Schön für Bayer und die Bayer-Aktionäre. Für einen Arzneimittelkandidaten, der nach enttäuschenden Ergebnissen aus einer klinischen Studie vor ziemlich genau zwei Jahren als teurer Fehlschlag abgeschrieben schien, gibt es nun doch noch eine Erfolgschance. In weiteren Tests hat sich herausgestellt, dass das Präparat zwar nicht wie zunächst erhofft gegen Vorhofflimmern hilft, wohl aber das Risiko von Schlaganfallpatienten senkt, abermals einen Schlaganfall zu erleiden. Diese Komplikation ist nicht so weit verbreitet wie die Herzerkrankung, die ursprünglich damit behandelt werden sollte, betrifft Jahr für Jahr aber immer noch einige Millionen Menschen. Wird das Mittel zugelassen, könnte Bayer damit viel Geld verdienen. Das hat dem Aktienkurs des Leverkusener Konzerns einen Schub gegeben. Das Plus von mehr als zehn Prozent im Wochenvergleich gilt es einzuordnen. Erstens gleicht es den vor zwei Jahren erlittenen Wertverlust kaum zu einem Drittel aus. Das entspricht den gestutzten Erwartungen an das Präparat. Zweitens lässt sich die frohe Kunde nur mit großem Wohlwollen ausdrücklich dem Ansatz von Bayer-Chef Bill Anderson anrechnen, der das Unternehmen schneller machen will und es dafür organisatorisch durchgeschüttelt hat. Unvorhergesehene glückliche Wendungen in der Arzneimittelentwicklung gibt es auch anderswo; das bekannteste Beispiel ist der Viagra-Wirkstoff, der ursprünglich als Blutdrucksenker gedacht war. Drittens ist das mit Abstand größte Problem von Bayer ein anderes. Die Schadenersatzklagen in den USA, eingekauft mit der Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto, lasten auf dem Konzern wie ein Fluch. Bill Anderson hat in Aussicht gestellt, diesen Fluch 2026 abschütteln zu können. Falls das gelingt, wird der Bayer-Kurs einen vielfach größeren Schub erhalten.
