FAZ 11.08.2026
03:02 Uhr

Hitze-Liveblog: Rufe nach Aufnahme von Hitzeschutz in die Verfassung


Deutscher Städtetag: Hitzeschutz muss neue Gemeinschaftsaufgabe werden +++ Industrie drosselt wegen Rhein-Niedrigwasser Produktion +++ Lkw-Fahrverbot wird weiter gelockert +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Hitze-Liveblog: Rufe nach Aufnahme von Hitzeschutz in die Verfassung

Stundenlange Sperrung wegen Waldbrands - A7 wieder freiNach mehr als zwölf Stunden ist die A7 im Süden Niedersachsens in beide Richtungen wieder befahrbar. Die Polizei hatte die Autobahn, die Göttingen und Kassel verbindet, am Montagnachmittag gesperrt. Dichter Rauch soll von einem Waldbrand bei Hann. Münden (Kreis Göttingen) auf die Autobahn gezogen sein und ein sicheres Befahren der Autobahn unmöglich gemacht haben. Die Reinigungsarbeiten auf der Fahrbahn zwischen den Anschlussstellen Hedemünden und Lutterberg dauerten zum Teil bis in die frühen Morgenstunden, sagte eine Polizeisprecherin. Die Autobahn könne nun wieder in beide Richtungen befahren werden.

Handel fordert Maßnahmen zur Abkühlung der InnenstädteAngesichts zunehmender Hitzetage in Deutschland fordert der Handelsverband Deutschland (HDE) Maßnahmen zur Abkühlung der Innenstädte wie mehr Bäume oder Sonnensegel. „Stadtzentren verlieren bei Temperaturen von über 30 Grad massiv an Attraktivität“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth der Nachrichtenagentur AFP. „Die Hitze verdirbt vielen Menschen auch spürbar die Lust auf den Einkaufsbummel in der Innenstadt.\" Die Kommunen müssten dringend finanziell in die Lage versetzt werden, flächendeckend in Deutschland für Abkühlung in den Innenstädten zu sorgen, forderte Genth. Gefragt seien insbesondere mehr Bäume und Grünflächen. Aber auch mehr offene Wasserflächen und Brunnen seien von zentraler Bedeutung. Zudem gelte es aus der Installation von Schatten spendenden Sonnensegeln in südlichen Ländern zu lernen und ähnliche Modelle umzusetzen. Auch öffentliche Trinkwasserspender seien eine gute Anregung.„Angesichts des Klimawandels werden die Hitzetage in unseren Innenstädten immer weiter zunehmen“, sagte Genth. „Das nimmt den Einzelhandel an seinem Standort Nummer eins zunehmend in den Schwitzkasten.“ Vielerorts sei die wirtschaftliche Lage in den Stadtzentren ohnehin schon alles andere als einfach. Der Einzelhandel sei die zentrale Branche in den Innenstädten, die meisten Menschen kämen in die Stadtzentren des Einkaufens wegen. „Die Innenstadt ist für viele Menschen ein wichtiges Stück Heimat. Die ortsansässigen Geschäfte sind ein unverzichtbarer Teil davon“, sagte Genth. „Das sollten wir nicht leichtfertig verloren geben.“ Die Politik müsse handeln.

Behörde: Juli war wärmster Monat in den USA seit Beginn der AufzeichnungenDer Juli war offiziellen Angaben zufolge der heißeste Monat überhaupt in den USA seit Beginn der Aufzeichnungen vor mehr als 130 Jahren. Im Juli betrug die durchschnittliche Temperatur in den 48 Bundesstaaten ohne Alaska, Hawaii und den US-Überseegebieten 24,9 Grad Celsius, wie die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) am Montag mitteilte. Bislang war der Juli 1936 der heißeste Monat in den USA gewesen.Die anderen drei der heißesten fünf Monate in den USA seit Beginn der Aufzeichnungen waren der Juli 2006, der Juli 2012 und der Juli 2022. Die sogenannten „Dust-Bowl-Sommer“, insbesondere der von 1936, waren durch eine Kombination aus Dürre und extremer Hitze sowie Überpflügung in den Great Plains angeheizt worden. Dabei beeinflusste das heiße, freiliegende Land die Temperaturen in ganz Nordamerika und darüber hinaus.

