Bei allen anderen Argumenten für die Kreisfreiheit Hanaus schwingt auch das mit: Die Eingliederung in den Main-Kinzig-Kreis während der Gebietsreform in den Siebzigerjahren empfanden die Kommunalpolitiker in der Stadt vor allem als Verlust, wirklich angekommen im Landkreis ist die Kommune aus dieser Perspektive nie. Aber es gibt wichtigere Argumente für die Entscheidung als Hanauer Befindlichkeiten. Die Aufgaben, die bisher vom Kreis erledigt worden sind, übernimmt die Stadt in der Überzeugung, sie in eigener Regie effektiver und für weniger Geld bestreiten zu können. Dieses Selbstvertrauen gründet sich auf die Erfahrungen, die bei Herausforderungen wie der Konversion und dem Umbau der Innenstadt gesammelt worden sind, und den Aufschwung, den Hanau in den vergangenen Jahren genommen hat. Daher traut sich die Stadt zum Beispiel zu, im Sozialwesen bürgernäher und individueller arbeiten zu können. Flapsig gesagt: Wir kennen unsere Pappenheimer besser als der Kreis. Hoffnung auf den kurzen Dienstweg Als weiteres Argument führen die Befürworter des Schritts ins Feld, dass die Stadt überregional mehr wahrgenommen wird, wenn sie nicht mehr als Teil eines Landkreises auftreten muss. Und sie setzen auf kürzere Entscheidungswege, wenn für die Stadt mit dem Kreis eine Zwischeninstanz in der Verwaltung wegfallen wird, das fein gesponnene Netz aus oberen und unteren Behörden, Regierungspräsidium, Kreis und Landesregierung also für Hanau ein wenig gelichtet wird. Dass man sich selbst besser vertreten kann als ein Landkreis, der die Interessen der Städte im Ballungsraum wie Hanau gleichermaßen berücksichtigen muss wie die Belange im ländlichen Osten, ist auch nicht von der Hand zu weisen. Am langen Ende muss sich die Kreisfreiheit aber daran messen lassen, ob das Versprechen größerer Bürgernähe eingelöst werden kann. Die Bündelung aller Stellen des Sozialwesens unter einem Dach könnte dafür ein gutes Beispiel werden, da geben sich die Stadt und die Bundesagentur für Arbeit, mit der in diesem Feld kooperiert wird, zuversichtlich. Ein weiteres Kriterium wird das liebe Geld sein: Hanau ist sich sicher, vom Verschiebebahnhof aus Umlagen, Finanzausgleich und Zuschüssen künftig besser abzuschneiden, das zeigen Berechnungen aus der Kämmerei. Tatsächlich steht die Stadt finanziell solide da – aber auf alle Kommunen im Land kommen schwere Zeiten zu, sagen die Fachleute. Spätestens dann wird sich zeigen, was die Kreisfreiheit für Hanau wert ist.
