Neben den vielen schlechten Nachrichten (kein Schnee zu Weihnachten, aber drohende Eiszeit) sorgt das Hessische Landeslabor jetzt für gute Stimmung. Der Landesbetrieb gehört zu den Institutionen, die nach dem Nationalen Rückstandskontrollplan, kurz NRKP, jedes Jahr Tausende Proben von Lebensmitteln tierischer Herkunft auf Rückstände von Antibiotika und anderen pharmakologisch wirksamen Stoffen untersuchen, und zwar in unterschiedlichen Produktionsstufen. Insbesondere Geflügelfleisch steht im Verdacht, übermäßig belastet und damit ursächlich dafür zu sein, dass seine Konsumenten Resistenzen gegen gefährliche Krankheitserreger wie den Krankenhauskeim entwickeln. Angesichts der Mengen an Gänsefleisch, die deutsche Verbraucher zwischen dem Martinstag und Heiligabend verzehren, 12,5 Millionen Vögel jedes Jahr, ist die Gefahr nicht zu unterschätzen. Allerdings muss nach dem Tierschutzgesetz eine festgelegte Wartezeit eingehalten werden, bevor die Masttiere geschlachtet werden, informieren die Experten vom Landeslabor. Halten sich daran auch die Produzenten in Polen und Ungarn, woher die meisten Gänse (97 Prozent), die hierzulande verzehrt werden, kommen? Der Landesbetrieb gibt Entwarnung. Bei 117 Proben von Hühnern, Puten und – aus gegebenem Anlass auch dabei – Gänsekeulen, Gänsebrust und ganzen Gänsen konnten in keiner einzigen Probe Rückstände von Antibiotika und Kokzidiostatika nachgewiesen werden. So heißt ein Medikament gegen Parasiten, das bereits im Kükenalter zum Einsatz kommt. Die beruhigende Nachricht: In den vergangenen Jahren waren die Proben aus dem europäischen Ausland wie aus Hessen ebenfalls durchweg unbelastet, wie die Landesbehörde mitteilt. Sie verweist auf eine Beanstandungsquote von 0,1 Prozent im Bundesdurchschnitt. Fazit: Dem Genuss der Weihnachtsgans steht unter pharmakologischen Gesichtspunkten nichts entgegen. Bleibt aber die Frage, wer der Übeltäter für die Antibiotikaresistenz ist. Wir haben einen bösen Verdacht: Kartoffelsalat oder Raclettekäse.