Mehr als 70 Prozent Englands von Dürre betroffenFast drei Viertel Englands sind nach Angaben der Regierung in London mittlerweile von einer Dürre betroffen. 71,3 Prozent des Landesteils „befinden sich inzwischen im Dürrezustand, da sich die Lage nach einem trockenen Start in den August weiter verschlechtert hat“, erklärte das britische Umweltministerium am Montag. „Nirgendwo“ im Vereinigten Königreich herrsche noch der Normalzustand.Parks und Felder, die zu dieser Jahreszeit normalerweise grün sind, waren ausgetrocknet und gelb, wie Aufnahmen der Nachrichtenagentur AFP zeigten. Gleichzeitig sanken vielerorts die Flusspegel, und Landwirte warnten vor möglichen Lebensmittelengpässen infolge von Missernten - und das in einem Land, das eigentlich für sein feuchtes Wetter bekannt ist.Dabei war zunächst keine Besserung in Sicht - stattdessen steht dem Land in den kommenden Tagen die fünfte Hitzewelle des Jahres bevor. Niederschläge waren dagegen zunächst nicht vorhergesagt. Dem britischen Wetterdienst zufolge fiel im Juli in England und Wales so wenig Regen wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen - in England waren es nur zehn Prozent der sonst üblichen Regenmenge. Wegen der Dürre haben die Behörden bereits zahlreiche Beschränkungen für Bauern und Bürger erlassen. In einigen Regionen ist es zum Beispiel verboten, Pflanzen mit einem Gartenschlauch zu gießen. Insgesamt sind 27 Millionen Briten von den Wasser-Einschränkungen betroffen.

Industrie drosselt wegen Rhein-Niedrigwasser ProduktionDas anhaltende Niedrigwasser ​im Rhein zwingt erste Unternehmen zu ⁠Produktionskürzungen. Südlich von Kaub drohe ein komplettes Abschneiden der Transportwege, sagte Thomas Puls, ‌Verkehrsexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), der „Rheinischen Post“ (Dienstagausgabe). Da weder Straße noch Schiene die ‌anfallenden ‌Güter aufnehmen könnten, sei die wahrscheinlichste Reaktion der Grundstoffindustrien eine Produktionsreduktion.Der Chemiekonzern Covestro meldete ​bereits Einschränkungen. „Aufgrund der akuten ⁠Niedrigwasserlage ist der Rohstoff- und Warenverkehr derzeit erheblich eingeschränkt“, sagte ​ein Sprecher dem Blatt. Dies wirke ⁠sich inzwischen auch auf ‌die Rohstoffversorgung und die Produktion einzelner Betriebe aus. Eine Verlagerung auf ⁠die Straße ⁠sei dem Sprecher zufolge kaum möglich, da ⁠ein ​einziges ⁠Binnenschiff mit einer Tragfähigkeit ​von 1500 Tonnen rund 60 ‌Lkw-Fahrten ersetze.

Landkreis Harz schränkt die Wasserentnahme einDie Wasserentnahme aus Gewässern im Harz ist vom dortigen Landkreis eingeschränkt worden. Die Entnahme von Oberflächenwasser sei von Dienstag an untersagt, die aus dem Grundwasser für Beregnungszwecke eingeschränkt. Die Regelung gelte bis Ende September, wie der Landkreis Harz mitteilte. Nach geringen Niederschlägen im ersten Halbjahr vor allem im Harzvorland sei die Wasserführung in den Gewässern des Landkreises Harz sehr niedrig. Anfang August seien an 16 von 20 Pegeln zu niedrige Werte gemessen worden. Durch die anhaltenden Niedrigwasserstände könnten die in und an Gewässern lebenden Organismen und Pflanzen nachhaltig gestört werden. Es drohe eine Überbeanspruchung der Fließgewässer, erklärte der Kreis.

Niedrigwasser: Lkw-Fahrverbot wird weiter gelockertWegen des anhaltenden Niedrigwassers am Rhein und anderen Flüssen wollen nun auch Baden-Württemberg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw aussetzen. Geplant sei dies ab dem kommenden Wochenende und zunächst bis Ende August, sagte ein Sprecher des baden-württembergischen Verkehrsministeriums. Wie lange die Ausnahmeregelungen in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gelten soll, ließen die jeweiligen Ministerien offen.Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und das Saarland hatten das Fahrverbot bereits ab dem vergangenen Wochenende vorübergehend gelockert. Sachsen lehnt eine generelle Lockerung ab und verweist auf mögliche Ausnahmegenehmigungen.Bundesverkehrsminister Steffen Bilger will an diesem Mittwoch mit den Ressortchefs der Länder über weitere Entlastungsmaßnahmen beraten. Er werde mit den Landesverkehrsministern digital zusammenkommen, sagte der CDU-Politiker in Kiel. Gesprochen werden solle etwa über den Umgang mit bestimmten Gütern, die nicht länger an den Häfen gelagert werden dürfen. „Da kann man Regelungen flexibilisieren“, sagte Bilger.

Neuer Waldbrand in Südfrankreich: 270 Feuerwehrleute und vier Löschflugzeuge im EinsatzRund 270 Feuerwehrleute haben am Sonntag in Südfrankreich gegen einen sich schnell ausbreitenden Waldbrand gekämpft. Wie die Feuerwehr im Département Lozère mitteilte, war das Feuer im Gemeindegebiet von Massegros-Causses-Gorges etwa 140 Kilometer nordwestlich von Montpellier ausgebrochen. Bis zum frühen Abend hatte es eine Fläche von mehr als 150 Hektar erfasst und breitete sich weiter aus. Zwei Dörfer wurden vorsorglich evakuiert.Etwa 270 Feuerwehrleute aus Lozère und benachbarten Départements waren im Einsatz, unterstützt von sechs Löschflugzeugen. Die Feuerwehr forderte nach eigenen Angaben Verstärkung an, da sich das Feuer immer weiter ausbreitete und zunächst nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte.Ausgelöst wurde das Feuer nach ersten Erkenntnissen wohl von einem auf einer Straße in Brand geratenen Auto. Von den Evakuierungen waren zwei kleine Dörfer im Gemeindegebiet von La Tieule betroffen, auf die sich das Feuer zubewegte. 20 Häuser wurden geräumt, die Straße zwischen La Tieule und dem Nachbarort Le Recoux wurde gesperrt.

