Uwe Loth warnt. „Bloß kein neuer Streit“, sagt der Landesinnungsmeister des hessischen Fachverbandes Sanitär-, Heizung und Klimatechnik angesichts der Verunsicherung bei Immobilienbesitzern und des Rückgangs von Aufträgen, die damit einhergehen. Noch immer ist unklar, wie es mit dem Heizungsgesetz weitergeht. Das schwarz-rote Bündnis will es noch einmal anfassen und berät am Donnerstagabend darüber im Koalitionsausschuss. Diskutiert werden mögliche Einschnitte bei der staatlichen Förderung und die Frage, wie stark welche Heizungsarten im Zuge der 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien eingeschränkt werden sollen, oder ob es mehr Wahlfreiheit bei Hybridlösungen gibt. Bisher gilt die Vorgabe, dass neue Heizungen nur eingebaut werden dürfen, wenn sie zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Geplant sind umfassende Übergangsregeln. Loth und auch der Verbandsgeschäftsführer Björn Hendrischke warnen davor, das Gebäudeenergiegesetz (GEG) abermals infrage zu stellen, auch wenn es nicht perfekt sei. Dann andernfalls werde wieder wertvolle Zeit verspielt, um den Gebäudebestand zu modernisieren. Das Handwerk habe Kapazitäten aufgebaut und Mitarbeiter geschult. „In vielen Betrieben ist es aber leider so, dass die Aufträge auf Eis liegen“, sagt Hendrischke. Absatz von Öl- und Gasheizungen eingebrochen Der Absatz von Öl- und Gasheizungen ist nach Angaben des Landungsinnungsmeisters Loth, der selbst einen Betrieb in Vellmar im Landkreis Kassel führt, komplett eingebrochen. Er führt dies auf die zu erwartenden Preissteigerungen bei fossilen Brennstoffen zurück. Im nächsten Jahr erhöht sich die CO2-Abgabe von bisher 55 auf bis zu 65 Euro je Tonne. 2028, wenn die neue Stufe des EU-Emissionshandels in Kraft tritt und Angebot und Nachfrage die Preise bestimmen, werden fossile Brennstoffe wie Öl und Gas noch teurer. Diese Aussicht wirkt sich unterschiedlich auf die Nachfrage aus. Die Edenhauser GmbH aus Frankfurt etwa baut immer noch vorwiegend Öl- und Gasheizungen ein. „Viele Privathaushalte wollen noch schnell eine neue Ölheizung, solange sie noch dürfen“, sagt Geschäftsführer Hermann Edenhauser. Wärmepumpen machen in seinem Betrieb nur 30 Prozent der Neuinstallationen aus. Viele Altbauten seien nur bedingt für den Betrieb geeignet, sagt Hermann. Und: „Mit der Wärmepumpe allein ist es ja nicht getan, dann wird noch ein hydraulischer Abgleich benötigt sowie teilweise neue Heizkörper, die Dämmung und Fenster.“ Auch bei der Schrörs Heizungs-, Sanitär und Solarinstallations GmbH in Eltville spielen Gas- und Ölheizungen weiterhin eine Rolle, vor allem dann, wenn die Heizung ausfällt und schnell Ersatz gebraucht wird. Der Trend gehe jedoch eindeutig hin zu Wärmepumpen, sagt Geschäftsführer Volker Schrörs. Vor allem im ländlichen Raum. Er habe Aufträge bis ins nächste Jahr. Jede zweite Heizung, die er einbaut oder austauscht, ist eine Wärmepumpe. Schrörs, der auch Obermeister der Innung Wiesbaden und Rheingau-Taunus ist, verweist auf die Möglichkeit, auf Hybrid umzustellen und die fossile Anlage mit einer Wärmepumpe zu ergänzen. „Der verunsicherte Kunde ist ein Riesenproblem“ Der Heizungsbauer aus Eltville hat Aufträge bis ins nächste Jahr. Er arbeite täglich an Anlagen und erstelle