FAZ 14.01.2026
19:17 Uhr

Hessische Staatsweingüter: Erstmals eine Frau an der Spitze des Landesweinguts


Strafferes Weinsortiment, Fokus auf Qualität: Die Hessischen Staatsweingüter haben mit Christine Müller eine neue Geschäftsführerin.

Hessische Staatsweingüter: Erstmals eine Frau an der Spitze des Landesweinguts

Die neue Geschäftsführerin der Hessischen Staatsweingüter, Christine Müller, hat zum Amtsantritt ambitionierte Ziele verkündet. Sie wolle die 2003 in eine GmbH umgewandelten Staatsweingüter in die „Familie der prägendsten Weingüter der Welt“ führen. Eine stringente Marken- und Sortimentsstrategie, die von den Gutsweinen über die Tropfen aus den zahlreichen Spitzenlagen bis zu den Schatzkammerweinen reiche, solle Profil und Orientierung schaffen, sagte die erste Frau an der Spitze der Staatsweingüter anlässlich eines Empfangs im Kloster Eberbach. Zentral für die neue Strategie sei die Einheit von Kloster und Weingut. Beide gehörten untrennbar zusammen. Die Verzahnung von Kultur, Geschichte und Spitzenwein soll gestärkt werden. Das Weingut solle wieder eine Vorreiterrolle im Weinbau übernehmen: „Wir wollen als Leuchtturm des hessischen Weinbaus wahrgenommen werden.“ Der Fokus liege auf einer konsequenten Konzentration auf Qualität und Herkunft. Der Lagenschatz der Staatsweingüter müsse erlebbar werden. Das Kloster soll Strahlkraft für die Region und darüber hinaus entfalten. „Jede Flasche Wein aus Kloster Eberbach soll ein flüssiger Botschafter für Hessen sein“, so Müller. Sie kündigte eine Verringerung der bewirtschafteten Rebfläche an, allerdings ohne Verkauf oder Verpachtung von Weinbergen. Sortiment wird gestrafft Für die nicht mehr benötigten Weinberge solle es eine „nachhaltige und verantwortbare Nachverwendung“ geben. Das Sortiment werde gestrafft, der Vertrieb auf Auslandsmärkte und Direktkunden neu ausgerichtet. Ein Element dazu sei die Wiedereröffnung der Klosterschänke in Eigenregie, die einen guten Start gehabt habe. In Weinberg und Weinkeller seien neue Impulse gesetzt worden, sagte Müller, ohne allerdings ins Detail zu gehen. Mit den Banken sei ein tragfähiges Finanzierungskonzept entwickelt worden. In den nächsten fünf Jahren gehe es um wirtschaftliche Stabilität, nachweislich ausgezeichnete Spitzenweine und eine Profilierung der Domänen des Staatsweingutes. Müller kündigte zudem einen „konsequenten Markenrelaunch mit deutlicher Hessenidentität“ an. Weinbauminister Ingmar Jung (CDU) lobte die neue Intensität der Zusammenarbeit des Weingutes und der 1998 gegründeten Klosterstiftung. Jung sitzt sowohl dem Aufsichtsrat der Staatsweingüter als auch dem Kuratorium der Klosterstiftung vor. Die neue Positionierung des Weingutes sei vor dem Hintergrund der Herausforderungen auf dem Weinmarkt „alternativlos“. Das Weingut soll sich zudem weiter der Ausbildung von Nachwuchs- und Fachkräften im Weinbau widmen.