Das Girokonto gilt bei vielen Menschen als unscheinbare Alltagsdienstleistung. Wer einmal ein Konto bei einem Institut hat, behält es meistens für lange Zeit, manchmal für immer. Schließlich ist der Aufwand, Daueraufträge und die Kontodaten überall dort, wo sie hinterlegt sind, zu ändern, ziemlich hoch. Doch beim Girokonto ist es wie beim Stromvertrag oder bei Versicherungen: Verbraucher, die regelmäßig genauer auf die Kosten schauen, können Geld sparen. In Deutschland gilt das besonders für Kunden, die in ländlichen Regionen zu Hause sind. Eine aktuelle Analyse der Plattform FMH X Radar zeigt: In Deutschland zahlen Kunden regionaler Banken in kleineren Städten und Kommunen mehr für ihr Girokonto als solche, die in größeren Städten mit mehr als 60.000 Einwohnern leben. Besonders betroffen sind ausgerechnet Kunden, die häufig digital bezahlen, wie die Untersuchung zeigt. Das trifft auch für Hessen zu. Auf den ersten Blick scheint der Unterschied gering zu sein: Die reinen Fixkosten für ein Girokonto, also die Grundgebühr und die Ausgaben für die Nutzung von Bank- und Kreditkarten, liegen in Hessen überall dicht beieinander. In Kleinstädten und ländlichen Kommunen zahlen Kunden in dem Bundesland im Schnitt 10,46 Euro im Monat, in Städten mit mehr als 60.000 Einwohnern sind es 9,98 Euro. Doch wer an dieser Stelle aufhört zu vergleichen, übersieht den entscheidenden Punkt: die Gebühren je Vorgang. Günstiges Girokonto: Vorsicht vor versteckten Kosten Ein typisches Modell einer Regionalbank mit eher kleinstädtisch geprägtem Kundenkreis funktioniert so: Das Unternehmen verlangt einen Grundpreis im Monat. Dieser ist für Onlinemodelle (bei denen zum Beispiel Bargeldausgaben am Schalter extra kosten) oft besonders günstig. Doch der Blick in das Preis- und Leistungsverzeichnis zeigt, dass es dabei häufig nicht bleibt – auch wenn sich dieser Hinweis bisweilen erst in den Fußnoten wiederfindet. Dort erfährt der Kunde, dass Überweisungen, elektronische Zahlvorgänge, Daueraufträge und Lastschriften kostenpflichtig sind, wobei dies bei manchen Häusern und Konten erst von einer bestimmten Summe an gilt, manchmal sind zum Beispiel die ersten zehn Aufträge frei. Auch wenn die fälligen Beträge niedrig sind, mal handelt es sich um zehn, mal um 25, mal um 35 Cent: Über das Jahr kann sich das schnell auf spürbare Summen aufrechnen. Schließlich nehmen inzwischen auch Bäckereien, Kioske und Restaurants weitgehend Kartenzahlungen an. Wer zum Beispiel nur einmal am Tag mit dem Handy zahlt – sei es im Supermarkt, beim Zeitschriftenladen, im Parkhaus, am Fahrkartenautomaten –, der kommt schnell auf Zusatzkosten, die deutlich über den Basisbetrag hinausgehen. Mit Kontowechsel bis zu 290 Euro im Jahr sparen Die Analyse der Finanzberatung FMH X Radar, eine Tochtergesellschaft der FMH Finanzberatung, zeigt den Autoren zufolge: Bei vielen regionalen Häusern sind solche Kontomodelle gang und gäbe. „Mit einem Girokontowechsel sparen Kunden in bestimmten Nutzergruppen einiger Regionen bis zu 290 Euro im Jahr“, sagt Anja Scholz-Orfanidis, Chief Operating Officer bei FMH. Das hat der Studie zufolge unter anderem damit zu tun, dass Menschen in ländlichen Räumen häufiger mit regionalen Hausbanken verwachsen, zu wenig wechselfreudig sind und deshalb zusätzliche Gebühren akzeptieren – oder aber Wert auf die Option legen, die Filiale am Ort zu nutzen. Die Finanzberatung hat sich für ihre Analyse in Hessen 74 Banken und dabei 202 Kontomodelle näher angeschaut. Zwar wurde nicht überall nachgefragt, welche Kontomodelle von wie vielen Verbrauchern genutzt werden. Allerdings hat FMH einem Sprecher zufolge Stichproben genommen, die zeigen, dass durchaus sehr viele Kunden Konten haben, die die genannten Vorgangskosten aufweisen – was laut FMH den Schluss zulasse, dass dies bei den meisten Instituten der Fall sei, wie es heißt. Weil die Kontomodelle sich in vielen Details unterscheiden, hat FMH vier Nutzergruppen unterschieden, um möglichst genau nachweisen zu können, wo Bewohner ländlicher Gebiete, die häufiger Konten bei Regionalbanken haben, Nachteile im Vergleich zu Menschen in Großstädten haben, die häufiger Kunde bei einer großen Geschäftsbank oder einer Digitalbank sind. Dabei zeigt sich, dass die Nachteile von Kleinstädtern größer werden, je digitalaffiner sie beim Thema Geld sind. Bei den sogenannten Bargeld-Traditionalisten, die nur das Notwendigste elektronisch bezahlen, kommen Bewohner kleinerer Kommunen im Durchschnitt auf 13,38 Euro für ihr Girokonto im Monat, in Städten mit mehr als 60.000 Einwohnern sind es nur 11,88 Euro. Preisunterschiede bei digitalaffinen Kunden am größten Schon etwas größer wird die Diskrepanz bei sogenannten Hybridnutzern. Dieser laut Deutscher Bundesbank am häufigsten anzutreffende Kunde verteilt Zahlungen gleichmäßig auf Bargeld und Elektronik und investiert im Monat im Schnitt 14,61 Euro (kleinere Städte) oder 12,73 Euro (größere Städte). Am größten ist die Differenz beim „Heavy User“ genannten Nutzer, der jeden Kaffee und, falls möglich, auch drei Äpfel auf dem Wochenmarkt elektronisch bezahlt: „Wer zu den Liebhabern des elektronischen Bezahlens gehört und von einer hessischen Kleinstadt-Regionalbank zu einer Direktbank wechselt, kann nach unseren Modellrechnungen im Schnitt 197 Euro pro Jahr sparen. 16,42 Euro sind das jeden Monat.“ Bei solchen Summen komme man schon ins Grübeln, ob die Filiale vor Ort das wert sei, meint Scholz-Orfanidis. Zunächst solle man mit der Hausbank das Gespräch suchen, empfiehlt sie, oft gebe es für die eigenen Gewohnheiten bessere Kontomodelle. Ansonsten könne sich der Wechsel zu einer anderen Bank lohnen. Der Preisunterschied zwischen größeren und kleineren Städten sei kein neues Phänomen, heißt es bei der Finanzberatung, schon früher habe man Unterschiede beobachtet. Doch heute seien die Auswirkungen im Durchschnitt höher, weil mehr digital bezahlt werde, so Scholz-Orfanidis. Insgesamt geht sie davon aus, dass die Konkurrenz unter den Banken mit der Größe der Städte zunehme. Kunden hätten eine bessere Auswahl, damit steige die Gefahr, Kunden bei hohen Preisen zu verlieren. Banken in ländlichen Regionen könnten sich höhere Preise eher leisten. Allerdings stellen nach Scholz-Orfanidis' Beobachtung immer mehr Regionalbanken diese Preispolitik infrage.
