FAZ 11.08.2026
15:07 Uhr

Hitze-Liveblog: Bahn meldet Hitzeschäden zwischen Stuttgart und Nürnberg


Mehrere Haltestellen im Fernverkehr entfallen +++ Menschen im Main-Kinzig-Kreis dürfen wieder duschen +++ Deutscher muss 450 Euro für Sprung in römischen Brunnen zahlen +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Hitze-Liveblog: Bahn meldet Hitzeschäden zwischen Stuttgart und Nürnberg

Frankreich rechnet mit bis 39 GradIn Frankreich wird es abermals heiß. Seit Dienstagmittag galt für 43 der 101 Départements die zweithöchste Hitze-Warnstufe Orange, wie der Wetterdienst Météo-France mitteilte. Bis Mittwoch sollte die Zahl der betroffenen Départements demnach auf 67 steigen. Nach dem Südosten des Landes ist nun auch der Westen Frankreichs wieder stärker von hohen Temperaturen betroffen.Mit dem Höhepunkt der aktuellen Hitze-Phase rechnet Météo-France „gegen Mitte der Woche“. In den Départements mit Warnstufe Orange soll es dann zwischen 36 und 39 Grad heiß sein. Den Meteorologen zufolge handelt es sich nicht um eine neue Hitzewelle, sondern um die Folgen der dritten Hitzewelle dieses Sommers, die bereits am 28. Juli begonnen hatte und zumindest im Südosten das Landes weiter andauert. Sie weitet sich nun wieder aus.

Spaziergänger nutzen freigelegte FelsübergängeAuch in Bingen ist das Ausmaß des Niedrigwassers sichtbar: Der Rhein ist hier an vielen Stellen ausgetrocknet, das Wasser läuft teils in Rinnsalen. Rund um den Mäuseturm bildet das Wasser Pfützen. Der Name des Mäuseturms, der auf einer Rheininsel liegt, geht laut der Stadt Bingen übrigens nicht auf die kleinen Nager zurück, sondern auf das mittelhochdeutsche Wort für das Wachen und Lauern: „Musen“. Nun sorgt die andauernde Trockenheit für Felsübergänge, die von neugierigen Spaziergängern genutzt werden.  Teils gelangen sie so zum Turm, auch die Hitze hält sie nicht auf.

USA verzeichnen heißesten Juli bislangDer Juli geht als wärmster Monat seit Beginn der Aufzeichnungen in die Geschichte der USA ein. Im Juli seien durchschnittlich knapp 25 Grad gemessen worden, teilte die US-Klimadatenbehörde NCEI mit. „Das war der wärmste Juli – und zugleich der wärmste Monat überhaupt – seit Beginn der Aufzeichnungen vor 132 Jahren“, hieß es von der Behörde. Die Daten reichen zurück bis 1895. Die Angaben beziehen sich auf das zusammenhängende Staatsgebiet der Vereinigten Staaten, schließen also etwa Alaska, Hawaii und andere US-Territorien aus. Der Juli ist in der Regel der heißeste Monat des Jahres in diesem Gebiet.Die Durchschnittstemperatur habe in dem Gebiet im Juli 1,8 Grad über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts gelegen. Trotz unterdurchschnittlicher Niederschläge insgesamt hätten mehrere Regionen starke Regenfälle erlebt, „darunter große Sturzfluten im texanischen Hügelland und im Osten von New York“, hieß es von der Behörde. „Besonders im westlichen Binnenland, im Südwesten, in den Rocky Mountains, in den nördlichen Plains und im oberen Mittleren Westen sowie in Teilen der Golfküste und des Südostens wurden deutlich überdurchschnittliche Werte gemessen.“

Duschen wieder erlaubtNach dem drastischen Aufruf, auf Duschen, Baden und das Bewässern des Gartens wegen Waldbränden zu verzichten, hat der Main-Kinzig-Kreis seine Warnmeldung aufgehoben. Dies gilt nach Angaben des Kreises mit sofortiger Wirkung. Nach dem Ausbruch mehrerer Brände in einem Waldstück zwischen Ober- und Niederrodenbach waren Bürgerinnen und Bürger zum Sparen aufgerufen worden. Grund für die Situation war zum einen die große Ausdehnung des Brandes und damit verbunden der hohe Wasserbedarf gewesen, aber auch die angespannte Versorgungslage angesichts der wochenlangen Trockenheit in der Region, sagte der Landkreis-Sprecher. Mittlerweile laufe wieder mehr Wasser in die Hochbehälter, als abgezapft werde.

„Diese Wasserstände gab es noch nie“Zwei tätowierte Männer werkeln auf einer dunkel-rot-weißen Fähre. Einer von beiden erklärt sich bereit, mit der F.A.Z. zu sprechen, möchte aber nicht namentlich genannt werden „So etwas gab es noch nie\", sagt er über die Lage am Rhein. Es sei traurig, das mit anzusehen. „Wenn das Wasser nicht da ist, ist es nicht da“, fügt er hinzu und zuckt mit den Schultern.   „Das ist halt schade“, findet er, weil doch seit Jahren vor dem Niedrigwasser gewarnt werde. Immer wieder sagt er: „Diese Wasserstände gab es noch nie.“ Seit vier Wochen sei ihre Fähre nun außer Betrieb. „Alles schwierig gerade. Das bereitet mir Bauchschmerzen.\" Normalerweise liege der Pegelstand bei zwei bis zweieinhalb Metern – nun sind es 14 Zentimeter. „Ich komme mit meiner Schiene auch nicht weiter raus“, sagt er und zeigt auf seine Anlegestelle und die trockenen Steine.

