Es wird in Barcelona auf dem Mobile World Congress immer wieder heiß diskutiert, wie die Zukunft des Smartphones aussehen könnte. Pessimisten sehen schon sein Ende kommen. Brillen, Broschen oder anderen Wearables sollen einen großen Teil seiner Aufgaben übernehmen. Anstatt mit dem Finger über den Bildschirm zu gleiten, sagt man was zu tun ist. Optimisten sehen im Smartphone weiterhin die Zukunft, gerade auch wegen des hohen Niveaus, das die Geräte mittlerweile erreicht haben, was häufig in den Messehallen zu sehen ist. Dennoch lässt sich vortrefflich unter Technikjournalisten über die Neuigkeiten meckern, weil es mitunter langweilig wird, wenn nur noch Leistung gesteigert wird, Megapixel gezählt werden oder die Kapazität des Akkus wächst. Abwechslung aus China Deswegen ist die Vorstellung des Robot Phones von Honor eine erfrischende Abwechslung. Es hat eine ausfahrbare Kamera mit Gimbal. Auch wenn während der Premiere die Journalisten ungläubige Blicke wechseln und im Nachgang in Gesprächen nicht herauszubekommen ist, wozu das Robot Phone überhaupt da sein könnte. So richtig da ist es noch gar nicht. Es gibt ein paar Geräte zum Bestaunen, jedoch nicht zum Anfassen. Wann es in Serie geht, weiß niemand. Ebenso wenig, wie viel das Robot Phone kosten wird. Am Messestand von Honor ist eher wenig Skepsis, dafür viel Staunen bei den Besuchern zu sehen. Schließlich haben sich die Chinesen auf eine konkrete Anwendung festgelegt. Wer will, stellt sich vor das Robot Phone und wartet kurz ab. Aus dem Rücken klappt dann eine kleine Kamera nach oben, dreht sich um die eigene Achse, guckt über den Rand und positioniert sich wie eine Krone. Mit einem Fingertipp an die Stelle des Bildschirms, wo der Kopf des Freiwilligen zu sehen ist, wird dieser als zu verfolgendes Objekt markiert. Von nun an folgt der kleine Kamerakopf den Bewegungen des Menschen, ob links, rechts, oben oder unten. Das Modul hat drei Achsen mit drei Mini-Motoren, die laut Honor die kleinsten in dieser Gattung sind. Der Sensor löst mit 200 Megapixel auf. Gimbals gibts genügend Ähnliche Konstruktionen in der Art eines Gimbals finden sich in vielen Varianten auf dem Markt, mal steckt man das Smartphone in eine Halterung oder das Gerät bringt eine eigene Kamera mit, dessen Bild auf dem Smartphone gezeigt wird, wie etwa beim Osmo Pocket von DJI. Einen Gimbal inklusive Kamera, welcher aus dem Rücken des Smartphones herausfährt und sich dort wieder verstecken kann, gibt es noch nicht. Vielleicht auch deswegen, weil es niemand braucht? Die Mechanik fasziniert beim Zuschauen. Beim Nachdenken wird aber klar, dass sie anfällig ist. Schließlich entsteht viel Bewegung am Robot Phone und in die fragile Mechanik dürfen sich keine Schmutzpartikel schmuggeln. Zudem dürften die Motoren den Akku des Gerätes schneller aufbrauchen. Mensch Smartphone Nun will Honor kein Smartphone präsentieren, das nur eine Kamera mit Gimbal-Funktionalität integriert hat, sondern einen kleinen Roboter simulieren. Deswegen schlägt das Robot Phone gern auf dem Bildschirm die Augen auf, um mit seinem Nutzer zu interagieren. Die Bewegungen der Kamera simulieren das Nicken mit dem Kopf. Wenn sie nach links und rechts schwenkt, bedeutet das für den Nutzer Nein. Bei Bedarf redet das Robot Phone oder macht niedliche Geräusche. Das erinnert an Tamagotchi, Tiere, Anki Cozmo oder Figuren aus Trickfilmen. Dann wird die Interaktion mit dem Robot Phone schnell kindisch, noch schneller stellt sich die Sinnfrage: Wozu braucht jemand so ein Smartphone? Letztlich könnte man das alles mit den üblichen Bauformen „humanisieren“. Und in diese Richtung denkt vermutlich Honor. KI soll menschlich – also hier tierisch – werden. So absurd manche Anwendungen anmuten, so anfällig die Technik eventuell ist, so abwechslungsreich ist es, mal etwas Anderes auf dem Mobile World Congress zu sehen. Jetzt wird es wieder ernst.
