FAZ 08.02.2026
12:02 Uhr

Herzblatt-Geschichten: Lieber einen heben


Wird Ricarda Lang Kolumnistin bei der Bild-Zeitung? Träumen Männer immer noch davon, Frauen auf Händen zu tragen? Und erfreuen sich Frauen eher an einer schönen Kreditkarte? Die Herzblatt-Geschichten.

Herzblatt-Geschichten: Lieber einen heben

Aus sicherer Entfernung verfolgen wir den aufopferungsvollen Kampf unserer Hauptstadtbevölkerung gegen eine Naturgewalt namens Winter. Man würde am liebsten mit einer Luftbrücke aus Streusalzbombern helfen, hätte nicht der NABU die Salzverstreuung gerichtlich untersagen lassen. Jene Naturschutzorganisation, der Salzlosigkeit noch heiliger ist als Karl Lauterbach, hieß ursprünglich mal Bund für Vogelschutz, was ihren Lobbyismus verständlicher macht: Vögel können übers Glatteis ja einfach drüberfliegen. Seinen Sitz hat der NABU übrigens in der Charitéstraße nahe der berühmten Klinik, was bei Verschwörungstheoretikern den Verdacht wecken könnte, dass beide eng zusammenarbeiten. Eine Verbündete hat der NABU verloren: Seine Klage sei „Wahnsinn“, hat die frühere Grünen-Chefin Ricarda Lang verlauten lassen, und „einfach ein Bärendienst für gesellschaftliche Mehrheiten für Naturschutz“ – man könnte sogar sagen: ein, haha, Eisbärendienst. „Ricarda LANGt’s“, überschreibt die „Bild“-Zeitung den Text über ihre Wortmeldung, was uns kurz einen Schrecken einjagt: Sollte es sich hier um den Titel der neuesten Wutkolumne des Springer-Verlags handeln, einer journalistischen Spielart, die uns hartnäckig völlig überraschungsfreien „Klartext“ vorsetzt? Doch noch scheint Lang nicht übergelaufen zu sein, „Ricarda LANGt’s“ war ein einmaliger, äh, Ausrutscher. Hoffentlich bleiben auch ihre Parteifreunde standfest: Kolumnen namens „Claudia sieht ROTh“ oder „Da HABECK die Schnauze voll“ würden wir ebenfalls ungern lesen wollen. Fehler-Radar-Fehler-Radar Übrigens, „Bild“-Zeitung. In Deinem „Fehler-Radar“ schreibst Du diese Woche: „Im Artikel Skifahrerin Lindsey Vonn hatten sich gleich mehrere Tippfehler eingeschlichen“ – und kann es sein, dass sich da gleich wieder ein „über“ davongeschlichen hat? Korrigiert hast Du diesen neuerlichen Fehler nicht, aber eine Rubrik namens „Fehler-Radar-Fehler-Radar“ gibt es bei Dir ja auch noch nicht. Gespannt werden wir abwarten, ob sich demnächst auch „Bunte“ korrigiert. Margot Robbie, lesen wir, habe zuletzt jenes 7,4 Millionen Euro teure Taj-Mahal-Collier von Cartier getragen, das einst ihrer Schauspielkollegin Elizabeth Taylor gehört habe: „Taylor bekam das Collier von Richard Burton († 1984) zum 40. Geburtstag geschenkt und trägt eine Inschrift in Parsi: ,Liebe ist ewig‘.“ Bist Du Dir sicher, „Bunte“, dass Liz Taylor eine solche Inschrift trägt – und diese auch heute noch gut zu lesen ist? In Deutschland noch populärer als das Paar Taylor/Burton waren die Eiskunstläufer Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler, welcher im gemeinsamen „Bunte“-Interview behauptet: „Ich habe den Männertraum gelebt: eine schöne Frau auf Händen zu tragen. Das kriegen die wenigsten hin.“ Selbst sein eigener Rücken, räumt Bäumler ein, sei „für die Hebefiguren gar nicht gemacht“ gewesen. Wir denken ja, dass den erwähnten Traum tatsächlich gar nicht mehr so viele Männer teilen, unter denen hat sich doch eine gewisse Bequemlichkeit breitgemacht. Nicht wenige dürften heute lieber einen heben, statt eine zu heben. Zack, bezahlt Die Geschlechterbeziehungen genau unter die Lupe nimmt „Neue Post“ mithilfe von Paparazzi-Bildern, auf denen Boris Becker einen Kinderwagen durch Mailand schiebt und mit seiner Frau Lilian ein Schuhgeschäft betritt. „An der Kasse greift sie schließlich zur Karte. Zack, bezahlt – und weiter geht’s. Spätestens da muss man schmunzeln. Diese Rollenverteilung hat Charme“, schreibt „Neue Post“ – und es ist ja auch wirklich kurios, dass Frauen eigene Kreditkarten haben. Wobei beim Ehepaar Becker noch ein Aspekt hinzukommt: „Gerade weil Boris in Gelddingen nicht immer das glücklichste Händchen hatte, wirkt Lilian in dieser Szene um so souveräner. Die erfolgreiche Risikoanalystin strahlt Sicherheit aus, sie weiß, was sie tut.“ Das hätten wir gern mitangesehen, wie sicher und souverän sie ihre Karte ans Lesegerät hält. Ihrem Gatten wäre das Ding glatt aus seinem unglücklichen Händchen gefallen. „Das Bild von älteren Frauen im Film ist trostlos. Entweder sind die im Rollstuhl oder an der Krücke. Das mag ich nicht“, ärgert sich derweil Gaby Dohm in „Bunte“. Mit ihren 82 Jahren, lesen wir, spielt sie „nur noch kleine, feine Rollen – zum reinen Vergnügen. Aktuell ist sie im Kino in der Komödie ,Extrawurst‘ zu sehen.“ Und zwar in einer Rolle, in der sie, nun ja, im Rollstuhl sitzt. Gute Nachrichten gibt’s zur Abwechslung mal für Victoria Beckham. „Das französische Kulturministerium verlieh ihr den Orden der Kunst und der Briefe. Eine Anerkennung für ihr Schaffen im künstlerischen Bereich“, schreibt „Frau mit Herz“, und wir fragen uns: Moment, was für einen Orden? Nun, es handelt sich um den „Ordre des Arts et des Lettres“, den man auf Deutsch gemeinhin als Orden der Künste und der Literatur kennt. Dass „Frau mit Herz“ die „Lettres“ gar nicht falsch als „Briefe“ übersetzt, passt dann auch schon. Literatur nämlich hat Beckham bislang keine erschaffen, aber den einen oder anderen Brief hat sie sicher schon geschrieben.