FAZ 30.12.2025
16:28 Uhr

Hitlergrüße und Frauenhass: Pistorius zeigt sich „erschüttert“ über seine Fallschirmjäger


Rechtsextremismus, sexuelles Fehlverhalten und Drogenmissbrauch: Pistorius zeigt sich über die Vorfälle bei einem Fallschirmjägerregiment betroffen – und verspricht Aufklärung.

Hitlergrüße und Frauenhass: Pistorius zeigt sich „erschüttert“ über seine Fallschirmjäger

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat sich „erschüttert“ über die Vorkommnisse bei Fallschirmjägern der Bundeswehr geäußert und konsequente Verfolgung und Ahndung der Fälle von Rechtsextremismus, sexuellem Fehlverhalten und Drogenkonsum zugesagt, über welche die F.A.Z. Anfang der Woche berichtet hatte. Pistorius bescheinigte der früheren militärischen Führung beim Fallschirmjägerregiment 26 Fehlverhalten im Umgang mit den Vergehen. Inzwischen werden Dutzende Verfahren gegen Beschuldigte geführt und Soldaten entlassen. Pistorius sagte, es sei zwar ermittelt worden und der gesamte Sachverhalt werde seither umfassend aufgeklärt, mit ersten harten Konsequenzen. Jedoch: „Was nicht geht, ist, dass das Fehlverhalten vor Ort offenbar nicht sofort als solches erkannt wurde und damit auch nicht mit der erforderlichen Konsequenz verfolgt wurde. Das muss ausgeschlossen sein.“ „Schlechte Führung ist kein Dienstvergehen, wird aber nicht geduldet“ Damit widersprach Pistorius Äußerungen des Generalinspekteurs Carsten Breuer, der den früheren Kommandeur des Regiments in Schutz genommen hatte. Wie Abgeordnete berichteten, habe Breuer im Verteidigungsausschuss gesagt, der Oberst habe „sich so verhalten, wie sich das für einen militärischen Vorgesetzten gehört“. Es gebe keine Verfehlungen. Im Rahmen umfassender Recherchen der F.A.Z. zu dem Vorgang hatte hingegen der Kommandeur Feldheer, Generalleutnant Gante, gesagt: Die Führung des Heeres sei sprachlos über die Ereignisse gewesen, „aber auch über die Art und Weise, wie man damit umgegangen ist. Im Heer gilt: Schlechte Führung ist kein Dienstvergehen, wird aber nicht geduldet.“ Pistorius sagte der Deutschen Presse-Agentur, er sei dem Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, sehr dankbar, dass dieser umgehend Maßnahmen eingeleitet habe, um zu verhindern, dass sich dieses Fehlverhalten fortsetze. Ein „Aktionsplan Luftlandetruppe“ werde die Konsequenzen bündeln. Derartiges habe „in unserer Bundeswehr nichts verloren“. Es müsse, so der Minister, „das Vertrauen in militärische Führung vor Ort wiederhergestellt werden“. Doch genauso wichtig sei, dass es keine Furcht geben dürfe, Vorfälle zu melden, oder gar eine falsch verstandene Solidarität mit denjenigen, die jede Grenze überschritten.