Die Stadt Frankfurt will in allen Kitas und Grundschulen im Stadtgebiet ein für die Kinder kostenfreies und gesundes Frühstück anbieten. Das ist Teil der Einigung über den städtischen Haushalt, zu der sich die Parteien SPD, Grüne, Volt und Die Linke verabredet haben. Was in den meisten Kitas ohnehin schon etabliert ist, stellt für den Großteil der 81 Grundschulen in städtischer Trägerschaft jedoch ein Novum dar. Allerdings gibt es schon einige Schulen, die ein solches Frühstück anbieten. Zahlreiche Schulträger in ganz Deutschland kooperieren dazu mit dem Verein Brotzeit, der auf Spendenbasis Schulen mit einem Frühstück versorgt. „Etwa jedes fünfte Kind in Deutschland geht ohne Frühstück zur Schule“, teilt eine Sprecherin mit. Die Folgen seien fatal: „Hunger beeinträchtigt die körperliche und kognitive Entwicklung und mindert damit nachhaltig die Bildungschancen.“ Vor 17 Jahren gründete Uschi Glas die Initiative Die Schauspielerin Uschi Glas hat das Projekt 2009 an drei Grundschulen in München ins Leben gerufen, seither ist das Angebot kontinuierlich gewachsen. Inzwischen beliefert Brotzeit 490 Schulen in Deutschland. Die Nahrungsmittel stellt die Supermarktkette Lidl auf eigene Kosten bereit. Die Schulen können aus einem Sortiment von 34 verschiedenen Lebensmitteln wählen und werden beliefert. Ehrenamtlich tätige Helfer teilen das Frühstück frühmorgens vor Unterrichtsbeginn an die Schüler aus. Nach den Erfahrungen des Vereins nehmen nicht alle Schüler daran teil, sondern etwa 50 Kinder pro Schule. Auch in Frankfurt bietet der Verein Brotzeit schon in 17 Grundschulen ein solches Schulfrühstück an. Mit dabei ist beispielsweise die Liebfrauenschule, eine Grundschule mit fast 400 Kindern in der Innenstadt. Senioren, die sich ehrenamtlich engagieren, teilen dort das Frühstück zwischen 7.30 Uhr und 8.15 Uhr vor dem Unterrichtsbeginn in der Schulkantine aus. Auf den Tisch kommen zum Beispiel Rohkost, Obst, Joghurt, Müsli, Toast, Brot und Aufstrich. Das Angebot steht allen Schülern offen und ist für die Familien entgeltfrei. Die stellvertretende Schulleiterin Kerstin Henche ist mit dem Schulfrühstück zufrieden: „Es wird sehr gut angenommen.“ Etwa 50 Schülerinnen und Schüler nutzen das Angebot täglich. Da der Verein Brotzeit viele logistische Vorleistungen übernehme, sei der Aufwand für die Schule selbst überschaubar. „Wenn wir das alles selbst organisieren müssten, wäre es für uns kaum machbar“, sagt die stellvertretende Schulleiterin. Mehr als eine bloße Nahrungsaufnahme Auch aus pädagogischer Sicht sei das Angebot sinnvoll. „Es ist immens wichtig, dass Kinder, die zu Hause nichts essen, gut in den Tag starten“, sagt Henche. Es gebe auch Kinder, die noch nie ein gesundes Pausenbrot im Ranzen gehabt hätten. „Das sind keine guten Voraussetzungen, um bis zwölf Uhr zu lernen“, sagt Henche. Das Schulfrühstück sei aber mehr als eine reine Nahrungsaufnahme: „Die Kinder bekommen auch Zuwendung und ein offenes Ohr.“ In Frankfurt hat Die Linke das Frühstücksthema zur Bedingung gemacht, dass sie dem Haushaltsentwurf der alten Koalition zustimmt, die seit dem Austritt der FDP auf die Mitwirkung der Opposition angewiesen ist. „Zu viele Kinder kommen ohne Frühstück oder nur mit einer Milchschnitte in die Schule. Das finde ich bedenklich“, sagt die Fraktionsvorsitzende Dominike Pauli. Wie genau das Schulfrühstück an allen 81 Frankfurter Grundschulen organisiert wird, müsse in einem nächsten Schritt ausgearbeitet werden. „Ich setze auf ein kommunales Programm“, sagt Pauli. Zunächst könne man mit einem Pilotprojekt an einigen Schulen beginnen. Die Kosten von 6,5 Millionen Euro pro Jahr habe man „hochgerechnet“. Der Verein Brotzeit hat für die rund 500 Schulen, die an seinem Projekt teilnehmen, eine große Infrastruktur aufgebaut. Im vergangenen Jahr waren 3557 Frühstückshelfer für Brotzeit tätig, die 3,5 Millionen Frühstücke ausgegeben haben. Lidl stiftete 775 Tonnen Lebensmittel im Wert von 1,5 Millionen Euro. Nimmt eine Schule am Brotzeit-Projekt teil, unterstützt die Projektleitung die Schulleitung darin, ehrenamtlich engagierte Senioren für die Frühstücksbetreuung zu finden. Im vierzehntägigen Lieferrhythmus werden die gespendeten Lebensmittel mit von Brotzeit beauftragten Speditionen an die Schulen geliefert. Sie werden in geeigneten Kühlschränken an den Schulen aufbewahrt. Vor Schulbeginn bereiten die Senioren daraus ein Frühstücksbuffet für die Kinder vor und erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung. Das Programm gilt als ergänzendes Angebot zum Unterricht. Brotzeit agiert nicht als Dienstleister, sondern übernimmt als Trägerorganisation die Verantwortung. Das Projekt wird über Spenden finanziert, die von zahlreichen Stiftungen und Unternehmen stammen. Darüber hinaus gibt es aber auch öffentliche Zuschüsse: Hamburg fördert das Projekt pro Schuljahr mit 150.000 Euro, München unterstützte den Verein im Schuljahr 2023/2024 mit 440.000 Euro. Auch Nordrhein-Westfalen gehört zu den Unterstützern: Das Bundesland hat Brotzeit seit 2020 mit fünf Millionen Euro gefördert, um das Frühstück an 220 Grund- und Förderschulen anbieten zu können, die über den Sozialindex ausgewählt werden.
