Es ist Januar 2026, und es windet über Deutschland. In Frankfurt eröffneten am Freitagabend die Eintracht und der BVB das Bundesligajahr. Sie zeigten, warum diese Partie eine der spektakuläreren der Liga ist. Schnelle Angriffe, sechs Tore, kaum eine Verschnaufpause. Und bei der Eintracht: ein neuer Sturm. Das hatte sich angebahnt, als es in Deutschland noch so ruhig war wie selten sonst. Kurz nach Weihnachten entschloss sich Axel Hellmann, Chef der Eintracht, einen kleinen Sturm zu entfachen. Selten äußert er sich zu dem, was auf dem Platz passiert. Jetzt aber das: Der Fußball „fühlt sich nicht an wie Eintracht Frankfurt“. Es fehle an Intensität, und auf der „Kaderplanungsseite“ habe man „nicht nur Volltreffer gelandet“. Damit erwischte Hellmann Trainer und Sportchef zugleich. Aus der Eintracht sei nach Platz drei eine „Wohlfühloase“ geworden. Ein Transfer als Stimmungsaufheller Seitdem pfeift der Wind durch die Oase. Krösche kaufte noch vor Silvester den ersten Stürmer, einen groß gewachsenen Zweitligaspieler namens Younes Ebnoutalib. Und in der Woche darauf noch ein paar Spieler mehr. Insgesamt hat die Eintracht etwa 20 Millionen Euro ausgegeben, mehr als jeder andere Bundesligaklub. Geht ihre Rechnung auf? Der Ebnoutalib-Transfer allein genügte jedenfalls, um die Stimmung aufzuhellen. Denn bisher ist das Problem bei der Eintracht eher an den Gesichtszügen abzulesen als an der Tabelle. Siebte ist sie, das könnte reichen, um in der nächsten Saison in der Europa League zu spielen. Aber ihr Fußball war träge, langweilig. Stürmer Ebnoutalib schaffte in einem Spiel das, was den vielen Talenten aus dem Ausland zuletzt nicht gelang: Die halbe Stadt will ihn für die Eintracht spielen sehen. Weil die Eintracht vor Weihnachten ein paarmal chancenlos war, hatte Trainer Toppmöller dringend einen Angreifer gebraucht. Ebnoutalib kostete sie acht Millionen Euro. Günstiger war der Franzose Arnaud Kalimuendo, den die Frankfurter schon seit Jahren verpflichten wollten. Er kostete anderthalb Millionen Euro, aber wenn sich die Eintracht im Sommer entscheidet, ihn länger als nur sechs Monate zu verpflichten, sollen es 30 Millionen Euro sein. Das wäre kurz hinter Hugo Ekitiké ihr Rekordtransfer. Der Klub, der wie kein zweiter in Deutschland den Engländern und Franzosen in der Hoffnung auf den nächsten Wunderstürmer große Augen machte – er zieht jetzt selbst ein paar große Scheine aus dem Portemonnaie. Vier weitere Perspektivspieler holte Krösche noch im Januar, zwei Japaner, einen Marokkaner und einen Schweden. Das Kalkül lautet: mit dem Wintersturm nach Europa. Denn dort warten das große Geld und die große Aufmerksamkeit. In der Europa League, in der Omar Marmoush und Ekitiké in der vergangenen Saison bis ins Viertelfinale stürmten. Oder in der Champions League, in der sich Nathaniel Brown und Can Uzun einen Namen machten. Jedes Jahr muss die Eintracht mit ihren Transfers ausgleichen, was sie zuvor für ihr Personal bezahlt hat. Vor einem Jahr hätte sie ohne den 75-Millionen-Euro-Verkauf von Marmoush 30 Millionen Euro Minus gemacht. Der Kader ist so teuer wie nie zuvor, nur vier Bundesligaklubs zahlen besser. Dem Frankfurter Spiel fehlt jemand, der es kontrolliert Zuletzt verschafften sich die Frankfurter Luft: Sie verkauften Anteile, ließen Ekitiké für 95 Millionen Euro ziehen und schlossen einen langfristigen Sponsorenvertrag mit der Deutschen Bank über rund 100 Millionen Euro. Ein, zwei Transferfenster ohne Volltreffer kann sich der Klub nun leisten. Aber eines davon war schon vor einem Jahr: Damals hieß der Winterneuling Elye Wahi, aber der französische Stürmer kehrte nach einem Jahr und einem Tor in Frankfurt in seine Heimat zurück. Statt ihm greifen Ebnoutalib und Kalimuendo an, 22 und 23 Jahre alt. Die beiden neuen Stürmer sorgten gegen Dortmund für das 2:2. Die Eintracht wirkte frischer, gieriger, wenig war übrig von den diesigen Spätherbstauftritten. Der gebürtige Frankfurter Ebnoutalib kämpfte häufiger als jeder andere Spieler auf dem Platz um den Ball, er rannte mehr als die anderen 21. Aber als der BVB in der zweiten Halbzeit das Spiel immer tiefer in die Hälfte der Eintracht drückte, war zu sehen, was dem Frankfurter Spiel sonst noch fehlt: jemand, der es aus der Mitte kontrolliert. Mario Götze kam in der Schlussphase auf den Platz. Sein Vertrag könnte verlängert werden, aber der Kopf der Mannschaft ist er nicht mehr. Hugo Larsson ist seit Monaten außer Form, Ellyes Skhiri erholt sich vom Afrika-Cup. Das ist kein neues Problem. Im Sommer wollte Krösche den Dänen Victor Froholdt verpflichten, er wechselte für jene 22 Millionen Euro nach Porto, die Kopenhagen von der Eintracht gefordert hatte. Dort ist er genau der Spielmacher, der der Eintracht fehlt. Das Mittelfeld hat der Frankfurter Wintersturm also noch nicht erreicht. Und auch in der Defensive ist es windstill. Im Sommer verließ der Brasilianer Tuta die Frankfurter, einen Ersatz kauften sie nicht. Toppmöllers Elf musste in dieser Saison schon so viele Gegentore hinnehmen, dass die drei gegen Dortmund kaum auffallen. Vor dem BVB-Ausgleich spät in der Nachspielzeit warf Nnamdi Collins einen Einwurf ins Aus. Die Dortmunder flankten in die Mitte, 3:3. Und es fiel Gegentor 33 für die Eintracht, nur Heidenheim hat noch mehr kassiert (36). Weil die Eintracht in den vergangenen Jahren aber mit ihren Stürmern bekannt geworden ist, liegt die Priorität im Angriff. Für viel mehr ist vermutlich kein Geld da. Dafür aber zwei neue Torjäger, mit denen sich Toppmöller, Krösche und Co. aus dem Fenster lehnen, um zu schauen, was noch möglich ist in dieser Saison. An diesem Dienstagabend spielt die Eintracht in Stuttgart. Gegen ein Team, das ein paar Plätze vor ihr steht, bei ähnlichen Voraussetzungen. Und bei dem seit August ein anderer Wind weht. Zumindest bisher.
