FAZ 29.01.2026
16:01 Uhr

Homan in Minneapolis: Trumps „Grenzschutz-Zar“ will deeskalieren


Trumps Grenzschutzbeauftragter verteidigt die ICE-Mission in Minneapolis und verspricht gleichzeitig Verbesserungen. Er werde bleiben, bis das Problem gelöst sei.

Homan in Minneapolis: Trumps „Grenzschutz-Zar“ will deeskalieren

Tom Homan, der Grenzschutzbeauftragte des Weißen Hauses, hat nach seinen Gesprächen mit demokratischen Politikern in Minnesota von „bedeutenden Fortschritten“ gesprochen, um die Lage in Minneapolis nach den tödlichen Schüssen auf einen Demonstranten zu deeskalieren. Wenn die örtlichen Behörden mit der Einwanderungspolizei kooperierten, um illegale Migranten von der Straße zu kriegen, wie der Justizminister des Bundesstaates zugesagt habe, könne die Zahl der Bundesbeamten in der Stadt reduziert werden, sagte er am Donnerstag in Minneapolis. Vor allem verlangte Homan besseren Zugang zu den Gefängnissen. Homan, den Trump nach dem Abzug von Einsatzleiter Greg Bovino zur Kontaktperson in Minneapolis ernannt hatte, gestand aber ein, dass es weitere Differenzen gebe. Mit Blick auf den Status der Zufluchtsorte für Migranten, den Gouverneur Tim Walz und Bürgermeister Jacob Frey verteidigen, sagte er: „Zufluchtsorte sind Zufluchtsorte für Kriminelle.“ Er werde so lange in Minneapolis bleiben, bis das Problem der öffentlichen Sicherheit gelöst sei. Trump wolle, dass es behoben werde, und er werde es tun. Wie sehr Trump nach den tödlichen Schüssen von Minneapolis der Wind ins Gesicht weht, wurde deutlich, als seine Sprecherin am Montag die Aktion Schadensbegrenzung verkündete. Karoline Leavitt berichtete, dass Bovino aus Minnesota abgezogen werde und Homan die neue Kontaktperson in Minnesota sein werde. Dann hob sie hervor, dieser sei einst von Präsident Barack Obama ausgezeichnet worden. Es muss einiges passieren, dass die Sprecherin des Weißen Hauses sich auf Trumps Nemesis beruft. Trump nennt Homan „Grenzschutz-Zar“ Homan ist seit dessen Rückkehr ins Weiße Haus „Grenzschutz-Zar“ („border czar“) des Präsidenten. Trump lobt ihn bei jeder Gelegenheit: Er habe dafür gesorgt, dass die Landesgrenze wieder dicht sei. Anders als die derzeit in der Kritik stehende Heimatschutzministerin Kristi Noem, über die selbst republikanische Kongressmitglieder sagen, ihr Auftreten sei amateurhaft, kommt er wirklich vom Fach. Insofern überrascht es nicht, dass es zwischen Homan und Noem immer wieder zu Spannungen kommt. So hatte sich Homan schon vor der jüngsten Krise für ein gezielteres Vorgehen bei den Abschiebungen ausgesprochen und dafür plädiert, Kraftproben in demokratischen Hochburgen zu meiden. Homan, 1961 in „Upstate“ New York, im eher konservativen Teil des Bundesstaates, nicht weit von der kanadischen Grenze, geboren, arbeitete kurz als Polizist, bevor er 1984 dem damaligen „US Immigration and Naturalization Service“ beitrat, wo er als Grenzschützer arbeitete. Nach dem 11. September 2001 wurde der Sicherheitsapparat komplett umorganisiert und der „Border Patrol“ als Teil der „US Customs and Border Protection“ (CBP) dem neu geschaffenen Heimatschutzministerium unterstellt. Unter Obama wurde Homan Teil der CBP-Leitung; Trump machte ihn dann zum Direktor der Einwanderungspolizei ICE. Als solcher war er für die umstrittene Politik der Familientrennung von illegalen Migranten als Teil der „Nulltoleranzpolitik“ verantwortlich. Dass Trump ihn nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus mit der „größten Abschiebeaktion in der amerikanischen Geschichte“ betraute, war keine Überraschung. Er konnte sich darauf verlassen, dass Homan zu rustikalen Methoden greifen würde, zu denen auch Deportationsflüge angeblicher venezolanischer Gang-Mitglieder gehörten, die in ein notorisches Gefängnis nach El Salvador gebracht wurden. Am Donnerstag sagte er in Minneapolis: Man gebe die Mission nicht auf. Aber man werde die Mission verbessern. Nichts sei perfekt.