Die Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Iran sollen am Freitagvormittag beginnen. Für die USA werden Medienberichten zufolge der Sondergesandte Steve Witkoff und der Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, Jared Kushner, erwartet. Das sind die wichtigsten Fragen. Worum geht es bei den Verhandlungen in Oman? Iran will vorerst nur über sein Atomprogramm verhandeln. Die Vereinigten Staaten fordern darüber hinaus eine Begrenzung der Reichweite iranischer Raketen und ein Ende der iranischen Unterstützung für Milizen wie die Hizbullah, die Huthis, die Hamas und Gruppen im Irak. Bei beiden Themen geht es letztlich auch um die Sicherheit Israels. Im Zusammenhang mit den Raketen und Milizen gibt es aus Vermittlerkreisen den Vorschlag eines Nichtangriffspakts zwischen Iran und den USA. Vermittler wie die Türkei schlagen vor, die Themen nacheinander abzuarbeiten. Von US-Präsident Donald Trump gibt es widersprüchliche Signale, inwieweit Menschenrechtsfragen Teil der Verhandlungen sein sollen. Außenminister Marco Rubio hat erklärt, die Gespräche könnten nur zu einem sinnvollen Ergebnis führen, wenn sie auch Irans „Behandlung seiner eigenen Bevölkerung“ zum Gegenstand hätten. Was das konkret heißt, ist unklar. Trump hat behauptet, Iran habe zugesagt, auf die Hinrichtung von Demonstranten zu verzichten. Teheran hat das zurückgewiesen. Wie könnte eine Einigung im Atomstreit aussehen? Als Iran und die USA im Juni zuletzt über das Atomprogramm verhandelt haben, war der Hauptstreitpunkt die Anreicherung von Uran. Washington verlangt, dass Teheran vollständig darauf verzichtet. Iran pocht darauf, dass es laut Atomwaffensperrvertrag ein Recht auf zivile Nutzung der Kernenergie habe. Die Fähigkeit zur Urananreicherung ist für die Islamische Republik auch ein Symbol der eigenen technologischen Stärke. Ein vollständiger Verzicht würde als Kapitulation begriffen. Ein gemeinsamer Vermittlungsvorschlag Qatars, der Türkei und Ägyptens sieht daher einen zeitlich auf drei Jahre begrenzten Verzicht und eine anschließende Begrenzung auf einen niedrigen Anreicherungsgrad vor. Während des Zwölftagekrieges im Juni 2025 wurden Irans Anreicherungskapazitäten weitgehend zerstört. Iran hat aber das Wissen, sie wieder aufzubauen. Drängender ist im Moment die Frage nach dem Verbleib der bestehenden Vorräte an fast waffenfähigem Uran, die etwa 400 Kilo umfassen sollen. Russland hat angeboten, das Material zu übernehmen. Das hat es schon im Rahmen des Atomabkommens von 2015 getan, aus dem Trump 2018 ausgestiegen ist. Der Sekretär des iranischen Nationalen Sicherheitsrats, Ali Laridschani, war kürzlich in Moskau. Dabei soll es um dieses Thema gegangen sein. Außerdem müssten sich die USA und Iran auf Maßnahmen zur Überwachung der vereinbarten Beschränkungen verständigen. Das bedeutet Zugang für Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Installation von Kameras und eine lückenlose Offenlegung aller Anlagen, gegen die Teheran sich bisher gesträubt hat. Könnte Iran sich auf eine Begrenzung seines Raketenprogramms einlassen? Iran betrachtet sein Raketenarsenal als das einzige noch wirksame Instrument zur Abschreckung von Angriffen. Teheran ist überzeugt, dass es Israel im Zwölftagekrieg mit seinen Raketenangriffen, von denen etwa 30 die Luftabwehr überwanden, zu einem Waffenstillstand gezwungen hat. Nach dem Ende des Krieges hat Teheran sein Raketenarsenal nicht nur wieder aufgebaut, sondern einen weiteren Ausbau priorisiert. Deshalb ist es schwer vorstellbar, dass Teheran einer Begrenzung der Zahl und Reichweite seiner ballistischen Raketen zustimmen würde. Iran betrachtet die aktuellen Verhandlungen, wenn sie denn überhaupt richtig in Gang kommen, nur als einen Zwischenschritt im Konflikt mit den USA und Israel. Die Führung in Teheran fürchtet, dass Zugeständnisse gegenüber Washington als Einladung für ein militärisches Vorgehen verstanden werden könnten. Der Preis einer Beschränkung seines Raketenarsenals wird als höher angesehen als der Preis eines begrenzten amerikanischen Angriffs. Die unausgesprochene Drohung eines Sprints zur Atombombe, die bislang ebenfalls Teil der iranischen Abschreckung war, hat sich dagegen nicht als wirksam erwiesen. Deshalb dürfte Iran eher bereit sein, darauf zu verzichten. Früher betrachtete Iran die libanesische Hizbullah als erste Verteidigungslinie. Da Israel die Schiitenmiliz stark dezimiert hat, kann sie diese Funktion auf absehbare Zeit nicht ausfüllen. Schon in der Vergangenheit hat Iran aber gezeigt, dass es mit Blick auf die sogenannte Achse des Widerstands langfristig plant. Die Vergeltungsdrohungen der Milizen gelten Teheran als wirksames Mittel, um den Preis eines Angriffs für Amerika in die Höhe zu treiben. Was bedeutet das alles für die Demonstranten in Iran? Als Gegenleistung für Zugeständnisse in der Atomfrage fordert Iran eine Lockerung der internationalen Sanktionen. Wenn es dazu käme, könnte das dem wirtschaftlich massiv unter Druck stehenden Regime Luft zum Atmen verschaffen. Das wäre nicht im Sinne derer, die gehofft haben, dass die Protestbewegung das Regime zu Fall bringen könnte. Es könnte aber auch der Bevölkerung Entlastung bringen, die unter der hohen Inflation und dem Wertverfall des Rial leidet. Ein Verhandlungsergebnis, das den Demonstranten Sicherheit vor Verfolgung bietet, ist kaum vorstellbar. Vielmehr fürchten viele Iraner, dass die Gespräche dem Regime trotz des Massakers an der eigenen Bevölkerung Legitimität verleihen und einen Weg aus der internationalen Isolation weisen könnten. Bedeuten die Verhandlungen, dass ein amerikanischer Angriff auf Iran vorerst vom Tisch ist? Nein. Die Erfolgschancen der Verhandlungen werden als äußerst gering eingeschätzt, weil die Positionen beider Seiten weit auseinanderliegen. Verbündete der USA wie Saudi-Arabien, die Türkei und Qatar dringen zwar auf Deeskalation, weil sie für den Fall eines militärischen Vorgehens negative Folgen für ihre Länder fürchten. Trump hält aber an seinen militärischen Drohungen gegen Iran fest, auch gegen den Obersten Führer persönlich. Nachdem der Präsident sich zwischenzeitlich gegen einen Angriff entschied, sind inzwischen eine Flugzeugträgergruppe sowie zusätzliche Flugabwehrsysteme, Kampf- und Aufklärungsflugzeuge in die Region verlegt worden. Das Militär hat Trump eine breite Palette an Optionen vorgelegt. Was sein Ziel ist, ist aber unklar.