neue Angebote. Gleichwohl überlegten Kunden, ob es im nächsten Jahr noch die Förderung gebe und ob die Anträge noch in diesem Jahr gestellt werden müssten, sagt er. Es gebe derzeit keine Planungssicherheit, moniert der Wiesbadener Innungsmeister. „Der verunsicherte Kunde ist im Handwerk ein Riesenproblem“, stellt Stefan Zienert, Geschäftsführer der Zienert GmbH in Sinn im Lahn-Dill-Kreis, fest. Seine 60 Mitarbeiter arbeiten im Moment noch die Aufträge ab, die Anfang des Jahres erteilt wurden. Da waren noch viele Anfragen für neue Öl- und Gaskessel dabei, wie er sagt. Viele Hausbesitzer seien offenbar davon ausgegangen, dass die Vorschriften gelockert werden. „Nachdem die politische Diskussion wieder aufgeflammt ist, spüren wir jedoch eine riesengroße Zurückhaltung“, sagt Zienert. Der Einbau von Öl- und Gasheizungen sei inzwischen „beinahe komplett zum Erliegen“ gekommen. Der Unternehmer berichtet von einer aktuell schwierigen Auftragslage. „Das kommende Frühjahr wird für mich und auch die gesamte Branche aufgrund des Auftragsmangels eine schwierige Zeit.“ 14 Prozent weniger Heizungen eingebaut Uwe Loth und Verbandsgeschäftsführer Björn Hendrischke plädieren im Gespräch mit der F.A.Z. für die Fortsetzung des eingeschlagenen Weges beim Gebäudeenergiegesetz. „Wir benötigen eine klare Bestätigung, weg von fossilen Heizungen hin zur Wärmepumpe“, sagt Loth. Der Absatz von Wärmepumpen sei in diesem Jahr zwar gestiegen – aber weniger stark als erhofft. Innungsmeister Loth warnt vor einer Reduzierung der Förderung, denn dann würde auch die Nachfrage sinken. Hausbesitzer seien verunsichert, die Auftragslage sei kritisch. „Die Zahlen zeigen eindeutig, dass wir bis einschließlich Oktober deutschlandweit lediglich 529.000 Wärmeerzeuger ausgeliefert haben.“ Das ist nach Auskunft des Geschäftsführers ein Minus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bei diesen Zahlen handelt es sich um Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), der bereits im vergangenen Jahr von einem stark rückläufigen Absatz bei Heizungen berichtet hatte. „Wir merken das dann auch im Handwerk“, sagt Hendrischke, der davon ausgeht, dass die hessischen Zahlen dem bundesweiten Trend entsprechen. Mit Spannung dürften die Branchenvertreter das Ergebnis der Verhandlungen im Koalitionsausschuss am Donnerstag in Berlin erwarten. Über die Ergebnisse der bisherigen Gespräche äußern sie sich enttäuscht. „Es ist ein Problem, dass man nicht weiß, was kommen könnte“, moniert Loth. Er befürchtet, dass der „Schlingerkurs“ im nächsten Jahr fortgesetzt wird. Dem hessischen Fachverband, der seinen Sitz in Gießen hat, sind 25 Innungen und damit etwa 1500 Unternehmen aus der Branche angeschlossen. Dazu gehören neben den Installateur- und Heizungsbauern auch Ofenbauer, Klempner und Spengler sowie Apparatebauer. „Die Zukunft der Gebäudebeheizung in Deutschland wird ganz klar elektrifiziert sein“, ist Loth überzeugt. Weil viele Bürger derzeit beim Einbau einer neuen Heizung zögerten, gebe es für die Kunden, die schon entschlossen seien, kaum noch Wartezeiten. „Das geht flott. Wenn jetzt ein Kunde zu mir sagt, dass er gerne noch vor Weihnachten eine Wärmepumpe haben möchte, lässt sich das in der Regel noch umsetzen“, sagt Loth.
