FAZ 13.02.2026
15:23 Uhr

Helm-Streit bei Olympia: Der DOSB wählt den Gleichschritt


Im Streit zwischen dem ukrainischen Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch und dem IOC empfiehlt der DOSB Regeltreue. Will er die Bewerbung um Sommerspiele nicht gefährden?

Helm-Streit bei Olympia: Der DOSB wählt den Gleichschritt

Klarer Fall für Thomas Weikert, den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): „Wenn man nach Regeln kämpft und spielt, dann muss man sich auch an die Regeln (...) halten. Deshalb würde ich ihm empfehlen, diese Regel nicht zu brechen.“ Weikert war nach dem Startverbot für Wladyslaw Heraskewytsch gefragt worden. Der Ukrainer hatte mit seinem Helm und den darauf abgebildeten, von Russland umgebrachten Sportlern, das Internationale Olympische Komitee (IOC) dazu gebracht, den Weltbob- und Skeletonverband IBSF einen Ausschluss aussprechen zu lassen. Es entschied sich aber, Heraskewytsch nicht die Tür zu weisen. Er darf bleiben, als akkreditierter Zuschauer. Ja, das Beziehungsgeflecht der olympischen Welt gleicht einem Dschungel mit allerlei Gefahren. Wo doch nicht einmal klar ist, gegen welche der vom IOC vorgetragenen Regeln Heraskewytsch nun verstoßen hat. Aber, so ist der Rat des Juristen Weikert wohl zu verstehen: Vorsichtig, Sportsfreund! Die Athleten haben den besseren Blick als die Funktionäre Oder ist es ein Selbstgespräch? Treiben Folgsamkeit und demonstrativ zum Ausdruck gebrachte Treue gegenüber den Regeln (Welche? Na, alle!) den Frontmann des deutschen Sports? Will da einer die deutsche Olympiabewerbung nicht in Gefahr bringen, über die ja, wenigstens für 2036, unter Kirsty Coventrys Regentschaft entscheiden würde? Gegenüber dem IOC gilt beim DOSB längst: Parole Gleichschritt. Und: Kopf einziehen. Bei Athleten Deutschland e. V. haben sie einen besseren Blick. Heraskewytsch habe vorgehabt, „friedlich und respektvoll“ an gefallene Sportlerinnen und Sportler zu erinnern: „Eine Disqualifikation ist dafür nicht gerechtfertigt, zumal das Störungsausmaß, wenn überhaupt, sehr gering gewesen wäre“, heißt es von der vom Bund auf Beschluss des Bundestags geförderten Athletenvereinigung. Der DOSB mag bei seiner Linie bleiben und glauben, damit beim IOC gewinnen zu können. Allerdings sollten Weikert und Co. darauf achten, mit welchem Weltbild Frau Coventry Olympische Spiele aufzieht. Dass das IOC und die Olympischen Spiele von 1936 keinen Beitrag zur Propaganda der Nationalsozialisten geleistet haben, sie ebenso wenig Wladimir Putin 2014 beim Winterfestival an seiner Sommerresidenz in Sotschi in die Karten spielten, ist eine Sicht, die in ihrer Geschichtsvergessenheit und Verantwortungslosigkeit nicht satisfaktionsfähig ist.