Der Goldpreis setzt seine Talfahrt fort. Nachdem er am Freitag deutlich nachgegeben hatte, ging es weiter abwärts. Allein am Freitag belief sich der Verlust auf neun Prozent. Das war der stärkste Rückgang innerhalb eines Tages in diesem Jahrzehnt. Am Montag sank der Preis im Handelsverlauf um weitere acht Prozent. Zeitweise kostete Gold 4406,45 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Seit dem Rekordhoch vom vergangenen Donnerstag hat Gold damit rund ein Fünftel seines Wertes verloren. Der Silberpreis fiel prozentual noch drastischer, von 121,64 Dollar am Donnerstag auf gut 82 Dollar je Unze am Montag, also um rund ein Drittel. Der Tagesverlust für Silber am Freitag gilt als der größte in der Geschichte. Nominierung von Kevin Warsh Zuvor war der Goldpreis von Rekord zu Rekord geeilt. Es hatte zwar immer mal wieder auch gegenläufige Bewegungen gegeben, aber nicht in dem Ausmaß. Als wichtigsten Grund für die Wende nennen Analysten die Entscheidung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, das frühere Fed-Mitglied Kevin Warsh als Nachfolger für Fed-Chef Jerome Powell zu nominieren. Warsh gilt unter den möglichen Kandidaten, die zuletzt im Gespräch waren, als der konsequenteste Inflationsbekämpfer. Das hat an den Märkten die Erwartung weiter sinkender US-Leitzinsen gedämpft. Eine straffere Geldpolitik könnte bei sonst gleichen Umständen für höhere Kapitalmarktzinsen und einen stärkeren Dollar sorgen. Beides ist schlecht für das unverzinste und in Dollar gehandelte Gold. Für Anleger stellt sich die Frage: War es das jetzt mit der starken Entwicklung des Goldpreises? Oder ist die Korrektur eine Chance, günstig nachzukaufen? An der Einschätzung der Nachricht von der Warsh-Nominierung hängt dabei einiges. Auf der einen Seite hat Warsh sich in seiner bisherigen Karriere den Ruf eines „Falken“ erworben, also eines Befürworters einer straffen Geldpolitik. Auf der anderen Seite hat er den Posten, wenn er es wird, Trump zu verdanken. Zudem hatte Warsh zuletzt eine gewisse Unterstützung für Trumps Linie niedrigerer Zinsen signalisiert. Nicht ganz leicht, sich vorzustellen, dass er sich dann zum größten Widerstandskämpfer gegen den US-Präsidenten aufschwingt. Die Investoren an den Finanzmärkten haben sich aber offenkundig dafür entschieden, die Nachricht von der Warsh-Nominierung als Zeichen für weniger Zinssenkungen zu deuten. Ob diese Deutung anhält und sich als richtig erweist, ist offen. „Die Marktteilnehmer schätzen an Warsh, dass er Erfahrung als Fed-Governor hat und auch wegen seiner Tätigkeit im Finanzsektor die Finanzmärkte sehr gut kennt“, sagt Cyrus de Rubia, Goldfachmann der Hamburg-Commercial Bank. Sie hätten aber möglicherweise auch geschlossen, dass Trump hier klein beigegeben habe und dass er möglicherweise auch bei anderen Themen noch klein beigeben werde. Die Erwartungshaltung, dass der mit „TACO“ umschriebene Grundsatz („Trump Always Chickens Out“ – „Am Ende kneift Trump immer) greife, sei an den Märkten zurück, nachdem der Angriff auf Venezuela das Gegenteil suggeriert habe. Mehr Sicherheiten verlangt Es gab eine zweite Nachricht, die den Goldpreisrückgang nach dem Wochenende verstärkt hat. Der amerikanische Börsenbetreiber CME Group kündigte an, höhere Sicherheitsleistungen für Gold-Futures, also Termingeschäfte mit dem Edelmetall, verlangen zu