FAZ 01.08.2026
02:23 Uhr

„Hat zu Spaltungen geführt“: FIFA gibt umstrittene Investorenpläne auf


Der massive Widerstand zeigt Wirkung: Der Fußball-Weltverband FIFA stoppt seine Pläne zum Verkauf von WM-Anteilen an Investoren. Man werde den Vorschlag nicht weiter verfolgen, sagt Gianni Infantino.

„Hat zu Spaltungen geführt“: FIFA gibt umstrittene Investorenpläne auf

Der Fußball-Weltverband FIFA gibt seine umstrittenen Investorenpläne auf. Der Vorschlag werde nicht weiterverfolgt, erklärte Verbandspräsident Gianni Infantino in einer in der Nacht veröffentlichten Stellungnahme. „Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die – unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung – nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen“, begründete Infantino seine abrupte Kehrtwende. Die Pläne der FIFA um den mächtigen Präsidenten Infantino hatten vorgesehen, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte etwa an der Weltmeisterschaft eine Milliardensumme einzuspielen. Für die Umsetzung wollte die FIFA das Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) gründen. Laut Berichten setzte der Weltverband eine Frist für die Zustimmung zum geplanten Investorendeal bis zum 19. September und versprach im Gegenzug eine Sonderzahlung. All das ist nun vom Tisch. Infantino erklärte weiter, Ziel der FIFA sei es, stets zu vereinen und zu verbessern. „Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt.“ Es sei seine Absicht, alle interessierten Parteien in den kommenden Tagen und Wochen „im Geiste des gemeinsamen Interesses an unserem Sport wieder zusammenzubringen, mit dem Ziel, den Fußball überall weiter voranzubringen, insbesondere in jenen Ländern, die unsere Unterstützung am dringendsten benötigen“. UEFA drohte mit WM-Boykott Die FIFA beugte sich damit dem Druck, der in den vergangenen Tagen immer größer geworden war. So hatte die europäische UEFA nicht nur die Pläne heftig kritisiert, sondern sogar mit einem WM-Boykott gedroht. „Keine Nationalmannschaften aus der UEFA werden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen“, teilte die UEFA nach einem Dringlichkeitstreffen mit. „Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet“, schrieb die Europäische Fußball-Union. Auch die für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Concacaf und der asiatische Fußballdachverband AFC gingen deutlich auf Distanz zu Infantino und seinen Plänen. Der südamerikanische Fußballverband Conmebol bezog dagegen zunächst keine inhaltliche Position. Stattdessen kündigte der Kontinentalverband an, die Pläne weiter zu prüfen und forderte zusätzliche Informationen von der FIFA an. Hochrangiger Infantino-Berater zurückgetreten Zudem bröckelte auch innerhalb der FIFA die Unterstützung für Boss Infantino. FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour warf Infantino vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben. Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater des 56-Jährigen, trat aus Protest gegen die Pläne zurück. Auf LinkedIn schrieb er, er könne als früherer Banker und lebenslanger Fußball-Fan „nicht tatenlos zusehen, wie die FIFA den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht“. Mit seiner Kehrtwende könnte es für Infantino nun schwierig werden, sich an der Spitze des Fußball-Weltverbandes zu halten. So sprach sich der britische Premierminister Andy Burnham nach Bekanntwerden der Pläne bereits offen für die Ablösung Infantinos aus. Der Schweizer sei „der falsche Mann“ an der Spitze des Weltverbandes, sagte der neue Regierungschef. UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister sagte bei Sky News, die weltweite Einigkeit gegen die Vorschläge sende der FIFA ein klares Signal, was Spielern, Fans, Vereinen und Funktionären in Zukunft wichtig sei. „Ich hoffe, dass dies für den Präsidenten und die FIFA ein Weckruf ist, damit sie diese Aufgaben weitaus ernster nehmen, als sie es offenbar bisher getan haben.“