FAZ 18.02.2026
11:29 Uhr

Großvater entführt: „Wir haben Mühe zu begreifen, dass er verschleppt wurde“


Unbekannte haben in Sydney einen Mann entführt – ihn aber offenbar verwechselt. Die Familie ist in großer Sorge um den 85 Jahre alten Großvater. Warum lassen die Entführer ihn nicht einfach frei?

Großvater entführt: „Wir haben Mühe zu begreifen, dass er verschleppt wurde“

Ein SUV hält in der Dunkelheit vor einem Haus. Zwei Personen mit Kapuzen über den Köpfen steigen aus. Etwas später zerrt einer von ihnen einen Mann von dem Haus in die Einfahrt: Diese körnigen Aufnahmen einer Überwachungskamera vom vergangenen Freitag sollen die Entführung des 85 Jahre alten Chris Baghsarian in einem Vorort im australischen Sydney zeigen. Doch wie sich mittlerweile herausgestellt hat, dürfte es sich um eine Verwechselung handeln. Darin ist sich die Polizei ihren eigenen Angaben zufolge „zu einer Million Prozent“ sicher. Nachdem den australischen Medien zufolge „verstörende“ Bilder und Videos des Entführten aufgetaucht waren, appellierten die Ermittler an die Kidnapper, den Mann umgehend freizulassen. Die Bilder, über die der Sender „Seven News“ berichtete, sollen unter anderem eine Hand des Mannes mit einem abgetrennten Finger zeigen. Auf anderen Aufnahmen ist er demnach mit gefesselten Händen und in gekrümmter Haltung zu sehen. Entführter auf Medikamente angewiesen Seiner Familie zufolge ist der Entführte auch auf tägliche Medikamente angewiesen. Sie hatte in einer Mitteilung zuvor von einer „surrealen“ Situation gesprochen. Sie erlebe „einen Albtraum“, den sie nie für möglich gehalten habe. „Wir haben Mühe zu begreifen, dass er verschleppt wurde und dass unsere Familie in etwas verwickelt ist, das nichts mit uns zu tun hat“, erklärten die Angehörigen laut dem australischen Sender ABC. Sie bezeichneten den Entführten als „hingebungsvollen Vater, Bruder, Onkel und Großvater“. Offen ist noch, wen die Unbekannten eigentlich entführen wollten. Der australischen Presse zufolge soll in der Nachbarschaft des Hauses ein krimineller Clan operieren. „Es handelt sich eindeutig um eine Verwechselung, die zeigt, wie wenig Respekt die Mitglieder des organisierten Verbrechens vor einzelnen Menschen haben“, hatte Polizeikommissar Mal Lanyon am Montag erklärt. Hinweise auf eine Verbindung des Entführten und seiner Familie in die „kriminelle Welt“ gebe es nicht. Bisher wurde auch kein Lösegeld verlangt. Das Fluchtfahrzeug der Kidnapper war nach der Entführung, die sich um fünf Uhr morgens im Vorort North Ryde im Nordwesten von Sydney ereignet hatte, in einem Nachbarort ausgebrannt aufgefunden worden.