Zugegeben, der Marktstart seines ersten aktiven Fonds hätte kaum herausfordernder sein können. Kurz vor Kriegsbeginn in der Ukraine, einer raschen Zinswende und damit plötzlich eisigen Finanzierungsbedingungen für die zuvor umjubelten Tech-Werte. Frank Thelen startete seinen Fonds mit dem Thema „Disruptive Technologies“ im Herbst 2021 (WKN: DNA10X). Der Fonds schmierte bis ins Jahr 2023 um mehr als 50 Prozent ab. „Schmerzhaft“ nennt Thelen das im Gespräch mit der F.A.Z. „Es war ein Start mit viel Herzblut, wir haben dann viel gelernt und so einen Absturz erlebt zu haben, das stärkt ein Team.“ Seither hat Thelen seine Fondsgesellschaft in TEQ Capital umbenannt, TEQ soll direkt klarmachen, dass es um Technologie und Aktien (Englisch: Equities) geht. Auch wurden Strukturen und Risikomanagement geändert. Der Kerngedanke der Gründungsidee ist aber geblieben. „Ich habe, wie viele wissen, seit Jahrzehnten in Start-ups investiert, ihnen Risikokapital gegeben und das hat sich in vielen Fällen sehr gelohnt“, sagt Thelen. „Es flossen dann immer mehr Mittel wieder an mich zurück. Ich wollte damit aber nicht wieder immer nur in junge Risikounternehmen investieren. Und größere Zweit- und Drittrundeninvestitionen sind meine Sache auch nicht und dann war die Frage, wo parke ich mein Geld.“ „Börsen können länger irrational bewerten“ Thelen gründete zusammen mit Marcel Vogler die Fondsgesellschaft 10xDNA, heute TEQ Capital. „Ich wollte quasi mein Family Office, meine Geldanlage, für andere öffnen.“ Thelen steckte viel eigenes Geld in den ersten Fonds und machte die erwähnten schmerzhaften Erfahrungen:„Börsen können Unternehmen länger irrational bewerten“, erinnert sich Thelen an die Anfangszeit im Jahr 2022. „Als Risikogeldgeber ist das Gute, dass die aktuellen Bewertungen nicht einsehbar sind, dass man in Ruhe arbeiten kann“, sagt Thelen. Lilium, ein Flugtaxi-Start-up und eine der prominenten Investitionen von Thelen, wäre möglicherweise nicht in die Insolvenz gegangen, wäre es nicht börsennotiert gewesen, ist der Investor überzeugt. Doch der Gnadenlosigkeit der täglichen Börsenkurse will sich Thelen weiter stellen. Die vergangenen zwei Börsenjahre haben es auch wieder besser gemeint mit seinem Fonds. Die Verluste sind größtenteils wieder aufgeholt und wer später investiert hat, kann auch ordentliche Gewinne gemacht haben. Mit dem „Small & Mid Cap Technologies“ (WKN: DNA10M) kam ein Fonds dazu, der sich vergangenes Jahr auch eines gesteigerten Interesses institutioneller Investoren erfreute und rund zehn Millionen Euro neues Geld einsammelte. „Überzeugungstäter mit Technologie-Expertise“ Thelen stellt aber klar, dass er seinem Investmentstil treu bleiben wird und die Kunden damit wissen, auf was sie sich einlassen: „Wir orientieren uns nicht an den großen Indizes, unser Fokus sind nicht in die Mag 7, das kann der Anleger mit einem ETF auf den S&P-500 günstiger haben“, sagt der 50 Jahre alte Thelen. „Wir sind Überzeugungstäter und bringen unsere gesamte Technologie-Expertise ein, um abseits der ganz großen Pfade Tech-Champions zu identifizieren und den Anlegern in unseren Fonds damit einen Mehrwert zu bieten“, sagt der Investor und Fernsehjuror der Sendung „Höhle der Löwen“, in der er besonders interessanten Start-ups Geld zur Verfügung stellt und sich an ihnen beteiligt. Sein großes Netzwerk aus Jahrzehnten im Venture Capital helfe nun auch für die Fonds. Eine „echte Diversifizierung“ in Fonds könne auch mal für gewisse Zeiträume sehr bescheiden aussehen, weiß Thelen. „Aber ich kann damit sehr gut schlafen, denn die jüngste Zeit hat gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ So ist Inpost eine der größten Positionen in den Fonds: „Ein super innovativer Logistikkonzern aus Polen, hocheffizient, wenn es darum geht, wie die Leute an ihre Pakete kommen, aber der Aktienkurs ist eine Enttäuschung“, sagt Thelen. Das fand ein Konsortium um den Gründer wohl auch und hat ein erstes Angebot abgegeben, um das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Immerhin 60 Prozent Kursplus gab es dadurch zuletzt. Favoriten Pyrum und Redcare als deutsche Aktien Der Kurs von Pyrum Innovations handelt, als würde das Geschäftsmodell des Altreifen-Recyclers aus dem saarländischen Dillingen kaum funktionieren, sagt Thelen. „Wahrscheinlich sind sie auch zu früh an die Börse gegangen, junge und noch kleinere Unternehmen haben es dort sehr schwer.