FAZ 11.01.2026
15:38 Uhr

„Größte Sensation“ im Pokal: Macclesfields unwahrscheinlicher Zauber


Ein Klub aus der sechsten Liga schmeißt den Titelverteidiger aus dem englischen FA Cup. Und die Zuschauer merken: Es gibt ihn doch noch, den Zauber des Spiels.

„Größte Sensation“ im Pokal: Macclesfields unwahrscheinlicher Zauber

Ob es wirklich die Ungewissheit ist, die Menschen zum Fußball treibt? Das Hoffen und Sehnen, der Zauber der möglichen Überraschung? Ist das noch immer so, im Jahr 2026 – trotz der tüftelnden Trainer und der steinreichen Klubbesitzer, die alles daransetzen, den Zufall und mit ihm die Sensationen aus dem Spiel zu drängen? Vielleicht. Es ist jedenfalls immer noch kraftvoll, wenn sich, wie am Samstag in Macclesfield, Nordengland, das Sensationelle doch mit auf den Platz schleicht. Wie kraftvoll, das sieht man zum Beispiel im ungläubigen Gesicht des Mittelfeldspielers James Edmondson des Sechstligisten Macclesfield F.C., als der nach Spielende über das Feld schreitet und versucht zu begreifen, was gerade passiert ist: Er, der Amateurfußballer, hat mit seinen Amateurfußballerkollegen 2:1 gegen Crystal Palace gewonnen. Sie haben den Titelverteidiger in der dritten Runde aus dem großen FA Cup geschossen. Es ist eine der unwahrscheinlichsten Geschichten in der Geschichte dieses Pokalwettbewerbs. Sie wird noch unwahrscheinlicher dadurch, dass der Verein aus Macclesfield 2020 pleite war und in der neunten Liga neu anfangen musste. Und dass die Mannschaft aus Macclesfield seit Dezember 2025 verarbeiten muss, dass ihr Stürmer Ethan McLeod bei einem Autounfall ums Leben kam. Trainer John Rooney, dessen älterer, berühmter Bruder Wayne nach Abpfiff mit den Tränen rang, widmete den Sieg McLeods Eltern, die auf der Tribüne zusahen. Und wenn man so die Gesichter der Menschen betrachtet, die an diesem eisigen Tag in Macclesfield ins Stadion gegangen und am Ende über den Kunstrasen gerannt sind, drängt sich der Gedanke auf, dass Menschen doch nicht nur wegen des Hoffens, Sehnens und des ungewissen Ausgangs zum Fußball gehen. Sondern wegen der Gemeinschaft.