FAZ 08.02.2026
19:06 Uhr

Gespräche mit Iran: Unterhändler auf dem Flugzeugträger


Jared Kushner und Steve Witkoff besuchen den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln. In Israel hat sich die Haltung zu einem möglichen Angriff auf Iran verändert.

Gespräche mit Iran: Unterhändler auf dem Flugzeugträger

Donald Trump hatte nach den Gesprächen mit Iran am Freitag gesagt, sie seien „sehr gut“ gewesen und gleichsam hinterhergeschoben, Teheran wisse, es drohten schwere Konsequenzen, einige man sich nicht auf einen Deal. Dazu passte der Besuch seiner obersten Verhandler in dieser Sache, Jared Kushner und Steve Witkoff, auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln tags darauf, dem Herzstück eines möglichen Angriffs auf Iran. Die beiden Männer folgten der Einladung des Oberbefehlshabers der amerikanischen Streitkräfte in der Region, Admiral Brad Cooper. Witkoff, auf Fotos in blauem Flecktarn-Pullover zu sehen, schrieb später auf X, man habe den Soldaten gedankt, die Trumps Botschaft des Friedens durch Stärke hochhielten. Er sei stolz darauf, an der Seite derjenigen zu stehen, die „der Welt zeigen, wie amerikanische Bereitschaft und Entschlossenheit aussehen“. Israels Ministerpräsident hat seinen geplanten Besuch in Washington derweil um eine Woche vorgezogen. Trump soll ihn nun am Mittwoch im Weißen Haus empfangen. Zur Begründung hieß es am Wochenende aus Jerusalem, Netanjahu wolle mit Trump über die Verhandlungen mit Iran sprechen. Israels Regierungschef „ist der Ansicht, dass alle Verhandlungen auch Beschränkungen für ballistische Raketen und ein Ende der Unterstützung für die iranische Achse umfassen müssen“, teilte Netanjahus Büro mit. Wenig kooperative Töne aus Iran Dass dies nicht der Fall sein könnte und die Gespräche sich möglicherweise auf Irans Atomprogramm beschränken werden, besorgt die israelische Seite sehr. Das dürfte der Grund für das Treffen sein, das Medienberichten zufolge auf Netanjahus Wunsch vorgezogen wurde. Sollte Trump sich mit einem neuen Atomdeal zufriedengeben, wäre das für Israel ein schlechter Ausgang der Verhandlungen, ist die dort vorherrschende Meinung. Iran könnte weiterhin regionale Verbündete wie die Hizbullah in Libanon oder die Huthi-Miliz im Jemen unterstützen. Generell hat die Haltung der Regierung in Jerusalem zu einem amerikanischen Angriff auf Iran sich in den vergangenen Wochen verändert. Mitte Januar hatte Ministerpräsident Netanjahu noch zu denjenigen gehört, die Trump von einem Militäreinsatz abrieten. Allerdings bezog sich das vor allem auf den Zeitpunkt: In Israel herrschte Besorgnis, auf einen möglichen iranischen Gegenschlag auf israelische Ziele noch nicht ausreichend vorbereitet zu sein. Inzwischen hat sich das offenbar geändert. Vertreter Israels äußern zwar keine direkten Angriffsdrohungen gegen Iran, und anders als im vergangenen Jahr würde die Luftwaffe sich an einer Attacke wohl nicht beteiligen. Aber Israel wirbt offen für einen Sturz des Regimes in Teheran. Es herrscht Skepsis, ob ein amerikanischer Militäreinsatz allein dies bewerkstelligen könne. Eher setzt man auf ein Wiederaufflammen der Massenproteste. Wenn ein amerikanischer Angriff Khameneis Regime so schwächen würde, dass wieder Hunderttausende auf die Straßen gehen, würde man das in Jerusalem daher begrüßen und indirekt vielleicht auch unterstützen. Aus Iran kamen am Wochenende wenig kooperative Töne. Außenminister Abbas Araghchi wies in einem Interview mit dem Sender Al Jazeera am Samstag zentrale Forderungen der USA zurück. Iran sei weder bereit, auf Urananreicherung im eigenen Land zu verzichten noch seine Vorräte an hochangereichertem, fast waffenfähigem Uran außer Landes zu bringen. Verhandlungen über eine Beschränkung der Reichweite iranischer Raketen lehnte er außerdem grundsätzlich ab.