FAZ 14.01.2026
20:50 Uhr

Hilfe für Fußball-Manager: Insider-Tipp aus Hamburg hilft Werder


Als würde ein Tourist den Bremern die Stadtmusikanten erklären. Eine Wissenslücke des Werder-Managements wird von einem regelkundigen Fußballfan aufgeklärt – aus Hamburg.

Hilfe für Fußball-Manager: Insider-Tipp aus Hamburg hilft Werder

Die erste Bundesligawoche läuft, und vieles ist beim Alten geblieben: Im Süden können die Weißbiergläser am Marienplatz für die Meisterfeier poliert werden, im Südwesten schießen Stuttgart und Frankfurt viele Tore. Im Norden aber herrscht ungewöhnliches Chaos. In Hamburg fällt ein Spiel aus, weil ein Statiker drei Stunden vor Anpfiff feststellt: Das Tauwasser drückt zu sehr aufs frisch modernisierte Tribünendach. Der Manager des HSV ist schon seit über einer Woche im Winterwirbel verschwunden. Stefan Kuntz hat den Verein aus privaten Gründen verlassen. Das hieß es zumindest, bis bekannt wurde: Mitarbeiterinnen des HSV werfen ihm verbale sexuelle Belästigung vor. Kuntz weist die Vorwürfe zurück. Ein paar Kilometer westlich, in Bremen, bleibt keine Zeit, um sich mit dem großen Rivalen zu beschäftigen. Der SV Werder hat seine eigenen Sorgen: Vor Saisonbeginn hatte der klamme Traditionsklub sechs Spieler ge­liehen. Das war’s, dachten sich die ­Kaderplaner. Sie erklärten Anfang November öffentlich: Nichts geht mehr. Seitdem segelt Werder Richtung Abstiegsplätze. Doch dann, in der Not, meldeten sich die Spezialisten von Transfermarkt.de und gaben den Bremern einen Insider-Tipp: Ihr dürft doch noch einen Spieler leihen. Wenn Fußballfans Bundesligamanager über die Regeln aufklären, dann ist das in etwa so, als würden ein paar Angler am Fischmarkt dem Kapitän eines Kutters verraten, wo er die meisten Krabben fängt; oder ein japanischer Tourist, der wegen der Auslandsvermarktung der Bundesliga an der Weser gestrandet ist, erläutert Werder-Fans, wer die Stadtmusikanten sind. Clemens Fritz, Sportchef des Klubs, ärgert der Fall sehr, sagt er inzwischen; also nicht das Beispiel vom japanischen Touristen, sondern das „kommunikative Missverständnis, über das wir gestolpert sind“. Immerhin ist Werder nicht gestürzt über die Regellücke in der eigenen Wahrnehmung. Dem Klub ist, dank Aufklärung, ein neuer Stürmer ins Netz gegangen. Er heißt Jovan Milosevic, er ist geliehen. Obwohl Bremen mit dem siebten Leihspieler am Dienstag 0:3 in Dortmund verlor, muss Fritz, der frühere Verteidiger in Verteidigerlaune, ihm wohl nicht erklären, wie man das Tor trifft. Wenn es so weit ist, gilt der Dank auch dem in Hamburg sitzenden neuen Mitarbeiter transfermarkt.de. Der Gründer ist Werder-Fan.