Es ist tiefe Nacht in Wolfsburg, nur in einem Redaktionsbüro des Klatschblatts „Freizeit heute“ brennt noch Licht. Die Flasche Eierlikör, ohne die hier keine Ausgabe zu entstehen pflegt, ist halb ausgetrunken, und die einsame Redakteurin versinkt in einem Meer aus Tränen. Was hatte sie einst für Träume gehabt, wollte Schriftstellerin werden und sich spektakuläre Stories ausdenken, und nun sitzt sie wieder hier und muss irgendeinen Quatsch über Prinzessin Kate schreiben. Noch ein Schluck, ein Seufzer, sie setzt die Finger auf die Tasten. „Das Schloss liegt im Dunkeln. Es ist tiefe Nacht, alle sind längst schlafen gegangen. Prinzessin Kate (43) zieht den seidenen Morgenmantel enger um ihren schmalen Körper. Sie fröstelt.“ Schon mal nicht schlecht, ein mattes Lächeln legt sich aufs Gesicht der Redakteurin; irgendwie ist sie ja doch eine Art Literatin geworden. Und so entsteht die Story über eine „Erinnerungskapsel“, in der Kate – offiziell vom Krebs geheilt, aber egal – süße Botschaften für ihre Lieben verbirgt. „Doch sie muss abbrechen, versinkt in einem Meer aus Tränen“, die Redakteurin nimmt den nächsten Schluck, Kate greift „ihr Taschentuch mit den eingestickten Initialen und tropft die Tränen vorsichtig trocken. Die Tinte soll nicht verlaufen.“ Liebesflaute bei Collien Fernandes Der Eierlikör lässt die letzten Dämme brechen, vom royalen Schreibtisch begleitet die Redakteurin Kate nun ins Bett. „Sie kehrt zurück ins eheliche Schlafzimmer. Löscht die Kerze. Hört den ruhigen Atem ihres Mannes William.“ Jetzt noch den Abschluss finden. „Kate liegt noch lange wach in dieser Winternacht . . .“ Die Redakteurin hingegen ist jetzt weggedämmert, und als sie anderntags erwacht, stellt sie fest, dass sie mit der eierlikörverklebten Tastatur die neue Titelstory ihres Heftes erschaffen hat: „Prinzessin Kate – Das Testament der Tränen! ,Liebe Kinder, geliebter Mann, wenn ihr das hier lest . . .‘“ Eine poetische Ader muss man auch Cora Schumacher bescheinigen, die ihre frische Liaison mit einem „kernigen, attraktiven Amerikaner“ („Bunte“) auf Instagram wie folgt beschreibt: „Er ist die Bibel neben meinem Bett, das T-Shirt, das ich trage, das Lied, das mir nicht aus dem Kopf geht.“ Das Bild, das uns nicht aus dem Kopf geht, ist das mit der Bibel, das in unseren glaubensfernen Zeiten ungewöhnlich ist; bei den meisten Frauen wäre „Er ist die Bibel neben meinem Bett“ ja gleichbedeutend mit „Den würde ich niemals anfassen“. Apropos anfassen: „Traurige Liebesflaute“ herrscht laut „Freizeitwoche“ bei Collien Fernandes, jedenfalls in ihrer Rolle als „Traumschiff“-Ärztin. „,Ist meine Rolle asexuell?‘, fragt sie mit einem Augenzwinkern“, müssen wir lesen. Doch es gibt Hoffnung: „Und siehe da – ihre charmante Beschwerde zeigt Wirkung. In einer neuen Folge im Jahr 2026 darf Dr. Delgado immerhin erstmals einen Mann an der Schulter berühren.“ Das dann aber hoffentlich nicht mit dem Satz: „Tut es Ihnen hier weh?“ Wenn es für Dr. Delgado so stürmisch weitergeht, dann hat sie sich nach drei weiteren „Traumschiff“-Folgen womöglich bis zu des Mannes Wade vorgetastet. Ist sie die Einzige in München unter 50? Dass beruflich bedingte Enthaltsamkeit jemanden nicht unattraktiv machen muss, belegt „Das Neue“ mit der Nachricht, dass die „Vogue“ zu den „bestgekleideten Stars des Jahres“ neben Jennifer Lawrence und Rihanna auch den Papst zählt: „Denn Leo XIV. setzt im Gegensatz zu seinem Vorgänger auf opulente Roben.“ Wie üblich bei prominenten Influencern dürfte dann auch nach jedem Auftritt Leos dessen aktuelle Garderobe in den Onlineshops ausverkauft sein, weil sich die Follower mit den neuesten Soutanen und Scheitelkäppchen eindecken. Modeexperte Guido Maria Kretschmer weiß, dass gutes Design auch die Beziehung beleben kann. „Frau aktuell“ zitiert ihn mit den Sätzen: „Man kann seinen Partner wunderbar eindekorieren. Wenn man ihn nicht mehr sehen kann, würde ich ihm eine hübsche Decke umlegen, ihn vor den Kamin setzen, ihm einen Katalog in die Hand drücken – dann sieht er schon mal besser aus.“ Hat man sich daran auch wieder sattgesehen, stellt man den Partner mit Brillenbügel im Mund vors Bücherregal oder setzt ihn mit dem Handtuch über den Schultern auf die Hantelbank. Auch pittoresk. Eine noch junge Beziehung eingegangen ist die kanadische Choreographin Emma Portner, 31, mit dem Bayerischen Staatsballett, worüber sie mit „Bunte“ gesprochen hat. „Ihr ,emotionales System‘ unterscheide sich von dem ihrer Kollegen, wohl, weil sie eine Frau sei, ,ich würde niemals herumschreien‘, sagt sie.“ Heißt das, Bayerns Ballettmänner sind ständig am Schreien? Einmal nennt „Bunte“ den Neuzugang versehentlich „Emma Partner“, aber ob ihre Partnerschaft mit dem Staatsballett lange halten wird? „In München sei sie die einzige unter 50“, habe Portner verwundert festgestellt, lesen wir weiter – und spricht sie da immer noch vom Ballett oder von ganz München? Wir haben ja gewusst, dass die Stadt recht gesetzt ist, hätten aber gedacht, dass zumindest die Spieler des FC Bayern noch allesamt unter 50 sind – mit Ausnahme natürlich von Manuel Neuer.
