FAZ 08.05.2026
20:40 Uhr

Hantavirus: Schiffs-Ankunft auf Teneriffa wird vorbereitet


Das vom Hantavirus betroffene Schiff steuert Teneriffa an. Die gute Nachricht: Derzeit hat niemand an Bord Symptome. Die schlechte Nachricht: Entwarnung ist erst nach acht Wochen möglich.

Hantavirus: Schiffs-Ankunft auf Teneriffa wird vorbereitet

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ bereiten internationale Fachleute die Ankunft der Passagiere und Besatzung auf Teneriffa vor. Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der EU-Gesundheitsagentur ECDC und medizinisches Personal aus den Niederlanden seien an Bord, sagte eine WHO-Sprecherin in Genf. Derzeit zeige niemand auf der „Hondius“ Symptome, sagte Anaïs Legand, eine WHO-Expertin für Viruserkrankungen, in einem Online-Briefing. Der Gesundheitszustand der Gäste und Crew werde beobachtet, und die Infektionskette werde nachverfolgt. Diese Informationen würden dann den Behörden nach Ankunft auf der spanischen Kanareninsel Teneriffa zur Verfügung gestellt. Die WHO sprach wie auch schon am Vortag von insgesamt acht Hantavirus-Fällen, von denen einige bestätigt und einige Verdachtsfälle seien. Von den acht sind bislang drei Personen gestorben. Bei den Toten handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden sowie eine Frau aus Deutschland. Eine genaue und aktuelle Aufschlüsselung der Zahlen könnte laut WHO am späten Freitagabend vorliegen. Entwarnung erst nach acht Wochen möglich In Deutschland wird in der Uniklinik Düsseldorf (UKD) eine Passagierin untersucht, die neben zwei kranken Crew-Mitgliedern ausgeflogen worden war. Die Ärzte geben keine Entwarnung. „Wir können nicht sagen, ob sie nicht infiziert ist. Wir haben keine Viren nachgewiesen“, sagte der UKD-Bereichsleiter Tropenmedizin, Oberarzt Professor Dr. Torsten Feldt. Man könne nur sagen, dass die Kontaktperson derzeitig keine aktive Infektion habe. Jederzeit in der Inkubationszeit könnten Symptome auftreten mit einer hohen Virusausscheidung und dann einer Infektionsgefahr. „Nach 8 Wochen könnte man Entwarnung geben.“ Erst einmal sei es erfreulich, dass der klinische Zustand weiter gut und stabil sei. Es gebe bisher keinen Hinweis auf eine Infektion. Wie lange die Person in der Uniklinik noch bleiben müsse, könne man nicht sagen. Sie befinde sich in Quarantäne, erklärte er. Die genaue Dauer der Quarantäne werde von den lokalen Behörden festgelegt. „Als Anhaltspunkt kann man 40, 45 Tage nennen.“ Eine Verlegung der Person in die Wohnort-Region sei möglich und werde auch angestrebt. Zum Heimatort machte das UKD keine Angaben. UKD könnte weitere Patienten aufnehmen Laut niederländischen Behörden handelt es sich um eine 65-jährige Frau. Auf die Frage, ob das UKD noch weitere Patienten aufnehmen könnte, erklärte der Bereichsleiter Tropenmedizin: „Wir sind vorbereitet, aber derzeit ist mir nichts bekannt, also da gibt es übrigens auch keine Anfragen, aber wir sind vorbereitet. Wir könnten weitere Personen noch aufnehmen.“ Bei dem Ausbruch starben bislang drei Menschen, ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden sowie eine Frau aus Deutschland. Nach Angaben des niederländischen Außenministeriums soll die 65-jährige Deutsche, die nun in der Uniklinik ist, in engem Kontakt mit der deutschen Frau gestanden haben, die laut Reederei am 2. Mai an Bord starb. Die Uniklinik äußerte sich bisher nicht genauer zu der Kontaktperson, die am späten Mittwochabend aufgenommen worden war. WHO sieht eine „ernste Lage“ „Dies ist eine ernste Lage, aber die WHO betrachtet das Risiko für die öffentliche Gesundheit als gering“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstag in Genf. „Dies ist nicht der Beginn einer Pandemie“, betonte die amtierende Nothilfekoordinatorin, Maria van Kerkhove. Ein Vergleich mit dem Start der Corona-Pandemie vor sechs Jahren sei nicht angebracht. Die niederländischen Gesundheitsbehörden teilten mit, dass eine Stewardess, die engen Kontakt mit der am Virus gestorbenen NIederländerin hatte, nicht infiziert sei. Ein Test sei negativ. Das bestätigte auch die WHO. Die Stewardess war am Mittwoch mit Symptomen in ein Krankenhaus in Amsterdam eingeliefert worden. Sie hatte sich in Johannesburg in Südafrika um die Frau gekümmert, die nach ihrem Aufenthalt auf der „Hondius“ mit einem KLM-Flug nach Amsterdam fliegen wollte. Die Crew hatte sie aber wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes nicht mitgenommen. Einen Tag später starb sie im Krankenhaus. Zuvor war bereits ihr Mann auf dem Schiff an dem Virus gestorben. Verdachtsfälle in Spanien und Dänemark In Spanien wurde unterdessen eine Frau, die in derselben KLM-Maschine saß, mit leichten Krankheitssymptomen zur Überwachung in ein Krankenhaus gebracht. Das teilte der Staatssekretär im spanischen Gesundheitsministerium, Javier Padilla, mit. Die Frau sei in einem Krankenhaus in Alicante und das Ergebnis eines PCR-Tests stehe noch aus.  Auch eine Person aus Dänemark, die in der KLM-Maschine saß, wurde auf das Hantavirus getestet, nachdem bei ihr nach dem Flug von Johannesburg nach Amsterdam grippeähnliche Symptome aufgetreten waren. Die getestete Person sei inzwischen aber symptomfrei, wie die dänische Behörde für Patientensicherheit mitteilte. Sie befinde sich in Isolation. Das Testergebnis liege noch nicht vor. Mensch-zu-Mensch-Übertragung als sehr gering einzuschätzen Der Experte Martin Eiden vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erläuterte im „Morgenecho“ auf WDR5, beim Hantavirus sei ausschließlich im Fall des sogenannten Andes-Typs eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Und auch bei diesem Virus-Typ seien weltweit bisher nur wenige Fälle bekanntgeworden. Das Risiko, einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung sei generell als sehr gering einzuschätzen, sagte Eiden. Sie seien bislang nur selten - so etwa im Jahr 1995 und 2018 in Argentinien - beobachtet worden. Dort gibt es das Andes-Virus. Hantaviren werden üblicherweise durch infizierte Nager wie Ratten oder Mäuse übertragen. Das niederländische Paar, das die ersten Symptome zeigte und später an der Infektion starb, war laut argentinischer Regierung bereits seit 2025 in der Region unterwegs gewesen. In Deutschland kursiert Experte Eiden vom FLI zufolge vor allem der Puumala-Virustyp aus der Familie der Hantaviren. Es werde ausschließlich über Ausscheidungen von infizierten Rötelmäusen auf den Menschen übertragen. Treffe man auf Ausscheidungsstaub – etwa in Garagen, Kellern oder Dachböden - solle man diese daher nur mit angelegter Atemmaske wegfegen, Kot immer mit Handschuhen wegschaffen, empfahl er. In den meisten Fällen verliefen Infektionen ohne Symptome, die Betroffenen bemerkten sie nicht einmal, berichtete er. Es sei hierzulande nur in wenigen Fällen zu schweren Erkrankungen gekommen, in der Regel bei vorerkrankten Patienten.