Diplomaten sprachen am Wochenende von einem „Wettlauf gegen die Zeit“, um einen amerikanischen Militärschlag gegen Iran abzuwenden. So reiste der qatarische Regierungschef und Außenminister Muhammad bin Abdulrahman Al Thani am Samstagabend nach Teheran, um die Spannungen zu entschärfen. Er traf dort unter anderem Ali Laridschani, den Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrates, der als Vertrauter des Obersten Führers Ali Khamenei gilt. Laridschani erklärte auf der Plattform X, es würden entgegen der „künstlich geschürten Kriegsrhetorik“ in den Medien „strukturelle Vorbereitungen für Verhandlungen voranschreiten“. In der Sache liegen Teheran und Washington laut Presseberichten allerdings noch weit auseinander. Streitpunkte sind nicht nur das iranische Atomprogramm, sondern auch die ballistischen Raketen des Regimes. Über letztere will Iran erklärtermaßen nicht verhandeln. Eine Militäraktion Washingtons stand trotz aller diplomatischen Bemühungen weiter im Raum. In arabischen Führungen herrscht Sorge, dass es in einem solchen Fall zu einer Eskalation kommt, die sich auf die ganze Region ausweitet. Khamenei befeuerte diese Ängste am Sonntag noch einmal. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim zitierte ihn mit den Worten: „Wenn die USA einen Krieg anfangen, wird es ein regionaler Krieg sein.“ Die Hizbullah zeigt sich solidarisch Regionale Verbündete des Regimes in Teheran haben in den vergangenen Wochen geholfen, eine entsprechende Drohkulisse zu zimmern. Mehrere Iran treu ergebene Milizen im Irak haben gedroht, amerikanisches Militär in der Region anzugreifen. Die als brutal und kampfstark berüchtigte Gruppe Kataib Hizbullah sprach davon, Teheran in einem „umfassenden“ Krieg zu unterstützen. Es wurden sogar Bilder lanciert, die nahelegten, dass Freiwillige für Selbstmordangriffe rekrutiert werden. In Libanon hat sich der Anführer der Hizbullah, Naim Qassem, zumindest solidarisch gezeigt. In seiner jüngsten Ansprache erklärte er, die Schiitenorganisation werde „nicht neutral“ sein. Im Zuge des jüngsten Waffengangs zwischen der Hizbullah und Israel haben sich die libanesische Miliz und ihre iranischen Hauptsponsoren allerdings etwas entfremdet. Die Hizbullah fühlt sich von Teheran im Stich gelassen, das die Organisation zu Zurückhaltung gedrängt hatte, weil es ihr Raketenarsenal für die eigene Verteidigung bewahren wollte. Es ist daher offen, wie groß die tatsächliche Bereitschaft der massiv durch israelische Luftangriffe geschwächten Hizbullah ist, sich militärisch einzuschalten. Saudi-Arabien, der wichtigste arabische Alliierte der USA und mächtigste arabische Rivale Irans, scheint mit gemischten Gefühlen auf das Ringen um Deeskalation zu blicken. Die Führung in Riad hat laut Angaben von Diplomaten klare Signale – an beide Seiten – ausgesendet, sich aus einer Militäraktion herauszuhalten. Das Königreich will demnach seinen Luftraum nicht für einen Angriff zur Verfügung stellen. Kronprinz Muhammad bin Salman, der die Beziehungen zu Iran zuletzt entspannt hat, soll Präsident Donald Trump vor Wochen von einem Militärschlag abgeraten haben. Zugleich werden in der Führung in Riad allerdings auch Risiken gesehen, sollte Trump seinen Drohungen jetzt keine Taten folgen lassen. Der saudische Verteidigungsminister Khaled bin Salman wurde vom Portal Axios mit entsprechenden Äußerungen aus einem Treffen mit Vertretern von Denkfabriken in Washington vom Freitag zitiert. Er sagte demnach, Teheran könne sich „ermutigt“ fühlen, sollte ein Angriff ausbleiben. Das wurde allerdings nicht als Aufforderung zu einem Militärschlag verstanden, sondern eher als Ausdruck von Unbehagen über einen unbedachten Partner in Washington. Der Minister wurde nämlich auch mit den Worten zitiert, ein Angriff ohne klare Ziele und klaren Plan könne die Lage noch verschlimmern.