Main ist 27 Grad warm – Warnstufe ausgerufenDie Bezirksregierung von Unterfranken hat wegen der hohen Wassertemperatur und des niedrigen Abflusses für den gesamten Verlauf des Mains von der hessischen Landesgrenze bis Bamberg in Oberfranken einen Alarmplan aktiviert. Bereits in der vergangenen Woche war eine Warnung für den Abschnitt zwischen hessischer Grenze und Würzburg ergangen. Jetzt gilt diese flussaufwärts bis Bamberg. In der Gegend um Würzburg werden im Main derzeit Wassertemperaturen von um die 27 Grad gemessen. Der Sauerstoffgehalt im Fluss sei allerdings noch unkritisch, auch weil durch die hohe Sonneneinstrahlung Algen wachsen und diese Sauerstoff produzieren, heißt es in einer Mitteilung der Bezirksregierung. Dennoch bedeutet die Hitze eine große Gefahr für Tiere und Pflanzen und damit für das gesamte Ökosystem im Fluss.Die Lage sei wegen des niedrigen Abflusses in Kombination mit den hohen Wassertemperaturen kritisch. Organisationen, die direkt in den Main einleiten wie etwa Kläranlagen und Industriebetriebe, sollten sensibilisiert werden und ihr Verhalten der Situation anpassen, heißt es weiter. 

„Es ist erschreckend, wo unser gutes Wasser ist\"Marion Retz ist extra aus dem Westerwald nach Kaub gefahren. Eine Stunde Fahrt hat sie auf sich genommen, um hier zu sein. Sie sei heute mal „Touristin“, sagt sie. Die 55-Jährige trägt Sonnenbrille, Hut und ein orangefarbenes T-Shirt. Sie lacht viel. Sie sagt, sie habe schon Touristengruppen beobachtet, die früh hierhergekommen seien. „Es ist nun mal eine einmalige Situation“, sagt sie. „Es ist erschreckend, wo unser gutes Wasser ist. Ich bin baff davon.“ Die Drohnenbilder vom Rhein, die sie in den Medien gesehen hat, hätten sie beeindruckt. Sie habe gedacht, dass sie einfach in den Rhein „latschen“ und etwas Besonderes, wie zum Beispiel Rheingold oder einen besonderen Stein, auftreiben könne. Ihr gefällt das Wortspiel: „In den Rhein reingehen und dann kleine Schätze finden.“ Aber das Wasser sei stellenweise doch sehr tief.

Pegelstand in Kaub bei 14 ZentimeternHallo aus Kaub am Rhein! Hier liegt der Pegelstand zurzeit bei 14 Zentimetern. Der Pegel befindet sich am oberen Ende der rechtsrheinischen Fährrampe in Kaub. Dort führt eine Treppe nach unten zu den Pegellatten.Die Pegellatten sind am Ufer an einer geeigneten Stelle angebracht, sie sehen aus wie ein überdimensionaler Zollstock. Jedes schwarze „E“ deckt 10 Zentimeter in der Höhe ab. Am Fuß von jedem „E“ steht die Höhe über dem Pegelnullpunkten in zweistelligen Zahlen in Dezimeter.Auch am Pegelturm lässt sich die Stand ablesen. Dieser wurde im Jahr 1905 gebaut und misst etwa 18 Meter. Auf der Felsen- oder Gebirgsstrecke zwischen Sankt Goar und Bingen gilt der Kauber Pegel als maßgeblicher Wasserstandsanzeiger. 

Sprung in römischen Brunnen kostet Deutschen 450 EuroBei Temperaturen nahe der 40 Grad hat ein deutscher Urlauber in einem von Roms historischen Brunnen Abkühlung gesucht – was ihn nun teuer zu stehen kommt. Der 42 Jahre alte Mann wurde von der Polizei aus dem Najaden-Brunnen auf der Piazza della Repubblica geholt, einem zentralen Platz unweit des Hauptbahnhofs. Gegen ihn wurden 450 Euro Geldstrafe sowie ein Platzverbot verhängt. In Rom ist es seit vielen Jahren durch eine Verordnung verboten, in einen der zahlreichen historischen Brunnen zu steigen oder gar darin zu baden oder zu tauchen. In der Vergangenheit kam es auch vor, dass Brunnen beschädigt wurden. Der Najaden-Brunnen (Fontana delle Naiadi) ist verhältnismäßig neu: Er wurde 1901 nach dem Modell der Belle Époque gebaut. Die Najaden sind Wassernymphen aus der griechischen Mythologie. 

