Wenn Miro Schluroff den Raum betritt, kommt die gute Laune mit rein. Zugewandt, humorvoll und auskunftsfreudig bereichert der 25 Jahre alte Handballprofi die öffentlichen Auftritte der Nationalmannschaft. Dabei gewährt der Neuling im Elitekreis der deutschen EM-Teilnehmer gern Einblicke ins Innenleben: „Wir werden uns bei der EM schon beschäftigt kriegen. Da sind ein paar Brettspiele im Gepäck. Ich wusste gar nicht, dass hier auch so viel Catan gespielt wird, das muss ich mir noch besorgen, bevor wir losfahren.“ Neben den „Siedlern von Catan“ sei auch das Kartenspiel „Wizard“ gerade bei den „Berliner Jungs“ Matthes Langhoff und Nils Lichtlein angesagt, verrät er. Die haben ihn sofort als Mitspieler adoptiert – kein Wunder, denn wer sich über Miro Schluroff aufregen kann, ist selbst schuld. Hektik oder Nervosität gehen von ihm nicht aus. Viel Zeit ist nicht mehr, Fachgeschäfte für Gesellschaftsspiele aufzusuchen. Die deutsche Handballauswahl reist nach den Testspielen gegen Kroatien an diesem Donnerstag (20.30 Uhr) in Zagreb und Sonntag in Hannover weiter in die dänische Stadt Silkeborg. Am Dienstag wird es so weit sein: Reise per Bus gen Norden, dann nachmittags Quartier machen im Hotel „Papirfabrikken“, eine halbe Stunde vom Spielort Herning entfernt. „Miro ist wertvoll für die Stimmung“ Es wird Schluroffs erstes großes Turnier. Aber der 198 Zentimeter lange Rückraumspieler vom VfL Gummersbach wirkt nicht besonders aufgeregt oder fremdelnd. Eher wirkt er ungeduldig: „Gefühlt tapert die Zeit so vor sich hin. Ich würde für den Kopf gern vorspulen bis zum ersten Spiel gegen Österreich nächsten Donnerstag. Aber für den Körper ist es gut, dass noch ein bisschen Zeit vergeht.“ Seit März 2025 im Kreis der besten Werfer, hat Schluroff seinen Platz schnell gefunden. „Er ist ein wertvoller Charakter, ein Mensch, der über sich selbst lachen kann“, urteilte Assistenztrainer Erik Wudtke zuletzt, und sein Gesicht fing bei den Worten an zu strahlen: „Miro ist wertvoll für die Stimmung, denn er ist ein kleiner, vielleicht sogar großer Entertainer.“ Das kann dieser stillen, ernsthaften Mannschaft nur guttun. Dabei ist Schluroff auch jemand mit gesundem Selbstvertrauen. Mikkel Hansen habe es ja vorgemacht, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. zum Thema „Rechtshänder auf der Linkshänderposition“. Da hat keiner die Regale verwechselt. Schluroff will nur sagen, dass die Dänen bei ihrem WM-Titel 2019 keinen Linkshänder im Rückraum hatten, stattdessen mit der Reihe Rasmus Lauge – Morten Olsen – Mikkel Hansen spielten. Der größte Star des Handballs, inzwischen abgedankt, agierte damals im rechten Rückraum. Das muss auch Schluroff, denn beim DHB ist die Besetzung dort mit nur zwei Profis eng. Er sagt: „Ich bin schon lieber im linken Rückraum unterwegs, denn die andere Seite bleibt ungewohnt. Aber es ist auch für die gegnerische Abwehr ungewohnt.“ So ist Schluroff: Er sieht das Positive an der Versetzung, die Gislason auch vornimmt, weil er von Schluroff ein Paket aus Angriff und Abwehr bekommt. Und weil das Fachkräfte-Angebot im linken Rückraum sehr groß ist. „Miro ist an beiden Enden einsetzbar. Er hat ein Fass im Arm, gepaart mit Vielseitigkeit. Er gibt uns viele Möglichkeiten“, sagte Kotrainer Wudtke. An seiner Schule spielten alle Handball Schluroffs Weg zum Nationalspieler war verschlungen. Als Sohn des Bremer Fußballprofis Lars Unger wäre eine Fußballkarriere logisch gewesen. Er war schon Innenverteidiger, wie sein Vater, liebte Diego und Pizarro. Doch in der Schule in Habenhausen spielten alle Handball – sogar die Lehrer. Also blieb Schluroff in Bremen beim kleinen Ball hängen, während im Schrank die Sammlung von Werder-Trikots wuchs. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. Dann war es die Strategie der kleinen Schritte, die ihn zum Nationalspieler machte. Ohne nachhaltige Spuren im DHB-Nachwuchs zu hinterlassen (außer in der U 18 im Beach-Nationalteam), kletterte Schluroff über Habenhausen, Wilhelmshaven, Berlin und Minden nach Gummersbach. Diese Abnabelung von zu Hause habe es gebraucht, um erwachsen zu werden, sagt Schluroff. Dort hat er in Trainer Gudjon Valur Sigurdsson seit 2022 den richtigen Förderer gefunden. Mit dem härtesten Wurf der bisherigen Saison ausgestattet (130 Kilometer in der Stunde), bekommt Schluroff in Gummersbach viele Freiheiten. Dort weitgehend auf seiner Stammposition spielend, hat er Julian Köster neben sich auf Mitte. Der ist auch vom Jahrgang 2000 (einen Monat älter), aber schon viel länger dabei. Und ähnlich gut aussehend. Anders als Köster, der beim Zusatz „Teenie-Schwarm“ die Augen verdreht, sagt Miro Schluroff grinsend: „Gibt Schlimmeres!“
