2024 war in mehrfacher Hinsicht ein Rekordjahr für Hessen: 673 Millionen Euro standen im Landeshaushalt für die Förderung des sozialen Wohnungsbaus bereit – so viel wie nie zuvor. 6118 Wohnungen wurden damit nach Angaben der Bundesregierung gefördert. Auch das ist ein Rekordwert, den kein anderes Bundesland erreicht hat. Berlin lag mit 5188 Einheiten deutlich dahinter. Der Vorsprung Hessens hätte sogar noch größer ausfallen können. Dem Wirtschaftsministerium lagen weitere Förderanträge vor, doch das Budget war erschöpft. Das muss man im Hinterkopf haben, wenn es um den sozialen Wohnungsbau in den nächsten Jahren geht. Ein Bündnis aus mehreren Verbänden hält auf der Basis einer Studie jährlich 11.200 zusätzliche Sozialwohnungen in Hessen für nötig. Das wäre nahezu eine Verdoppelung der Zahlen des Rekordjahrs 2024 – und ist deshalb unrealistisch. Zum einen lassen sich Fördertöpfe trotz gelockerter Schuldenbremsen nicht beliebig erweitern. Zum anderen weisen die Gemeinden nicht im erforderlichen Tempo neues Bauland aus. Die Grenzen des sozialen Wohnungsbaus sind deutlich erkennbar. Allein mit Fördermitteln, die nicht vom Land, sondern auch vom Bund und den Kommunen kommen, wird sich das Wohnungsdefizit nicht beseitigen lassen. Der Wohnungsbau muss sich auch ohne Subventionen wieder rechnen. Momentan ist das sehr schwer, die Baupreise sind seit 2021 um 37 Prozent gestiegen. Gute Ansätze zur Kostensenkung Deshalb sollte man sich nicht nur den Bedarf an Sozialwohnungen anschauen, den das Pestel-Institut jedes Jahr ermittelt. Sinnvoll ist auch ein Blick auf das letzte Kapitel der Studie, in dem es um die Baukosten geht. Demnach zeigt Schleswig-Holstein, wie es mit einfacheren Baustandards gelingen kann, ansehnlichen Wohnraum mit zeitgemäßer Ausstattung zu moderaten Preisen zu erstellen. Auch in Hessen gibt es in dieser Hinsicht vielversprechende Ansätze. In einem ersten „Baupaket“ wurde die Bauordnung bereits verschlankt, in einem zweiten Paket sollen demnächst weitere Vereinfachungen folgen. Und die Wohnungsgesellschaft GWH hat mit dem „Hessenhaus“ einen Prototyp entwickelt, der zeigen soll, dass Kosten für ein Mietshaus ohne Abstriche an der Qualität gesenkt werden können. Allerdings hat auch die Vereinfachung ihre Grenzen. Eine davon beschreibt die Pestel-Studie. Demnach haben es Senioren und Menschen mit Behinderung besonders schwer, eine für sie geeignete Wohnung zu finden. Sie benötigen zum Beispiel einen barrierefreien Zugang. Auf einen Aufzug zu verzichten, senkt zwar die Baukosten, schließt aber Mieter aus, die darauf angewiesen sind. Hessen sollte den Ehrgeiz haben, den Spitzenplatz im sozialen Wohnungsbau zu verteidigen. Denn die Versorgung mit bezahlbaren Wohnungen ist in Zeiten des sich absehbar verschärfenden Arbeitskräftemangels auch ein Standortvorteil.