wollen. Diese sogenannten Margins für Gold-Futures werden von sechs auf acht Prozent angehoben, während die Margen für Silber-Futures von elf auf 15 Prozent steigen. Ein Anheben der zu hinterlegenden Sicherheiten wirkt sich in der Regel negativ auf die betroffenen Kontrakte aus, da der höhere Kapitalbedarf spekulative Aktivitäten dämpft, die Liquidität verringert und Händler dazu zwingen kann, Positionen aufzulösen. Was heißt das alles nun? Es gibt zwei starke Argumente dafür, dass es mit der positiven Entwicklung für Gold nicht für immer vorbei ist. Sie hängen beide damit zusammen, dass wesentliche Treiber der Goldrally nicht verschwinden. Das eine ist die geopolitische Unsicherheit. Der Wunsch von Notenbanken und Investoren, nicht zu abhängig vom Dollar und von amerikanischen Staatenanleihen zu sein, dürfte nicht über Nacht verschwinden. Das andere sind die niedrigen Zinsen. Gut möglich, dass die Finanzmärkte in der ersten Reaktion auf die Trump-Entscheidung für Warsh die Auswirkungen auf das Zinsniveau überschätzen. Die Schweizer Bank UBS jedenfalls hebt hervor, sie erwarte trotz allem noch zusätzliche Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank. „Die sollten dem Gold wiederum Auftrieb verleihen“, meint UBS-Goldfachmann Giovanni Staunovo. Allerdings darf man vermutlich auch nicht unterschätzen, welche psychologischen Wirkungen ein solcher Goldpreisrutsch haben kann. Frank Schallenberger, Goldfachmann der Landesbank Baden-Württemberg, sagt, es bleibe abzuwarten, ob mit dem Preisrückgang jetzt auch die Kaufwelle der ETF gebrochen werde. Zwar gebe es in aller Welt noch Unsicherheit genug, deshalb könnte Gold als „sicherer Hafen“ weiter gefragt bleiben. Allerdings stelle sich auch für Profiinvestoren sicherlich die Frage, wie sicher ein Hafen eigentlich sei, wenn der Preis mal an einem Tag fast zehn Prozent einbrechen könne: „Ich könnte mir vorstellen, dass zunächst Konsolidierung am Goldmarkt angesagt ist.“ Notenbanken kaufen weniger Die sogenannten Fundamentaldaten, also die Zahlen für Angebot und Nachfrage nach Gold, waren zuletzt eher preisstützend gewesen. Die Branchenorganisation World Gold Council hatte gerade die Zahlen für die Goldnachfrage 2025 veröffentlicht: Insgesamt war eine Rekordnachfrage von mehr als 5000 Tonnen Gold vermeldet worden. Es fanden sich aber durchaus nachfragedämpfende Spuren durch den hohen Goldpreis. So ist der Absatz von Goldschmuck in aller Welt mengenmäßig weiter zurückgegangen, und zwar um 18 Prozent. Zudem haben die Notenbanken, die bislang zu den wichtigsten Treibern der Goldnachfrage gehört hatten, zwar weiter gekauft, aber ihre Mengen verringert. Drei Jahre hintereinander hatten sie zusammen jeweils mehr als 1000 Tonnen Gold im Jahr erworben, 2025 waren es nur noch 863,3 Tonnen. Wesentlicher Treiber der Goldnachfrage dagegen waren die Zuflüsse in ETF, deren Entwicklung sich vergleichsweise schnell drehen könnte. Aus den Filialen der deutschen Goldhändler wie Pro Aurum jedenfalls wird berichtet, dort sei von Panik nichts zu spüren. Unternehmenssprecher Benjamin Summa sagte, die Kunden nutzen den Preisrückgang vielmehr, um Gold und Silber nachzukaufen. „90 Prozent unserer Kunden sind jetzt auf der Käuferseite“, sagte Summa. „Nur zehn Prozent der Kunden kommen in die Filialen, um Gold und Silber zu verkaufen und Gewinne mitzunehmen.“
