China hat 2025 etwas sehr Bemerkenswertes geschafft. Trotz des harten Handelskrieges mit den USA, in dem zeitweilig Zölle von 145 Prozent gegenüber chinesischen Produkten galten, hat das Land einen Handelsbilanzüberschuss in Rekordhöhe von 1,2 Billionen Dollar mit der Welt erzielt. Die chinesischen Exporte sind dabei um 5,5 Prozent gewachsen. Dies ist nicht zuletzt deswegen erstaunlich, weil die USA immer noch Chinas wichtigster Exportmarkt sind. Die US-Zölle haben dabei durchaus tiefe Spuren hinterlassen. Die chinesischen Exporte in die USA brachen im vergangenen Jahr um 20 Prozent ein. Allerdings wurden sie mehr als kompensiert durch deutlich höhere Exporte in andere Länder. Die Exporte in die südostasiatischen ASEAN-Staaten und nach Indien wuchsen jeweils um rund 13 Prozent, nach Afrika um mehr als 25 Prozent und in die Europäische Union und nach Lateinamerika um ungefähr jeweils acht Prozent. Die Verschiebung der chinesischen Exportstrukturen ist allerdings keine kurzfristige Reaktion auf die US-Zölle, sie setzt eher eine langfristige Entwicklung fort. Seit der ersten Trump-Administration und dem damaligen Handelskrieg sinkt die Bedeutung der USA für China als Exportmarkt. Die USA sind zwar immer noch Chinas wichtigster Markt, allerdings ist der Anteil der US-Exporte an den gesamten chinesischen Exporten stark gesunken, seit 2018 hat er sich fast halbiert. Gleichzeitig hat China vor allem die Märkte in Asien und in sonstigen Schwellenländern sehr stark durchdrungen. Seit 2020 sind die chinesischen Exporte in Richtung Südostasien, Lateinamerika und Afrika jedes Jahr im Durchschnitt zweistellig, die nach Europa um acht Prozent gewachsen, während sich die Exporte in die USA sehr wenig von der Stelle bewegt haben. Resilienz durch Diversifizierung Ein Teil des Exportwachstums dürfte mit Transshipment zu tun haben, also der Umleitung von Waren über andere Länder, um direkte Zölle zu umgehen. Eine zentrale Rolle spielt allerdings die steigende Nachfrage aus Schwellenländern. Das größte Exportwachstum 2025 ist bei Halbleitern, Schiffen und Autos zu verzeichnen, also Produkten, bei denen die Umgehung von Zöllen eher schwierig sein dürfte. Gleichzeitig bewegen sich die chinesischen Exporte in den Wertschöpfungsstufen nach oben; die Autoindustrie mit neuen Wettbewerbs- und Kostenvorteilen ist hierfür ein Beispiel. Vom Beispiel Chinas, das sich neu aufgestellt hat, kann Europa lernen. Durch Diversifizierung von Absatzmärkten können selbst tiefgreifende Schocks und Verwerfungen im globalen Handelssystem nicht nur abgefedert, sondern sogar überkompensiert werden. Die jüngsten Freihandelsverträge der EU mit Indien und Mercosur sind in dieser Hinsicht ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, denen noch weitere folgen müssen. Diese Aufgabe der Erschließung neuer Märkte im globalen Süden wird durch die zunehmende chinesische Präsenz in diesen Märkten sicherlich nicht einfacher. Für eine hoch exportorientierte Wirtschaft wie die deutsche und europäische, die mit Zöllen und geopolitischen Spannungen in den wichtigsten Exportmärkten konfrontiert sind, gibt es aber wenig erfolgversprechende Alternativen.
