Etwas bedauerlich ist es, dass die Bahnhofshalle in Höchst seit Donnerstagnachmittag um ziemlich genau 13 Uhr, wie am Vortag angekündigt, wieder geöffnet ist. In den zurückliegenden acht Tagen der Sperrung des Empfangsgebäudes, in dem wegen herabfallender Teile des Deckenputzes ein Schutzgerüst errichtet wurde, mussten Fahrgäste am zweitgrößten Frankfurter Umsteigebahnhof schließlich einen rund zehn Minuten dauernden Umweg in Kauf nehmen, wenn sie auf den eingerichteten Pendelbus vom Nordeingang zum Bahnhofsvorplatz verzichtet haben. Entsprechend belebt war die sonst menschenleere Bruno-Asch-Anlage neben dem Bahnhofsgebäude, und auch die Königsteiner Straße unter den Zuggleisen wie auch die Höchster Bahnstraße waren entsprechend stark frequentiert. Dies förderte in den Abendstunden durchaus das Sicherheitsempfinden rund um den Bahnhof. Entschädigungszahlung beantragt Im Gegenzug war bei Marco Benincasa deutlich weniger los. Seit 25 Jahren betreibt sein Vater ein beliebtes Geschäft in der Bahnhofshalle, das vor allem von Zugfahrgästen frequentiert wird. „Wir hatten bestimmt 60 bis 70 Prozent weniger Umsatz an den vergangenen Tagen“, sagt Benincasa. Genau weiß er es nicht. „Ich habe lieber nicht nachgezählt, ich will nicht in Depressionen verfallen.“ Die Benincasas hatten freilich noch Glück: Ihre Espressobar mit angeschlossenem kleinen Feinkostladen ist durch eine Tür auch vom Bahnhofsvorplatz aus zu betreten, so kamen immerhin die Stammgäste. „Sonst hätten wir unsere ganze Wurst und viel Käse wegwerfen können“, sagt er. Genau so erging es Reena Kakkar und ihrem Mann, die einen Brezelstand betreiben. Sie mussten verderbliche Ware vernichten. „Das ist bitter“, sagt Kakkar, der immerhin auf die zugesagte Entschädigung seitens der Bahn hofft, deren Mieter sie wie auch die Benincasas, der Buchladen oder der Kiosk sind. „Den Antrag habe ich heute morgen eingereicht.“ Immerhin habe die Bahn recht schnell dafür gesorgt, dass die Bahnhofshalle wieder zu betreten sei. Das Gerüst ist derart komplex aufgebaut und zudem bis zu einer Höhe von bis rund drei Metern mit Metallwänden abgesperrt, dass die Halle einem Irrgarten gleicht. „Wenn einer betrunken hier reinkommt, kann er sich verlaufen“, sagt Benincasa im Scherz. Immerhin sind die Durchgänge so breit, dass der Weg zum Zug selbst mit Kinderwagen gut befahrbar ist. Die Bahn will nun prüfen, wie sie die Mängel im Dach des Gebäudes, das von Tauben in Beschlag genommen sein soll, beheben will. Das Gerüst dürfte vermutlich für viele Monate oder gar Jahre die Bahnhofshalle prägen.