“ Thelen ist aber überzeugt und bleibt dabei, wissend, dass es dauern kann, bis sich seine Sicht auf das Unternehmen auch im Aktienkurs widerspiegelt. Auch bei Redcare-Pharmacy, einem weiteren in Deutschland börsennotierten Unternehmen, wundert ihn die Kursschwäche. „Die Shop-Apotheke als größter Unternehmenswert hat den Umsatz mit e-Rezepten verdoppelt im vergangenen Jahr, das Geschäftsmodell wächst bombastisch, wir bleiben geduldig.“ Fünf Übernahmen habe es im Fonds schon gegebenen, eine sechste bahnt sich wie beschrieben gerade an, was bei 30 Positionen im Fonds tatsächlich recht viel ist. „Zwei oder drei Unternehmen haben wir aber auch verloren“, sagt Thelen. Sein Interesse an Technologie hat Thelen auch mit dem deutschen Unternehmen Quantmade zusammengeführt, die auf Basis mathematischer Modelle zwei Quant-Hedgefonds-Zertifikate mit der UBS aufgelegt haben. KI-ETF mit bewusster Abgrenzung zum Nasdaq-100 Nun wird von diesem Montag an ein ETF für den breiten Markt zugänglich. Der ETF, dessen zugrundeliegender Index schon seit Ende 2024 berechnet wird, hat Thelen mit einem Millionenbetrag anfinanziert. „Erstmal entstand das wieder nur für uns privat, weil wir nichts gefunden haben, was das Thema Künstliche Intelligenz so abdeckt, wie wir es wollten“, sagt Thelen. Richard Buschbeck, promovierter Physiker in Thelens Team, hatte daher die Aufgabe, etwas zu bauen, das vor allem „General KI“ abdeckt. „In der Vergangenheit war künstliche Intelligenz meist auf spezifische Bereiche beschränkt, zuletzt geht die Entwicklung jedoch immer mehr in Richtung genereller Systeme, die in ganz unterschiedlichen Bereichen Aufgaben lösen können, wie ein Mensch. Das wird das ganz große Thema unserer Generation werden“, sagt Buschbeck. Der ETF solle sich aktiv vom Nasdaq-100 unterscheiden und auch Europa und Asien, insbesondere China, gut berücksichtigen. Herausgekommen ist ein Fonds auf einen Index, der bis zu 100 Unternehmen aus fünf Kategorien umfasst, wovon jedes Unternehmen jeweils aber maximal drei Prozent Gewicht im Fonds hat. „Im Nasdaq-100 machen die größten zehn Positionen mehr als 50 Prozent aus, teilweise an die zehn Prozent für die größten wie Nvidia, das wollten wir breiter streuen“, sagt Buschbeck. Thema zu groß für Einzeltitelauswahl Das Mindestgewicht beträgt 0,3 Prozent. „Natürlich haben wir hier auch die großen Namen wie Nvidia drin, die gehören unverzichtbar zum Thema KI dazu, aber eben nicht nur, sondern eine breitere Streuung entlang der KI-Wertschöpfungskette und über verschiedene Unternehmensgrößen und Weltregionen hinweg, Europa mit ASML und SAP, aber auch China, Japan, Taiwan und Südkorea.“ Der junge Kölner ETF-Indexanbieter Naro IQ ist zusammen mit dem Bankhaus Hauck Aufhäuser der Partner. Das erste Jahr des TEQ - General Artificial Intelligence Index brachte 26 Prozent Kursplus, während der Nasdaq in Euro nur fünf Prozent zulegte. Warum ein überzeugter Einzelwerteinvestor wie Thelen nun plötzlich einen breit gestreuten ETF auflegt? „Das Thema der Künstlichen Intelligenz ist so groß, die technologische Entwicklung so rapide und die Marktteilnehmer so vielfältig. Um das Thema ganzheitlich abzubilden, versuchen wir erst gar nicht jeden Tag Gewinner und Verlierer zu unterscheiden und nehmen lieber einen regelbasierten Index-Ansatz, denn die Kategorien von Unternehmen, die von genereller KI profitieren werden, stehen bereits heute fest“, sagt Thelen. Die Regeln des Index sind transparent, zweimal im Jahr werden alle Werte wieder in die Spanne von 0,3 bis drei Prozent Gewicht zurückgesetzt (Re-Balancing). Derzeit ist Samsung mit 4,2 Prozent Indexanteil der stärkste Wert. Mit 0,69 Prozent Gebühr im Jahr liegt der ETF mit der Wertpapierkennnummer A41AXG im für Themen-ETF üblichen Bereichen und ist sehr viel günstiger als die aktiv gemanagten Fonds von Thelen, die bis zu 1,8 Prozent im Jahr kosten. Dort sind derzeit rund 80 Millionen Euro investiert, der Anteil professioneller Investoren steigt und liegt nun bei 20 Millionen Euro. Mit Mike Judith ist seit Sommer 2024 ein erfahrener Fondsprofi an Bord, der über viele Jahre den Vertrieb der größten norwegischen Fondsgesellschaft DNB geleitet und dort viele Milliarden Euro eingesammelt hat. Bis dahin ist der Weg der Bonner TEQ Capital noch weit.
