde das Haus damit wieder zu einem unzugänglichen Ort, an dem Geschichte nicht aufgearbeitet wird. Die Umbaukosten von 20 Millionen Euro sind ebenfalls Teil der Kritik. Auch Autor Ludwig Laher, Mitglied des Mauthausen-Komitees Österreich, das Holocaust-Opfer vertritt, äußert sich kritisch: „Eine Polizeistation ist deshalb problematisch, weil die Polizei in jedem politischen System das, was der Staat will, zu schützen hat“, sagt er. „Widerstand innerhalb der Polizei ist ein seltenes Phänomen.“ Laher verweist auf die Idee, das Gebäude in ein „Haus der Verantwortung“ umzuwandeln – eine internationale Begegnungsstätte zur Völkerverständigung und Friedensarbeit. Dieser Plan habe „viel Zuspruch gefunden“, sagt Laher. Das Büro des konservativen Bürgermeisters von Braunau lehnte eine Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur AFP ab.
