Die Öl- und Gasindustrie verbucht so hohe Gewinnsteigerungen wie lange nicht. Hohe Preise, eine starke Nachfrage im Handel und gestiegene Raffineriemargen infolge der Krise rund um den Irankrieg haben nun auch Shell im ersten Quartal den höchsten Gewinn seit zwei Jahren eingebracht. Europas größter Öl- und Gaskonzern mit Sitz in London meldete für die ersten drei Monate einen bereinigten Überschuss von 6,9 Milliarden Dollar (5,8 Milliarden Euro). Das war fast ein Viertel mehr als im ersten Quartal des Vorjahres. Das Ergebnis lag zudem um fast eine halbe Milliarde Dollar über den Erwartungen der Analysten. Allein die Gewinne aus den sieben großen Raffinerien von Shell stiegen auf gut zwei Milliarden Dollar. Shell musste allerdings auch Abschreibungen infolge von Verlusten aus Absicherungsgeschäften hinnehmen. Aktie von Shell verliert An der Börse kam das nicht so gut an. Aufgrund des zuletzt wieder sinkenden Ölpreises und eher vorsichtiger Aussagen des Vorstandschefs gab die Aktie des Konzerns am Donnerstag um gut ein Prozent nach. Gegenüber dem Stand zum Jahresanfang liegt der Börsenwert des drittwertvollsten britischen Konzerns noch knapp 15 Prozent im Plus. Zuvor hatten schon der kleinere britische Wettbewerber BP und der norwegische Energiekonzern Equinor Rekordergebnisse für das erste Quartal vermeldet. BP hat seinen Gewinn auf 3,2 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) verdoppelt. Der stark gestiegene Erdgaspreis seit März und eine um neun Prozent höhere Förderung bescherten Equinor ein bereinigtes operatives Ergebnis von 9,8 Milliarden Dollar. „In diesem Quartal haben wir eine außergewöhnliche operative Leistung und rekordhohe Produktion geliefert“, sagte Anders Opedal, der Präsident und Vorstandschef des staatlich kontrollierten Konzerns. Shell-Chef Sawan warnt vor Engpässen auf dem Öl- und Gasmarkt Der Irankrieg hat indes für einige Energiekonzerne auch negative Folgen, sofern sie vom Beschuss von Anlagen im Nahen Osten und der Blockade der Transporte durch die Straße von Hormus betroffen sind. Shell hat in Qatar Schäden an der Pearl-Anlage, der größten Gas-to-Liquids-Anlage der Welt, erlitten und wird dort im zweiten Quartal nicht produzieren. Seine globale Gasproduktion im Frühjahr werde um 30 Prozent zurückgehen. Vorstandschef Wael Sawan warnte vor Engpässen auf dem Öl- und Gasmarkt in den kommenden Wochen und Monaten. Infolge des Kriegs gebe es „ein Loch von einer Milliarde Barrel“ Öl. Der Energiemarkt sei kurz- und mittelfristig sehr angespannt, je nachdem, wie lange der Konflikt zwischen den USA und Iran noch dauere. Jeden Tag, an dem der Transport durch die Straße von Hormus weiter beschränkt sei, „graben wir tiefer“, sagte Sawan. Bis sich die Lage am Ölmarkt wieder entspanne, werde es lange dauern.