Neuer Höchststand bei Ausfällen in französischen AKWHitze und Trockenheit setzen der Atomstromproduktion in Frankreich zu: Für den Kraftwerkspark des Betreibers EDF wurde am Sonntagnachmittag ein neuer Höchststand bei den Ausfällen verzeichnet, wie aus Berechnungen der Nachrichtenagentur AFP zu den seit 2015 veröffentlichten Daten hervorgeht. Die Ausfallquote erreichte 15,6 Prozent – noch nie zuvor fehlte in Frankreich so viel Kernkraftleistung aufgrund steigender Temperaturen der Flüsse und sinkender Durchflussmengen.Die insgesamt 57 Atomreaktoren des Landes, die üblicherweise rund 70 Prozent der Stromerzeugung decken, liegen allesamt an Gewässern, um die Kühlung der Anlagen zu ermöglichen. Im Falle von Dürren oder Hitzewelle muss die Produktion jedoch gedrosselt werden, um Auswirkungen auf die Umwelt zu begrenzen und zu verhindern, dass sich etwa das Wasser von Flüssen noch weiter aufheizt. Am Sonntag mussten so fünf Reaktoren (Tricastin 1 und 4, Saint-Alban 1 und 2 sowie Bugey 3) ihre Leistung anpassen. Zudem waren vier Reaktoren (Golfech 2, Chooz 1 und 2, Cattenom 1) außer Betrieb.Mit Blick auf die Sicherheit hob EDF hervor, dass die Reaktoren trotz hoher Wassertemperaturen ohne erhöhtes Risiko betrieben werden könnten; die von der französischen Atomaufsichtsbehörde für jeden Standort festgelegten Grenzwerte dienten dem „Schutz von Flora und Fauna“, erklärte der Konzern. EDF verwies außerdem darauf, dass die Auswirkungen von Dürreperioden und Hitzewellen auf die Atomstromerzeugung „sehr gering“ seien – Frankreich sei weiterhin ein bedeutender Stromexporteur innerhalb Europas.

Verheerender Brand in AndalusienAbermals ist ein Brand in Spanien ausgebrochen, dieses Mal im Südwesten. Hunderte fliehen vor den Flammen, die sich weiter schnell ausbreiteten. Ein Minister erklärt, da Feuer sei „außerhalb der Löschkapazität“:

Sechs Massenbleichen seit 2016Aufatmen am Great Barrier Reef: Ein spät einsetzender Sommermonsun hat Teile des weltberühmten Korallenriffs vor der australischen Ostküste vor weiterer Hitze geschützt. Als im Norden und Zentrum bereits erste Anzeichen einer neuen Korallenbleiche auftraten, brachten Wolken und Regen in den ersten Monaten des Jahres dringend nötige Abkühlung, wie aus einer aktuellen Experten-Studie hervorgeht.Wind, Wellen und Durchmischung sorgten zudem dafür, dass heißes Oberflächenwasser mit kühlerem Wasser aus tieferen Schichten vermischt wurde. Das zeigt der jüngste Jahresbericht des staatlichen Meeresforschungsinstituts (AIMS), das das Riff seit 40 Jahren untersucht. Die Wissenschaftler sprechen von „ermutigenden Anzeichen einer Erholung“.Die Bedeckung mit lebenden Hartkorallen nahm demnach in den nördlichen und zentralen Regionen leicht zu: Im Norden stieg sie zwischen August 2025 und Juni 2026 von 30 auf 35,1 Prozent, im Zentrum von 28,6 auf 31,6 Prozent. Im Süden sank sie dagegen leicht von 26,9 auf 26,4 Prozent.  

Ein Schiff entspricht 150 LastwagenDie Hitze trifft die Unternehmen immer heftiger. Das zeigt sich am Rhein: Ohne den wichtigen Fluss ist die Chemieindustrie nicht denkbar. Was tun?

Waldbrand: Bürger sollen möglichst nicht duschen oder badenWegen eines großen Waldbrandes bei Rodenbach und des hohen Wasserbedarfs ruft der Wasserversorger im Main-Kinzig-Kreis die Bevölkerung zum Wassersparen auf. Die Wasserreserven würden für die Brandbekämpfung benötigt, heißt es in einer Warnmeldung des Landkreises am Abend. „Bitte verzichten Sie möglichst auf Duschen, Baden, das Bewässern von Gärten sowie wasserintensive Tätigkeiten.“ Der Verbrauch solle auf „das absolut Notwendigste“ reduziert werden. Der Aufruf richtet sich an die Bewohner von Freigericht, Bruchköbel sowie Langenselbold und Umland. Es gibt mehrere Brände in einem Waldstück zwischen Ober- und Niederrodenbach. „Nach bisherigem Stand ist eine Waldfläche von mehreren tausend Quadratmetern betroffen“, sagte ein Polizeisprecher am frühen Abend. Die Kreisbrandinspektion aus dem bayerischen Aschaffenburg, die bei den Löscharbeiten unterstützte, sprach von mindestens 30.000 Quadratmetern Brandgebiet. Die Einsatzkräfte waren auch in der Nacht noch mit den Löscharbeiten beschäftigt. Das Feuer flamme immer wieder auf, hieß es.