FAZ 09.12.2025
20:06 Uhr

H200-Reihe: Trump gibt Nvidia-Chips für China frei


Der US-Präsident beschert dem Halbleiterkonzern einen großen Erfolg. Aber inwiefern China den Verkauf von Nvidia-Chips auch zulässt, muss sich noch zeigen.

H200-Reihe: Trump gibt Nvidia-Chips für China frei

Das Drängen von Jensen Huang hat sich offenbar ausgezahlt: Donald Trump will dem von Huang geführten Halbleiterkonzern Nvidia erlauben, deutlich leistungsfähigere Chips als bislang nach China zu verkaufen. Der US-Präsident kündigte nun auf seiner Plattform Truth Social an, Nvidia dürfe fortan seine Chipreihe H200 an „autorisierte Kunden“ in China liefern. Im Moment darf Nvidia dort nur seine erheblichen schwächeren H20-Chips vertreiben, die dort jedoch kaum nachgefragt werden, vor allem, weil die chinesische Regierung Unternehmen aufgefordert hat, diese nicht zu kaufen. Eine Freigabe für die H200-Chips ändert nun die Ausgangsposition. Diese Chips sind nach Schätzung des Thinktanks Institute for Progress sechsmal leistungsfähiger als die H20-Reihe. Es bleibt allerdings die Frage, inwiefern China deren Verkauf auch zulässt. Trump sagte, der chinesische Präsident Xi Jinping habe positiv auf die Freigabe reagiert. Das Wirtschaftsblatt „Financial Times“ schrieb indes, Peking arbeite daran, auch den Zugang zu den H200-Chips einzuschränken. Mögliche Käufer würden wahrscheinlich einen Genehmigungsprozess durchlaufen und angeben müssen, warum einheimische Chips für ihre Zwecke nicht reichten. Nach diesem Bericht gab die Nvidia-Aktie einen großen Teil ihrer zunächst vorbörslichen Gewinne wieder ab. Nvidia ist derzeit mit einer Marktkapitalisierung von 4,5 Billionen Dollar das wertvollste Unternehmen der Welt. Jensen Huang bemühte sich um Entspannung Der chinesische Markt ist im Moment eine der größten Herausforderungen für Nvidia. Schon unter dem früheren US-Präsidenten Joe Biden wurden Exportbeschränkungen verhängt, die dem Unternehmen den Verkauf seiner leistungsfähigsten Chips hier untersagten. Darauf reagierte Nvidia mit der Entwicklung der schwächeren H20-Reihe speziell für China. Im April hat Donald Trump auch für diese Chips Restriktionen verhängt, diese dann allerdings im Sommer wieder aufgehoben. Peking machte aber deutlich, dass es seine eigenen Chiphersteller inzwischen für gut genug hält. Die heimischen Techunternehmen wurden angewiesen, auf chinesische KI-Chips zu setzen. Wichtige Akteure wie Alibaba und Deepseek leisteten Folge. All dies hatte zur Folge, dass Nvidia zuletzt kaum noch Umsätze in China machte. Vorstandschef Huang hat allerdings in der Zwischenzeit mit aggressiver Lobbyarbeit versucht, Trump zu überzeugen, den Verkauf leistungsfähigerer Nvidia-Chips in China zu genehmigen. Zwischenzeitlich stand auch zur Debatte, eine Variante der jüngsten Chipgeneration Blackwell für China freizugeben. So weit ging Trump zwar nicht, aber die H200-Reihe gehört noch immer zu den leistungsstärksten Chips im Nvidia-Sortiment. Ihre Freigabe gilt als eine Art Kompromiss. KI-Fieber an chinesischen Börsen Trumps Genehmigung ist an eine ungewöhnliche Bedingung geknüpft. Seinem Eintrag zufolge muss Nvidia 25 Prozent seiner künftigen Umsätze mit H200-Chips in China an die US-Regierung abführen, gewissermaßen als eine Art Exportzoll. Trump hatte schon bei der Genehmigung des Verkaufs von H20-Chips im Sommer eine ähnliche Umsatzbeteiligung der US-Regierung von 15 Prozent angekündigt. Diese Abgabe ist aber Nvidia zufolge bislang noch nicht gezahlt worden, weil die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür noch nicht geschaffen worden seien. Zudem waren die Nvidia-Umsätze in China zuletzt ohnehin vernachlässigbar. Für Nvidia wäre wohl sogar ein Exportzoll von 25 Prozent verschmerzbar. Das Unternehmen hatte in seinem jüngsten Geschäftsquartal eine Nettogewinnmarge von 56 Prozent. Die chinesischen Chips hinken zwar weiterhin einige Jahre hinterher. Doch Nvidia-Chef Jensen Huang betont, dass sie stattdessen von günstiger Energie und guter Infrastruktur profitierten. Zudem setzen sie auf öffentlich zugängliche Open-Source-KI-Modelle, die sich großer Beliebtheit auf der Welt erfreuen. An den Börsen in der Volksrepublik ist zuletzt ein regelrechtes KI-Fieber ausgebrochen. Ein Start-up nach dem anderen, das KI-Chips entwickelt, drängt auf das Börsenparkett. Vergleichsweise kleine Unternehmen wie Cambricon und Moore Threads, die als Chinas Antwort auf Nvidia gehandelt werden, aber bisher nur einige Hundert Millionen Euro im Jahr an Umsatz machen, erzielen schwindelerregende Bewertungen. Cambricon bringt an der Börse umgerechnet knapp 70 Milliarden Euro auf die Waage. Moore Threads kommt nach einem Fabelbörsengang in der vergangenen Woche auf mehr als 30 Milliarden Euro. Die Aktien der Unternehmen zeigten sich am Dienstag unbeeindruckt von der möglicherweise wieder wachsenden Konkurrenz von Nvidia.