Juni und Juli waren in Westeuropa so warm wie noch nieWesteuropa hat in diesem Jahr den heißesten Juni und Juli seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt. Die Durchschnittstemperatur für die beiden Monate lag bei 21,62 Grad – und damit über dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2022, wie das EU-Beobachtungsprogramm Copernicus am Montag mitteilte. Der Wert spiegele „die außergewöhnlich anhaltende Hitze“ in diesem Sommer wider, erklärte Copernicus. Die Bodenfeuchtigkeit sei zudem „deutlich niedriger“ als im Juli 2022, als die letzte extreme Dürre Westeuropa heimgesucht hatte. Europa ist der sich weltweit am schnellsten erwärmende Kontinent, und die ersten beiden Sommermonate waren in diesem Jahr von Hitzewellen, Trockenheit und Waldbränden geprägt. Zahlreiche Länder meldeten Temperaturrekorde. Frankreich und Spanien erlebten die schlimmsten Waldbrände seit Langem. Die Pegelstände der Flüsse - insbesondere des Rheins, der Donau und der Seine - waren ungewöhnlich niedrig. In mehreren Ländern kam es zu Beeinträchtigungen im Schiffsverkehr, bei der Bewässerung und der Stromerzeugung.Auch die Ozeane verzeichneten laut dem EU-Beobachtungsdienst im Juli 2026 weltweit die „höchsten jemals für diesen Monat gemessenen Temperaturen“. Bereits im Juni hatten die Weltmeere einen Temperaturrekord erreicht. 

Spanien: Waldbrand nahe Huelva ausgebrochenHunderte Feuerwehrleute und Soldaten haben am Wochenende in der südspanischen Region Andalusien gegen einen neuen Waldbrand gekämpft. Bis Sonntag breiteten sich die Flammen in der Provinz Huelva immer weiter aus; zuletzt war ein Gebiet von rund 8000 Hektar betroffen.

Warum Deutschland mehr nichtfossile Energie brauchtAngesichts der fortschreitenden Klimakrise lohnt es nicht mehr, auf eine Rückkehr zur alten Normalität zu hoffen. Für eine stabile Stromversorgung braucht es stattdessen den Fokus auf die Energieträger, die Deutschland zumindest einigermaßen sicher nutzen kann. Deutschland hat diesbezüglich viel zu tun, kommentiert mein Kollege Lukas Fuhr.

Waldbrand am Gardasee ist wieder unter KontrolleÜber der Ortschaft Tignale hat ein Brand am Freitagabend und Samstag rund 50 Hektar Wald zerstört. Dank des Einsatzes mehrerer Löschflugzeuge konnte dieser schnell unter Kontrolle gebracht werden, schreibt mein Kollege Matthias Rüb.

Waldbrände in British Columbia – Notstand ausgerufenMehr als 20.000 Menschen mussten in Kanada wegen Waldbränden in Sicherheit gebracht werden. Der Brand erstreckte sich laut der Webseite der zuständigen Waldbrandbehörde bis zum frühen Sonntagmorgen auf eine geschätzte Fläche von 10.341 Hektar. Die Katastrophenschutzministerin der Provinz, Kelly Greene, rief den Notstand aus. 

Landwirtschaft: Böden leiden unter der TrockenheitDurch die lange Trockenheit leiden Natur und Landwirtschaft. „In Teilen Deutschlands sind die Böden derzeit ungewöhnlich stark ausgetrocknet“, teilt der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mit. Vor allem in der südlichen Mitte und im Süden Deutschlands sei die Bodentrockenheit „gravierend“.Schon seit März seien die Niederschlagsmengen in fast ganz Deutschland unterdurchschnittlich. Besonders wenig Niederschlag fiel von der Pfalz und Rheinhessen bis nach Unterfranken. Im Süden entsprach die Niederschlagsmenge gebietsweise weniger als der Hälfte des vieljährigen Mittels der Jahre 1991 bis 2020.Getreide und Raps reiften bei hohen Temperaturen rasch ab, die Ernte kam schnell voran. „Die Trockenheit hatte auf diese Kulturen relativ geringe Auswirkungen“, stellte der DWD fest.Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln, die einen hohen Wasserbedarf haben, litten hingegen regional stark unter der Trockenheit. „Es drohen markante Schäden.“ Teils ist bereits ein Grünlandschnitt ausgefallen, was Futterknappheit bei der Viehhaltung verursachen kann.