Schlaf ist ein entscheidendes Thema im Prozess gegen Marius Borg Høiby vor dem Osloer Amtsgericht. Dem Sohn von Norwegens Kronprinzessin werden vier Vergewaltigungen vorgeworfen, stets konnten sich die Frauen der Tat aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht widersetzen aufgrund von Schlaf oder Trunkenheit. Høiby streitet die Vorwürfe ab. Im Falle der Frau, die er 2018 in Skaugum, in der Residenz des Kronprinzenpaars, vergewaltigt haben soll, behauptete er, die Frau habe die Augen offen gehabt. Die Geschädigte gab an, sie habe geschlafen und glaube, unter Drogen gesetzt worden zu sein. Høiby soll Videos von ihr aufgenommen haben, die sie entblößt zeigen, und sie dabei im Geschlechtsbereich berührt haben. „Du hast die Nachspielparty bei Mette-Marit verpasst!“ Eine Zeugin, die von der Verteidigung vorgeladen wurde und die bei der Feier ebenfalls anwesend war, gab am Freitag vor Gericht an, es sei nicht viel passiert, alle seien zunächst auf einem Sofa gesessen und hätten ein Trinkspiel gemacht. In ihrem Beisein sei zwischen Høiby und der Geschädigten nach ihrer Beobachtung nichts geschehen. Eine Freundin der Geschädigten gab an, sie hätten an dem Abend in Oslo „ein bisschen Wein“ getrunken. Die Frau ging damals nicht mit zu der Zusammenkunft in Skaugum. Die Geschädigte schrieb ihr danach: „Du hast die Nachspielparty bei Mette-Marit verpasst!“. Damit bezog sie sich offenbar auf den Wohnort der Kronprinzessin, die auch Høibys Mutter ist. Auch ohne Betäubungsmittel möglich? Das Gericht ging am Freitag der Frage nach, ob die Frau zum Tatzeitpunkt schlief. Angesichts der Aufnahmen, die Høiby gemacht haben soll, sagte vor Gericht Ståle Pallesen, Professor für Psychologie an der Universität Bergen und laut norwegischen Medien „Schlafexperte“, die Videos – vor allem jenes, das ihr Gesicht zeige – seien mit ihrer Aussage vereinbar, dass sie geschlafen habe. Doch könne er dies nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Die Videos wurden in nicht öffentlicher Sitzung gezeigt. Pallesen wies laut der Zeitung „Aftenposten“ darauf hin, dass es Beispiele für Personen gebe, die bei tiefem Schlaf ähnlichen Handlungen ausgesetzt gewesen seien, ohne aufzuwachen. Das sei auch ohne Betäubungsmittel möglich. Laut dem Sender NRK sagte er, die meisten Vergewaltigungsdrogen, die man sich beschaffen könne, hätten normalerweise eine sehr lange Halbwertszeit, von diesen sei man auch sichtbar beeinflusst. Marius Borg Høiby hatte kurz nach sieben Uhr morgens innerhalb von fünf Minuten zwei Aufnahmen von der Frau gemacht und dazwischen eine Nachricht an einen Freund versandt. Die Frau wusste laut dem Sender NRK nichts von den Videos, bis die Polizei sie ihr 2025 bei einer Vernehmung zeigte. Eine Aufzeichnung davon wurde auch vor Gericht gezeigt, die Frau wirkte damals schockiert. „Okay, dann bin ich also vergewaltigt worden“, sagte sie.
