Monatelang hat die Europäische Kommission darauf hingearbeitet, das Mercosur-Abkommen nach mehr als einem Vierteljahrhundert Verhandlungen über die Ziellinie zu bringen. Am Samstag will Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das Abkommen auf dem Gipfel der vier Mercosur-Staaten in Brasilien unterzeichnen. Nun stellt sich Frankreich quer – wieder einmal. Die Regierung in Paris fordert Nachbesserungen, um ihre protestfreudigen Bauern vor vermeintlich unfairer Konkurrenz aus Südamerika zu schützen. Als hätte die EU in den vergangenen Jahren und Monaten nicht immer wieder nachverhandelt und nachgebessert, um diesem Anliegen gerecht zu werden. Nur um jedes Mal anschließend aus Paris zu hören, es reiche leider immer noch nicht. Die Pariser Verzögerungsstrategie schadet der Wirtschaft in der EU. Die Geschäftsmöglichkeiten, die das Abkommen bietet, wären für die Industrie ein Segen. Sie ist auch geopolitisch grob fahrlässig. Paris verschafft Chinesen und Amerikanern Raum in Südamerika, um sich Einfluss, Rohstoffe und Geschäfte zu sichern. Bekenntnis zu multinationaler Kooperation und offenem Handel Ein klares „Ja“ der Europäer zum Mercosur-Abkommen hingegen wäre die ideale Antwort auf die neue nationale Sicherheitsstrategie der USA. Es wäre ein Bekenntnis zu multinationaler Kooperation und offenem Handel sowie ein Zeichen wirtschaftlicher Stärke und Handlungsfähigkeit. Zudem hätte die EU von einer Verschiebung der Abstimmung auf Januar, wie von Paris gefordert, wenig zu gewinnen. Es spricht nichts dafür, dass sich die innenpolitische Lage in Frankreich im Januar, Februar oder März ändert. Gleichzeitig steigert jedes weitere Zögern die Gefahr, dass die zunehmend genervten Mercosur-Staaten den Deal mit den unzuverlässigen Europäern aufkündigen. Wenn Präsident Macron nicht den Mut hat, den Protest der französischen Wutbauern auszuhalten, müssen die anderen EU-Staaten Frankreich eben überstimmen, so einmalig das in der Geschichte der EU auch wäre. Die EU darf ihre Zukunft nicht den kurzfristigen Interessen französischer Bauern opfern. So würde sie nur die Analyse der USA bestätigen, dass Europa eben doch nur noch ein Kontinent im wirtschaftlichen Niedergang ist.
