FAZ 31.12.2025
15:59 Uhr

Hersteller aus Eltville: Sektmanufaktur Vaux richtet sich im Schloss ein


Die Burg Crass in Eltville wird 2026 zum Sektschlösschen umgestaltet. Für ihre Produktion sucht die traditionsreiche Sektmanufaktur Vaux aber noch einen neuen Standort.

Hersteller aus Eltville: Sektmanufaktur Vaux richtet sich im Schloss ein

In der langen Geschichte der Burg Crass am Rhein wird mit dem Jahreswechsel ein neues Kapitel aufgeschlagen. Der schon im 11. Jahrhundert erbaute Freyhof am Eltviller Rheinufer wird zum Sektschlösschen. Die Sektmanufaktur Schloss Vaux, die seit 30 Jahren mit dem Ensemble eng verbunden ist, übernimmt nach dem Ende des am Silvestertag auslaufenden Pachtvertrags das Ensemble in eigene Regie. Damit schließt sich ein Kreis, denn eine Investorengemeinschaft aus Schloss Vaux und dem Gastronomen Hubert Allert hatte Ende 1995 von der Stadt Eltville den Zuschlag bei der Erbbaurechtsvergabe erhalten. Die Burg wurde danach drei Jahre lang für – ungeplant – mehr als 3,5 Millionen Euro zu einem Sekt- und Weinrestaurant mit Vinothek, Rheinterrasse, Veranstaltungsräumen und einigen Gästezimmern umgebaut. Zeitweise war die Burg danach ein romantischer Trauort der Stadt. Bei der Untersuchung der Bausubstanz hatte sich gezeigt, dass der einstige Freihof schon um das Jahr 1067 errichtet worden war. Damit wäre die Burg das nachweislich älteste Gebäude der Stadt und eines der ältesten im Rheingau. Finanziert wurde der Umbau, einschließlich der Restaurierung eines Dachstuhls aus dem 14. Jahrhundert, von 60 Gesellschaftern, die zum Teil Aktionäre von Schloss Vaux waren. Das Land hatte 350.000 Euro beigesteuert. Hotelzimmer werden zu Büros 1999 eröffnete Allert die „Hostellerie Schloss Vaux“. Sechs Jahre später folgte der erste von mehreren Wechseln des Betreibers. Zuletzt war die Burg mit ihrem idyllischen Platanengarten vornehmlich für Veranstaltungsgastronomie genutzt worden. Inzwischen wurden die komplexen Eigentumsverhältnisse bereinigt und neu geordnet. Schloss Vaux beginnt in Kürze mit Umbau und Sanierung. Die sechs Hotelzimmer werden zu Büros für die Administration der Sektmanufaktur umgebaut, die ihren Sitz vom imposanten Backsteingebäude an der Kiedricher Straße an den Rhein verlegt. Das Konzept für die neue Nutzung der Burg ist über viele Jahre gereift. Schloss Vaux sieht seine Rolle dort weder als Veranstalterin von Hochzeiten oder Geburtstagen noch als Hotelier und Gastronom. Die in der Vergangenheit für das Restaurant genutzten Räume werden zu einer großzügigen Schaumwein-Vinothek und zu Salons für kulinarische Sekt-Verkostungen umgebaut. „Die Burg muss eine Seele bekommen“, sagt Christoph Graf, seit mehr als zwölf Jahren im Unternehmen und seit 2022 Vorstand: „Gastronomie ist aber nicht unser Geschäft.“ Eines der Gewölbe in der Burg wird zur Schau-„Sektmacherei“, in der Besucher das Handwerk der Schaumweinproduktion live erleben können. Ein zweites Gewölbe soll als Schatzkammer fungieren. Die Remise an der Nordseite der Burg wird zum Flaschen- und Auslieferungslager. Auch ohne Gastronomie will die Burg ein gastlicher Ort sein. Es wird einen Sektausschank geben, der den Platanengarten einbezieht. Zum Vaux-Sekt wird es zudem kleine Speisen geben, die mit überschaubarem Aufwand serviert oder ausgegeben werden können. „Etwas zum Schnabulieren im Brasserie-Stil“, sagt Graf zum Konzept. Die Übernahme der Burg in Eigenregie kommt insofern nicht überraschend, als Schloss Vaux die Standortfrage immer wieder thematisiert hat. 2022 wurde am gegenwärtigen Standort erstmals die Kapazitätsgrenze erreicht. Schon jetzt gibt es bei Bad Kreuznach ein 650 Quadratmeter großes Außenlager. Das bedeutet allerdings einen hohen logistischen Aufwand. „Wir wollen im Rheingau bleiben“, sagt Graf zur Standortsuche. Suche nach neuem Produktionsstandort Eine Aufgabe des bisherigen Unternehmenssitzes kommt aber erst in Betracht, wenn der Umzug an den Rhein vollzogen ist und wenn für die Produktion im Rheingau ein rund 2500 Quadratmeter großer Standort gefunden ist, auf dem ein funktionales Gebäude errichtet werden kann. Vorzugsweise nicht zu weit von der Burg Crass entfernt. Dort soll im September die Eröffnung gefeiert werden. Womöglich gibt es vorher aber schon erste Veranstaltungen des Rheingau Musik Festivals und eine Pop-up-Gastronomie im Garten. Über die Konzepte dafür macht sich der neue Betriebsleiter der Burg, Florian Richter, Gedanken. Der über die Grenzen des Rheingaus hinaus bekannte Sommelier ist inzwischen fest zum Team von Schloss Vaux gestoßen. Richter, der zudem einen kleinen Weinhandel aufgebaut hat, wird aus seinem Sortiment jene Gäste bedienen, die einen stillen Wein dem prickelnden Sekt vorziehen. Wirtschaftlich will die als nachhaltig zertifizierte Sektmanufaktur Schloss Vaux ihre Stellung als Erzeuger für gehobene Ansprüche festigen und die Internationalisierung des Vertriebs bis nach Afrika vorantreiben. Dazu wurden mit der Reihe „l'artiste“ zwei neue, hochwertige Sekte ins Sortiment genommen. Zum Renner im Sortiment gehört das alkoholfreie Getränk „Träublein“, das Graf als „Türöffner für Neukunden“ der Sektmanufaktur sieht. Nicht ganz so erfolgreich hat sich der stark alkoholreduzierte Sekt „Nouveau“ erwiesen. Die Erfahrung hat Graf gezeigt: Die Konsumenten wollen beim Alkohol entweder ganz oder gar nicht.