Oliver Glasner hat einen Fehler gemacht. Er hat geglaubt, ein Trainer dürfe sich noch für Fußball interessieren. Dabei gilt in der Premier League schon längst eine andere Rollenbeschreibung: Der Trainer coacht, arbeitet mit dem, was er hat, und schweigt. Glasner aber erdreistete sich, öffentlich die Transferstrategie seines Klubs Crystal Palace zu hinterfragen. Wie könne man Kapitän Marc Guehi nur einen Tag vor dem nächsten Spiel verkaufen? Seiner Mannschaft sei in dieser Saison „zweimal das Herz herausgerissen“ worden, sagte Glasner. Im Sommer war bereits Eberechi Eze kurzfristig an den FC Arsenal abgegeben worden. „Ich habe das Gefühl, wir werden völlig im Stich gelassen.“ In England haben zuletzt viele Trainer, die traditionell auch ein „Manager“ sind, ihren Job verloren, weil sie sich mit der Klubführung überworfen haben. Doch in Glasners Fall geht es nicht um Macht. Sein Ausbruch ist das Resultat einer Entwicklung, in der sportliche Substanz dem Transfermarkt geopfert wird. Glasner will trotz seines angekündigten Abschieds bleiben, bis zum letzten Spieltag. Aber darf er das auch? Wenn ein Trainer seine Spieler verteidigt und dafür als Störenfried gilt, läuft im modernen Fußball etwas grundlegend falsch.
