FAZ 22.02.2026
16:41 Uhr

Gold im Viererbob: Lochners „Moment für die Ewigkeit“


Johannes Lochner krönt das Ende seiner Karriere nicht nur mit Gold in der Königsdisziplin im Eiskanal, sondern auch mit dem Triumph über Dauerrivalen Francesco Friedrich. Die deutsche Bilanz im Eiskanal kann sich sehen lassen.

Gold im Viererbob: Lochners „Moment für die Ewigkeit“

Da stand er, Johannes Lochner, am Ende seiner Karriere, gerade dekoriert mit der zweiten Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen. Hinter ihm war zum ersten Mal bei Siegerehrungen am Eiskanal die Kulisse von Cortina d’Ampezzo mit den mächtigen Bergen zu sehen. In den zwei Wochen davor hatten die Medaillenvergaben stets am Abend stattgefunden. Lochner lächelte, ein bisschen verklärt fast, als die Nationalhymne erklang. Die ganz großen Emotionen hatte es eine halbe Stunde vorher gegeben, nach dem Zieleinlauf. „Es ist einfach so ein Traum, der sich seit zwei Jahren in meinem Kopf abgespielt hat“, sagte Lochner, der von einem „Moment für die Ewigkeit“ sprach. Lochner schaffte mit Thorsten Margis, Jörn Wenzel und Georg Fleischhauer als Anschieber das, was vor vier Jahren in Peking noch Francesco Friedrich verhindert hatte: Olympiasieger zu werden. Nicht nur im Zweier-, sondern auch im Viererbob, der Königsdisziplin im Eiskanal, ließ er den ewigen Rivalen hinter sich. Gold im Zweierbob sei „das Pflichtprogramm“ gewesen, sagt er. „Da war so viel Druck innerlich“ und es sei deshalb ein besonderer Genuss, „endlich beim Höhepunkt zweimal Gold zu gewinnen“. Wie für Lochner war dies auch für Margis der letzte Wettkampf der Karriere. Die anderen beiden aus dem Gold-Bob suchen neue Herausforderungen. Wenzel plant, an die Lenkseile zu wechseln, und Fleischhauer will in einem anderen Bob als Anschieber weitermachen. Friedrich stieg mit dieser zweiten Silbermedaille nach insgesamt viermal Gold 2018 und 2022 zum erfolgreichsten Bob-Piloten auf. Der Sachse überholte damit den Thüringer André Lange. „Es war ein harter Kampf, und wir sind äußerst zufrieden mit Silber.“ Der sonst beim Feiern eher zurückhaltende Friedrich versprach, dass es am Abend im Deutschen Haus „feuchtfröhlich und laut“ werde. „Es wird bestimmt ein schöner Abend.“ Ammour verpasst Bronze knapp Dieser letzte Wettbewerb seiner Karriere hatte für Lochner furios begonnen, schon im ersten Lauf fuhr er einen beachtlichen Vorsprung auf Friedrich heraus. Zudem bewies er mit zwei Laufbestzeiten seine Überlegenheit in diesem olympischen Eiskanal. Nur im zweiten Lauf war einer schneller, Adam Ammour. „Der war wirklich nicht gut, und dann fahren wir einfach im Feld mit“, sagte Lochner. Ammour hatte sich mit Bruder Issam, Joshua Tasche und Alexander Schaller zwischenzeitlich auf den dritten Platz vorgearbeitet, aber im vierten Lauf ein paar Fehler zu viel eingebaut. Er fiel hinter den Schweizer Michael Vogt zurück, um 0,04 Sekunden. Am zweiten Tag reichten dem 35 Jahre alten Berchtesgadener Lochner „Sicherheitsläufe“, wie Bundestrainer Spies sagte: „Mit dem Vorsprung ist das nur noch ein Verwalten.“ Am Ende war Lochner in der Addition aller vier Läufe 0,59 Sekunden schneller als Friedrich mit seinen Anschiebern Matthias Sommer, Alexander Schüller und Felix Straub. „Die Bahn hat es in sich“ Friedrich hatte nach dem ersten Tag noch einmal am Schlitten gebastelt, etwas breitere Kufen montiert. Aber in der „Pista Olimpica Eugenio Monti“ kam es noch mehr auf ein feines Fahrgefühl an, und da war Lochner unschlagbar. Der Pilot aus Bayern erwischte zwar am Sonntag gleich zweimal die Kurve neun nicht optimal, aber das erging anderen ähnlich. „Die Bahn hat es in sich“, sagte Friedrich. Sie wirkt auf den ersten Blick nicht besonders schwer. Aber alle, die sich in sie hineinstürzten, von den Rennrodlern über die Skeleton-Fahrer bis zu den Bobbesatzungen, erkannten schnell, wie tückisch sie sein kann, dass sie keinen Fehler verzeiht. Das war zwar schon zu erkennen anhand der Steuerprobleme. Ein Fehler und die Bobs schlugen rechts und links an, standen quer. Am Samstag kam es dann zum ersten Mal zu Stürzen. Im zweiten Lauf scheiterte der Österreicher Jakob Mandlbauer. Während seine Anschieber die Eisbahn ohne größere Blessuren verlassen konnten, wurde Mandlbauer wegen einer „Bandscheibenproblematik der Halswirbelsäule“, wie es offiziell hieß, ins Krankenhaus gebracht. Außerdem kippten die Bobs des Franzosen Romain Heinrich und von Axel Brown aus Trinidad und Tobago aufs Eis. Die goldene Freundschaft zwischen Nolte und Levi An den beiden letzten Olympia-Tagen polierte der Deutsche Bob- und Schlittenverband für Deutschland seine ohnehin schon glänzende Bilanz noch einmal ordentlich auf und verlässt Cortina mit insgesamt 19 Medaillen. Laura Nolte und Deborah Levi starteten mit ihrem Sieg am Samstag im Zweierbob vor Lisa Buckwitz und deren Anschieberin Neele Schuten in das goldene Wochenende. Nolte erlebte eine kleine Zeitreise in den vergangenen Tagen. Wie in Peking hatte es zuerst im Monobob eine Enttäuschung gegeben. Statt Gold gewann sie aber immerhin noch Silber, 2022 war sie im Einsitzer ohne Medaille geblieben. Am Samstag wiederholte sie nun mit Deborah Levi den Triumph im Zweierbob. Dennoch, sagt sie, könne man die beiden Siege nicht vergleichen. „Damals waren wir Mitfavoritinnen“, dieses Mal „war uns klar, dass wir in der großen Favoritenrolle sind.“ Das habe zwar Druck erzeugt, „aber die guten Resultate davor geben auch Selbstvertrauen.“ Die Geschichte von Laura Noltes Erfolg ist auch die einer ungewöhnlich engen Freundschaft. Seit acht Jahren sitzt Deborah Levi hinter ihr im Zweierbob. Dass man gut miteinander auskommen muss, versteht sich von selbst, schließlich verbringt man viele Trainingsstunden schon im Sommer zusammen und dann mehr als den halben Winter. Aber Laura Nolte und Deborah Levi sind auch außerhalb des Sports unzertrennlich, fahren gemeinsam in Urlaub und teilen so manche Leidenschaft wie die für Schokolade. „Es macht den Erfolg auch so besonders, weil wir uns blind vertrauen“, sagt Deborah Levi. „Unsere Freundschaft trägt uns durch den Sport.“ Und zum Erfolg.