FAZ 24.02.2026
12:05 Uhr

Hilfe für die Ukraine: Unermüdlich, aber nie genug


Seit vier Jahren im Einsatz: „Frankfurt for Ukraine“ sammelt Hilfsgüter für das bombardierte Land, das „Ukrainian Coordination Center“ hilft Kriegsflüchtlingen bei ihrer Integration.

Hilfe für die Ukraine: Unermüdlich, aber nie genug

Es ist seit vier Jahren der gleiche Ablauf: Spenden sammeln, Spenden sortieren, Spenden säubern. Dann alles einpacken und losfahren in Richtung Ostukraine. „Wir haben jeden Monat Transporte, manchmal fahren nur Autos, manchmal große Lastwagen“, sagt Jumas Medoff von der Initiative „Frankfurt for Ukraine“. Seit dem Beginn des Angriffskriegs Russlands am 24. Februar 2022 sammelt die Frankfurter Hilfsorganisation alles, was die Menschen in der Ukraine gerade benötigen. Dabei arbeitet sie mit der Landesregierung sowie anderen Organisationen zusammen, wie etwa das bereits Anfang März 2022 unter anderem mit Unterstützung der Stadt Frankfurt gegründete Ukrainian Coordination Center (UCC). „Für das erste Halbjahr planen wir sechs Transporte“, berichtet Viktoriia von Rosen, die nach dem Überfall auf ihr Heimatland innerhalb weniger Tage Hilfe für Geflüchtete organisiert und den Aufbau des Koordinationszentrums maßgeblich vorangetrieben hatte. Auch die Hilfstransporte des UCC fahren bis in die Ostukraine, in vom Krieg besonders betroffene Orte. Das Koordinationszentrum, das seit Jahren in Räumen des Amts für Multikulturelle Angelegenheiten untergebracht ist, übernimmt neben den Hilfslieferungen eine noch wichtigere Rolle für die Menschen, die vor dem Krieg aus ihrer Heimat geflohen sind. Das UCC ist erste Anlaufstelle für alle Ukrainer, die neu in Frankfurt ankommen. Dort erhalten sie Beratung in vielen sozialen Angelegenheiten. Sobald sie Fuß gefasst haben, bietet das Zentrum Orientierungs- und Sprachkurse und fördert den Zusammenhalt der Gemeinschaft unter anderem mit kulturellen Angeboten. Die Ukraine braucht viele Arten von Hilfsgütern Die Liste der Hilfsgüter, die in dem angegriffenen Land dringend gebraucht werden, ist nach Angaben der beiden Hilfsorganisationen lang. Darauf steht Werkzeug, um nach Drohnenanschlägen Fenster oder Gebäudeschäden reparieren zu können, oder Ausrüstung für Feuerwehrleute, sagt von Rosen. Gebraucht werden auch Feuerlöscher – auch diejenigen ohne EU-Zulassung – sowie abgelaufene Kfz-Verbandskästen. Was der TÜV nicht mehr akzeptiert, kann teilweise noch verwendet werden. „Wir haben viele Nachfragen nach medizinischem Equipment“, berichtet Viktoriia von Rosen. Die Hilfsorganisationen haben ein Auge darauf, wenn Arztpraxen aufgegeben oder an einen Nachfolger übergeben werden. Der kauft sich in der Regel neue Geräte, die alte medizinische Ausstattung ist nicht mehr modern, aber einsatzbereit. Wenn sie gespendet wird, hilft das den Menschen in der Ukraine enorm. „Alternativ würden die Geräte verschrottet. Spenden an uns sind also auch nachhaltig“, betont Medoff. Das Gleiche gilt etwa für Erwachsenen-Windeln, Rollstühle, Toilettenstühle, Krücken, Orthesen oder teure Sondernahrung und Medikamente, die nach der Genesung oder dem Tod eines erkrankten Menschen in der Regel weggeworfen werden. Auch Kerzenreste müssen nicht im Müll landen, sondern können gespendet werden. Daraus werden in der Ukraine sogenannte Grabenkerzen hergestellt, die aus Konservendosen mit eingeschmolzenem Wachs bestehen. Das Verfahren stammt aus dem Ersten Weltkrieg, als Soldaten in den Schützengräben lange ohne Heizmöglichkeit ausharren mussten. Benötigt werden diese Grabenkerzen, wenn in der Ukraine nach einem Angriff mal wieder der Strom ausfällt – man kann mit ihnen zum Beispiel Tee erwärmen oder Socken trocknen. „Wir haben mal gesammelte Kerzenreste von einer 92 Jahre alten Frau bekommen, die den Zweiten Weltkrieg noch selbst erlebt hat“, berichtet Medoff. Wertvoll sind natürlich auch Holzöfen, diese werden in der Ukraine an Sozialeinrichtungen und Kindergärten verteilt. Viele Kinder seien hoch traumatisiert, berichtet der Gründer von „Frankfurt for Ukraine“. Wenn er mit Menschen in dem Land telefoniere, höre er dabei auch immer wieder die Drohnen und Raketen. Doch die Ukrainer seien erstaunlich gefasst: „Wenn wir getroffen werden, werden wir getroffen.“ Beladung eines 40-Tonners gleicht einem Tetrisspiel Die Spenden auf den Weg zu bringen, ist jedoch nicht immer einfach, vor allem, wenn wie im Januar ein 40-Tonner vollgepackt werden muss. Sein Ziel war Charkiw, die zweitgrößte Stadt in der Ukraine. Weil im Lager zu wenig Platz war, um den großen Lastwagen beladen zu können, mussten die Spenden erst auf Paletten verstaut und mit einem separaten Lastwagen zu einem anderen Lager in Frankfurt gebracht werden, wo sie mittels Rampe auf den 40-Tonner verladen werden konnten. „Wie ein Tetris-Spiel“ beschreibt Medoff das Verfahren. Mittlerweile ist alles bei der Partnerstiftung in der Ukraine angekommen, von dort aus wurden die Spenden an Krankenhäuser, soziale Einrichtungen und an ein Waisenhaus für Kinder mit Behinderung verteilt. Einige Spenden wurden auch innerhalb der Ukraine weiter verschickt, und zwar per Post. „Trotz Krieg kommen die Pakete innerhalb von einem Tag an“, berichtet Medoff staunend. Auch in Frankfurt ist alles gut eingespielt, schließlich arbeitet das Team schon seit vier Jahren eng zusammen. „Wir haben uns am 27. Februar 2022 zu einer spontanen Sammelaktion an der Hauptwoche getroffen“, blickt Medoff, dessen Frau aus der Ostukraine stammt, auf die Anfänge zurück. Zu dieser Spendensammel-Aktion habe er zehn Kartons mitgebracht, allerdings mit wenig Hoffnung, diese füllen zu können. Letztlich bekamen sie an diesem Tag so viele Spenden, dass sie in einem Kaufhaus nach zusätzlichen Kartons fragen mussten – und diese dort geschenkt bekamen. Alle neun Frauen und Männer der ersten Stunde sind geblieben, sie gehören heute mit fünf weiteren Personen zum Kernteam der Hilfsorganisation. Hinzu kommen über 50 weitere regelmäßige Helfer – und Hunderte Menschen, die zusätzlich anpacken, wann immer es nötig ist. Hilfsgüter können direkt bei „Frankfurt for Ukraine“ jeden Freitag und Samstag zwischen 16 und 18 Uhr in der Fritz-Tarnow-Straße 27 abgegeben werden.